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«Forelle blau»: Die Regierung bleibt stur

Der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger verteidigt die hohen Auflagen für die Forellenhaltung in der «Walliser Kanne». Politiker üben scharfe Kritik.

Mischa Hauswirth
Muss ein Wirt ein dreimonatiges Volontariat in einem Fischzuchtbetrieb absolvieren, damit er Forellen möglichst frisch auf den Teller bringen darf? In Basel meinen die Behörden: Ja!
Muss ein Wirt ein dreimonatiges Volontariat in einem Fischzuchtbetrieb absolvieren, damit er Forellen möglichst frisch auf den Teller bringen darf? In Basel meinen die Behörden: Ja!
Florian Bertschinger

Das Telefon des «Walliser Kanne»-­Wirtes Josef Schüpfer hat ­vergangenes Wochenende pausenlos geklingelt. «Ich weiss nicht mehr, wie viele Leute angerufen haben. Mit den Mails zusammen habe ich bestimmt über 100 Rückmeldungen bekommen», sagt Schüpfer. «Sie alle sagten mir, wie total daneben sie das Verhalten der Amtstierärztin finden.»

Nachdem die BaZ am Samstag die Weisungen der Amtstierärztin aufgedeckt hat, hagelte es Kritik gegen die Deutsche. Sie machte Schüpfer, der in der «Walliser Kanne» das Schweizer Traditionsgericht Forelle blau servieren möchte, so hohe Auflagen, dass er diese kaum erfüllen kann. So muss Schüpfer nicht nur eine moderne Fischbecken-Anlage und spezielle Vorkehrungen für die Elektro-­Betäubung installieren, sondern soll auch ein dreimonatiges Volontariat in einem Fischzuchtbetrieb absolvieren, um eine Betriebsbewilligung zu erhalten. Dies, obwohl er die aus einem Biofischzuchtbetrieb angelieferten Fische nur wenige Tagen im Becken halten will. «Die Amtstierärztin interpretiert das Gesetz absichtlich so, damit sie dem Wirt die Forellenhaltung zum kulinarischen Zweck verbieten kann», sagt Schüpfer. «Es ist für uns doch ganz klar, dass wir keine Tiere quälen.»

Eine Bewilligung für die Forellenbecken erhält der Wirt erst nach der Bauabnahme, wenn überhaupt. «Wir schreiben ein Wiedererwägungsgesuch an das Veterinäramt Basel-Stadt», sagt Schüpfer. Ob er auf ein Einlenken der Behörden hoffen kann?

Interne Überprüfung gefordert

Die Reaktion von Regierungsrat Lukas Engelberger (CVP) lässt wenig Raum für Optimismus, dass die Behörden von ihrem Standpunkt abrücken. Auf Anfrage der BaZ schreibt der Gesundheitsdirektor und oberste Chef des Veterinäramtes, dass das eidgenössische Tierschutzrecht Vorgaben für das «Hältern» von Forellen enthalte. Diese müssten im Kanton Basel-Stadt vom Veterinäramt «durchgesetzt» werden, wobei dessen Verfügungen auf dem Rechtsweg überprüft werden können. Die drängendste Frage, ob seine Amtstierärztin keine Fehler gemacht habe, verneint Engelberger: «Ich habe keinen Grund, an der Seriosität und Sachlichkeit der Mitarbeitenden des Veterinäramts zu zweifeln.»

Er zweifelt das Vorgehen der Amtstierärztin nicht an: Lukas Engelberger (CVP). Foto: Nicole Pont
Er zweifelt das Vorgehen der Amtstierärztin nicht an: Lukas Engelberger (CVP). Foto: Nicole Pont

Nicht nur in Leserbriefspalten und Onlinekommentaren sorgt das Verhalten der Amtstierärztin, die ein direktes Gespräch mit Schüpfer bislang verweigert, für Kopfschütteln. Auch mehrere Politiker halten das Vorgehen der Behörden für falsch und wirtschaftsschädigend. «Diesen Entscheid, so hohe Auflagen wie den Besuch eines Fischzuchtkurses für das Halten von Forellen zu machen, kann ich nicht nachvollziehen, zumal es in anderen Kantonen anders gehandhabt wird», sagt SVP-Grossrätin Daniela Stumpf. «Wenn der fachgerechte Umgang mit Forellen innerhalb eines Betriebs im Rahmen von Weiterbildungen geschult werden kann, ist das etwas anderes, als jemanden drei Monate in ein Volontariat bei einer Fischzucht zu schicken.»

Unnötige Schikane

Auch François Bocherens, LDP-Grossrat mit eigener Apotheke, äussert sein Unverständnis. «Das ist eine unnötige Schikane. Josef Schüpfer will ja nicht Fische züchten, sondern einfach Forelle blau servieren. Früher hatten die Restaurants Aquarien, in denen sie die Forellen hielten, heute braucht es eine ganze Anlage und das reicht offenbar nicht einmal aus», sagt Bocherens. Das Gewerbe und die Gastronomie hätten schon genug erschwerte Bedingungen durch die Grenzsituation. Da brauche es nicht noch mehr unnötige Auflagen.

Andrea Elisabeth Knellwolf von der CVP wertet es als positiv, dass der Tierschutz gebührend beachtet wird. In diesem Fall aber gehe das Veterinäramt zu weit. «So wie der Vorgang beschrieben wird, mutet das schon nach einem total durchgebrannten Amtsschimmel an, was natürlich weder gewerbefreundlich noch sonst etwas ist – ausser irritierend», sagt Knellwolf.

SP-Grossrätin Toya Krummenacher sagt, sie könne «aufgrund des einen Artikels nicht wirklich beurteilen, wie die Faktenlage» sei, dazu müsste sie diese zuerst selber prüfen können. «Meine persönliche Haltung ist, dass der Tierschutz grundsätzlich so weit wie möglich – gemäss den rechtlichen Bestimmungen – gewahrt werden muss.» Die Gesetze seien für alle gleich sein, und an diese müssten sich Gewerbe wie Behörden halten, sagt Krummenacher. «Insofern sehe ich keinen Wettbewerbsnachteil, da die Spiesse für alle gleich lang sind.»

Gespräch mit Engelberger

Nun werden Rufe nach einer Klärung der Situation laut. Christophe Haller (FDP) will in der Sache heute Mittwoch im Grossen Rat das Gespräch mit Engelberger suchen. Und Thomas Grossenbacher (Grüne) sagt, dass es jetzt für die Vorgesetzten der Amtstierärztin an der Zeit sei, rasch zu reagieren. Grossenbacher: «Die Betroffenen sollten sich zusammensetzen, um eine vernünftige Lösung zu finden.»

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