Zum Hauptinhalt springen

Energiefresser Ozeanium

Das geplante Grossaquarium benötigt etwa so viel Energie wie ein 2800-Seelen-Dorf Strom.

Magnet für Besucher. Das Ozeanium an der Heuwaage könnte dereinst Tausende Besucher anlocken, die sich die verschiedenen Fische ansehen wollen.
Magnet für Besucher. Das Ozeanium an der Heuwaage könnte dereinst Tausende Besucher anlocken, die sich die verschiedenen Fische ansehen wollen.
Zoo Basel

Aquarianer wissen, dass die Anschaffung des Beckens, der Pflanzen und der Fische nicht die einzigen Kosten sind, die für dieses Hobby anfallen. Hinzu kommen jährliche Stromkosten für den Betrieb der Filteranlage, der Wasserheizung und des Lichts. Diese technischen Geräte sind unabdingbar für ein gutes Gedeihen und Wohlbefinden der Pflanzen und Fische. Ähnlich verhält es sich auch bei Grossaquarien wie dem vom Zolli geplanten Ozeanium an der Heuwaage. Auch hier sind Filteranlagen mit Pumpen, Kühlungen für die Kaltwasserbecken und Heizungen für die Warmwasserbecken überlebensnotwendig für Rochen, Haie und Co.

Wie Tanja Dietrich, Mediensprecherin des Zoologischen Gartens Basel, sagt, beträgt der Gesamtenergieverbrauch des Ozeaniums für Strom und Heizung nach aktuellem Planungsstand jährlich 3700 Megawattstunden. Dies sei vergleichbar mit öffentlichen Bauten wie der Unibibliothek oder dem Stadttheater.

Heruntergebrochen auf Haushalte, entspricht diese Energie in etwa dem Stromverbrauch von 700 Haushalten mit vier Personen während eines Jahres. Um diesen Strom zu produzieren, würden nicht einmal zwei Turbinen ganz ausreichen, wie eine davon im Trinkwasserkraftwerk Bleiche in Glarus steht (Bild rechts). Das Wasser fällt dort aus einer Höhe von 90 Metern durch eine Leitung auf das Schaufelrad und erzeugt auf diese Weise rund 1600 Megawattstunden Strom pro Jahr. Danach fliesst das Wasser ins Trinkwassernetz. Als Nebeneffekt der Trinkwasseraufbereitung fällt somit Strom an, was einer ökologischen und nachhaltigen Art der Energiegewinnung entspricht.

Was Nachhaltigkeit und Ökologie betrifft, präsentiert sich auch der Kanton Basel-Stadt seit Jahren als Musterschüler. Dies schlägt sich unter anderem im strengen Energiegesetz nieder. Dieses verbietet Hauseigentümern beispielsweise, einen alten Elektroboiler für die Erzeugung von Warmwasser durch einen neuen zu ersetzen. Der Grund: 50 Prozent der Energie, die der Boiler verbraucht, müssen aus erneuerbarer Energie stammen. Der Hauseigentümer muss sich beispielsweise eine thermische Solaranlage auf das Dach bauen.

Das Energiegesetz bezweckt, die «effiziente, umweltschonende und wirtschaftliche Verwendung der Energie zu fördern». Dies gipfelt im Grundsatz, dass Energie «sparsam» zu verwenden ist. Daher stellt sich beim nicht ganz unumstrittenen Ozeanium die Frage, ob dieses Grossaquarium, das ähnlich viel Energie benötigt wie ein 2800-Seelen-Dorf Strom, mit dem Grundsatz des Energiesparens vereinbar ist.

Rot-Grün gespalten

Diese Frage nun spaltet das rot-grüne Bündnis. Die SP und die Grünen, die sich stets für einen sparsamen Umgang mit Ressourcen starkmachen, vertreten in dieser Frage unterschiedliche Haltungen.

Toya Krummenacher, SP-Grossrätin und Befürworterin des Ozeaniums, sagt: «Das Ozeanium ist gesetzeskonform. Ich bin für Stromsparen – wann immer es geht. Fragwürdig finde ich aber, dass man bei anderen Bauten wie dem Theater oder dem Biozentrum die Frage nach dem Stromverbrauch in der breiten Öffentlichkeit so nicht stellt.» Krummenacher hat Vertrauen in den Zolli, dass dieser beim Bauprojekt alles tun wird, um den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. «Der Zolli hat sich schliesslich dem Umweltschutz verschrieben und auch der Kanton hat beim Neubau ein Auge darauf», hält sie fest.

Tendenziös findet es Krummenacher, den Stromverbrauch des Ozeaniums mit jenem von Privathaushalten einer Gemeinde zu vergleichen. «Das funktioniert nicht, denn Privathaushalte sind nicht öffentlich zugänglich und werden nicht von Tausenden Leuten besucht. Der Vergleich hinkt. Es wäre so, als wenn ich als Gewerkschafterin ein kleines Unternehmen mit der Roche vergleichen würde.»

Als problematisch stuft Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher den Energieverbrauch ein. «Ich habe den Stromverbrauch des Ozeaniums in Stralsund angeschaut und festgestellt, dass dieses so viel Energie verbraucht wie eine Kleinstadt mit 10 000 Einwohnern. Klar, der Zolli strebt bei seinem Ozeanium einen möglichst effizienten Energieverbrauch an. Trotzdem wird der Bau zu einem Energiefresser.» An dieser Tatsache könnten auch Solarzellen auf dem Dach nichts ändern. Grossenbacher findet, dass man das Ozeanium bezüglich des Energieverbrauchs auch nicht mit Firmen vergleichen könne. «In Firmen wird etwas produziert. Beim Ozeanium hingegen holt man sich nur eine weitere Erlebniswelt zur Unterhaltung in die Stadt.»

Zolli will tiefen Energieverbrauch

Wie Mediensprecherin Dietrich sagt, unternehme der Zolli alles, um den Energieverbrauch beim Ozeanium so gering wie möglich zu halten. «Zum einen ist es uns als Naturschutz-Botschafter ein Anliegen, auch in Energiefragen fortschrittlich zu sein. Zum anderen lassen sich durch Energieeinsparungen auch Kosten senken.» So würde sich der Zolli beim Bau des Ozeaniums an den Normen für nachhaltiges Bauen im Hochbau orientieren. Konkret würde am Ozeanium eine 60 Zentimeter dicke Fassade mit entsprechender Isolationswirkung gebaut, sagt Dietrich. «Ebenso steigern wir die Effizienz der Filteranlagen und optimieren den Austausch von Wärme und Kälte.» Fehlende Wärme würde zudem aus dem Fernwärmenetz der Industriellen Werke Basel bezogen.

Dietrich ist überzeugt, dass der Zolli den Energieverbrauch von den aktuell ausgewiesenen 3700 Megawattstunden weiter senken kann. «Erfahrungsgemäss werden wir im Rahmen der weiteren Vertiefung der Planung und auch während des Betriebes den Energieverbrauch weiter reduzieren können.» Der Zoologische Garten habe hierzu unter anderem einen neuen Aquariumsplaner beigezogen, der über grosse Expertise im Energie- und Nachhaltigkeitsbereich verfüge.

Mit solchen bisherigen Anpassungen habe der Zolli bereits rund 600 Megawattstunden einsparen können. Mediensprecherin Tanja Dietrich: «Dadurch senken sich auch die Stromkosten, die gemäss heutigem Stand rund 600 000 Franken betragen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch