Entscheid im Sinne der Fasnacht

Eine Selbstzensur der Negro-Rhygass wäre politisch korrekt gewesen – doch das entspricht nicht dem Geist der Basler Fasnacht.

Kontroverse Clowns: Die Negro-Rhygass bleibt die Negro-Rhygass.

Kontroverse Clowns: Die Negro-Rhygass bleibt die Negro-Rhygass.

(Bild: Kostas Maros)

Serkan Abrecht

Es ist ein cleverer Kompromiss, den die Traditionsclique Negro-­Rhygass eingeht: Man werde kein neues Logo kreieren, das bisherige, einen dunkelhäutigen Mann mit Baströcken und Knochen im Haar, aber auch nicht mehr offensiv-­öffentlich zur Schau tragen.

Zur Erinnerung: Ein anonymer 24-jähriger Medizinstudent ­prangerte im Sommer die Clique beim Gratisblatt 20 Minuten an, weil der Name und das Logo der Gugge «rassistisch» seien. Schweizweit gab es einen Shitstorm, die Clique geriet unter Druck – so stark, dass sie alle ihre öffentlichen Auftritte vom Netz nahm. Aktivisten reklamierten, dass das Wort «Negro» und die klischeehafte Darstellung eines schwarzen Mannes nicht mehr den heutigen Standards von «Political Correctness» entsprächen.

Doch die gesamte Fasnacht entspricht dieser nicht – soll sie auch nicht. Sujets, Larven, Kostüme, Laterne: Sie alle dürfen und sollen provozieren. Dürfen anstössig sein und kontrovers. Schliesslich ist die ganze Fasnacht eine Gratwanderung des guten Geschmacks. Und sind die Basler noch so weltoffen, so gesell­schaftlich locker, so sind die Fasnächtler umso wertkonservativer. Traditionen werden über Jahrzehnte hinweg gepflegt, und das jeweilige Aus-dem-Rahmen-Tanzen hat im gewissen Masse auch seine eigene Ordnung. Die Fasnächtler sind, wie sie Roger Köppel in dieser Zeitung einmal nannte, «Grenadiere der guten Laune».

Selbstzensur à la Negro-Rhygass

Und wie das «Semper fidelis» zu den Grenadieren gehört, so gehört auch die Negro-Rhygass zur Basler Fasnacht. Unter dem Druck von gesellschaftspolitischen Aktivisten einzuknicken und dann Namen sowie Logo nach jahrzehntelanger Tradition abzuändern, wäre eine Zäsur gewesen. Die Selbstzensur hätte den Nährboden für weitere ­Forderungen nach «weniger provokanten» Sujets, Larven und Laternen bereitet. Es wären Stimmen laut und lauter geworden, die die Cliquen zur Mässigung à la Negro-Rhygass aufgerufen hätten.

Der Entscheid der Clique, zwar an ihrem Logo festzuhalten, es aber ein wenig subtiler als zuvor zur Schau zu stellen, dürfte hingegen ganz im Sinne der Basler Fasnacht sein. Die Gugge nimmt somit zur Kenntnis, dass sich die Zeiten geändert haben und gesellschaftliche Fragen anders beurteilt werden als noch vor 60 Jahren. Sie macht aber auch deutlich, dass nie rassistische Intentionen hinter ihrem Namen standen und man nun nicht nach 60 Jahren die Vereinsgeschichte, die mit dem Namen ­Negro-Rhygass verbunden ist, einfach über Bord wirft – und das ist gut so.

Basler Zeitung

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