Eine Umfrage soll das Nein analysieren

Die Basler Regierung will die Gründe für die Ablehnung der Stadtrandentwicklung erfahren. Die Umfrage dazu lässt sie sich insgesamt 40'000 Franken kosten.

Zwölf Sündenböcke. Waren die geplanten Türme der Grund, weshalb das Volk Nein sagte zu Basel Ost?Visualisierung Diener + Diener

Zwölf Sündenböcke. Waren die geplanten Türme der Grund, weshalb das Volk Nein sagte zu Basel Ost?Visualisierung Diener + Diener

Das doppelte Nein zur Stadtrandentwicklung Ost und Süd am 28. September traf die Basler Regierung hart. Insbesondere die knappe Ablehnung der zwölf Wohntürme mit Platz für rund 2000 Personen an der Grenze zu Riehen schmerzte die Stadtplaner. Zumal das Areal am Rhein noch eines der wenigen verbliebenen für grosse Stadtplanungs-Visionen ist. Regierungspräsident Guy Morin hat denn auch wenige Wochen nach der verlorenen Abstimmung mit der Ankündigung, ein neues Projekt für Basel Ost vorlegen zu wollen, für Aufsehen und Kritik gesorgt.

Doch zuerst will die Regierung Klarheit darüber, was schiefgelaufen ist. Deshalb hat sie dem Umfrage­institut gfs.bern den Auftrag erteilt, das Nein mit einer gross angelegten Umfrage zu analysieren. Das Unternehmen von Politologe Claude Longchamp ist bekannt für seine Umfragen vor und nach den Wahlen unter anderem fürs Schweizer Fernsehen SRF.

Die Umfrage, bei der insgesamt tausend Basler befragt werden, konzentriert sich auf das knappe Nein zu Basel Ost von 50,8 Prozent. Die deutlichere Abfuhr zur Stadtrandentwicklung Süd auf dem Bruderholz (54,4 Prozent) wird nur am Rande thematisiert. Insgesamt 40'000 Franken lässt sich die Regierung die Umfrage kosten. Die Resultate und Erkenntnisse aus der Umfrage sollen dann im Januar publiziert werden.

«Gründe für Nein unklar»

Die Regierung nutze das Instrument der Umfrage «selten und gezielt», um Abstimmungsergebnisse zu analysieren, so Morin. Zuletzt war dies beim Nein zum Stadtcasino-Neubau von Zaha Hadid (2007) und nach dem Ja zum Claraturm (2013) der Fall. «Bei der Stadtentwicklung spielen komplexe Fragen mit. Das Nein hatte wohl verschiedene Gründe», erklärt Morin die aktuelle Umfrage. «Wir wissen nicht, ob die Leute grundsätzlich gegen die Stadtrandentwicklung Ost sind oder ob es die Hochhäuser waren, die zu der Ablehnung geführt haben.»

Er selber vermutet, dass beim Nein eine Mischung aus Naturschutzinteressen und Skepsis gegenüber Zuwanderern zusammenspielten. Entsprechend wurde der Fragenkatalog erweitert. «Wir wollen auch wissen, wie die Leute zu Themen wie Bevölkerungs­zunahme und Stadtentwicklung stehen», sagt Morin. Die Regierung erhofft sich durch die Umfrage aber auch Erkenntnisse für andere Fragen. «Das Thema Stadtentwicklung ist eines der zurzeit wichtigsten Themen und wird uns in den nächsten Jahren stark beschäftigen, so beispielsweise beim Hafen oder dem Lysbüchel-­Areal», sagt Morin.

Und nicht zuletzt dürfte die Umfrage auch eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die künftigen Pläne der Regierung für das Areal zwischen Basel und Riehen geht.

Basler Zeitung

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