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Eine Muba, wie sie Basel noch nie gesehen hat

Der 102. Messe-Jahrgang setzt voll auf das neue Konzept Events, Unterhaltung und Mitwirkung des Publikums.

Die vielseitige Nutzung der Hanfpflanze. Mosab Daadi von der Firma Mary Jane aus Büsserach präsentiert im «Cannabis Village» seine Setzlinge. Eine berauschende Wirkung haben sie nicht.
Die vielseitige Nutzung der Hanfpflanze. Mosab Daadi von der Firma Mary Jane aus Büsserach präsentiert im «Cannabis Village» seine Setzlinge. Eine berauschende Wirkung haben sie nicht.
Dominik Plüss

Eine «Pop-Up-City», eine «Food.live-Genusswelt», ein «Cannabis Village». Nein, die 102. Muba ist mit ihren Vorgängerinnen nicht zu vergleichen. Der junge, lässig gekleidete Messeleiter Daniel Nussbaumer setzt konsequent um, was er letztes Jahr im BaZ-Interview angekündigt hat: «Klar ist, dass wir noch innovativer werden müssen, was Kreativität und neue Ausstellungskonzepte anbelangt.»

Die Muba 2.0, wenn man so will, ist keine klassische Ausstellermesse mehr, sondern in erster Linie ein grosser Event mit unzähligen Veranstaltungen und Mitwirkungsmöglichkeiten für das Publikum. Es ist das Konzept, mit dem die traditionelle und unter Besucherschwund leidende Frühlings-Veranstaltung vor ihrem Untergang bewahrt werden soll. Eine Vielzahl von Ständen hinzustellen, wo die Anbieter ihre neusten Produkte feilbieten, bewegt die Massen schon lange nicht mehr: Dafür ist die Konkurrenz in den Onlineshops viel zu stark.

Am eindrücklichsten präsentiert sich die Neuausrichtung in der Halle 2.2. Dort haben die Muba-Verantwortlichen mit der «Inspiration.live» ihr Fokusthema untergebracht. Erlebnis und aktive Teilnahme stehen in der «Pop-Up-City» im Vordergrund: Wer Lust hat, kann sich seinen eigenen Muba-Stuhl zusammenbasteln, sich bei einem «Hangloose Yoga» in sein Inneres zurückziehen oder an einem Workshop zur Garten- und Balkongestaltung teilnehmen. Weiter besteht das Angebot der Jobfactory, die dem Laien in nur einer Stunde beibringt, mit der Gitarre einen Song aufzunehmen. Oder es gibt das «Höfli», wo herabschwebende Picknickkörbe und herumfliegende Würste ein «aussergewöhnliches Basler Zmittag» versprechen. Die «Inspiration.live» schaffe einen «Nährboden für urbane Trends und Poesie», ist im Muba-Prospekt zu lesen.

Tolle Ideen, triste Gestaltung

Was bunt und lebendig klingt, präsentiert sich allerdings in einer wenig attraktiven Kulisse. Die Halle 2.2 versprüht den Charme einer Baustelle: Das ist kein Wunder, schliesslich ist die Ausstellungsarchitektur durch das Aufstellen unterschiedlich grosser Baugerüste geprägt. In verschiedenen Farben beschriftete Baunetze führen die Besucher zu den einzelnen Abschnitten. Auf das Auslegen von Teppichen wurde verzichtet, um dem verschriebenen Anspruch einer CO?-neutralen Muba gerecht zu werden. Das nachteilige Resultat dieser klimafreundlichen Haltung ist der Blick auf eine hässliche grüne Bodenlandschaft.

Abgesehen von diesem gestalterischen Defizit ist die in der Halle 2.2 anzutreffende Innovationskraft der ausstellenden Firmen beeindruckend. Die meisten Geschäftsmodelle stehen im Zeichen der Nachhaltigkeit. Das Jungunternehmen Schreif fertigt aus gebrauchten Schläuchen von Lastwagenreifen modische Taschen. Die Marke Elephbo recycelt Zementsäcke aus Kambodscha in sportlich-elegante Turnschuhe und Bags. «Es ist eine tolle Idee der Muba, dass sich kleine Firmen und Künstler auf diese Weise erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können», sagt Francine Brand von der Design-Plattform «deine machArt» zur BaZ.

Ob die mit der «Inspiration.live» eingeschlagene Stossrichtung beim Muba-Volk den erhofften Zuspruch findet, ist eine spannende, noch ungeklärte Frage. An der Pressekonferenz hielt Nussbaumer fest, er sei sich bewusst, dass der Wandel «radikal» erfolge. «So etwas hat es noch nie gegeben. Wir verfolgen die Vision einer neuen, zukunftsfähigen Messe, die anders aufgebaut ist als nach dem herkömmlichen Schema. Ob wir damit Erfolg haben, entscheiden letztlich die Besucher.»

Eine weitere markante Änderung im Vergleich zu den Vorjahren findet sich im Ausstellungsbereich «Original Regional». Hier kommen Liebhaber regionaler Feinschmeckerprodukte voll auf ihre Kosten. In einer lieblich gestalteten Szenerie mit Osterglocken, japanischen Kirschbäumen und der musikalischen Begleitung des Ländler-Trios «Pflanzplätz» gibt es vornehmlich Baselbieter Spezialitäten zu degustieren. Zum Beispiel «Mauris Salatsauce» aus Zunzgen oder eine herrliche Auswahl von Edeldestillaten aus dem Sissacher Hause Nebiker. Brennmeister Roland Buser lobt die Muba-Macher, dass sie den kleinen Gewerbebetrieben einen solchen Auftritt ermöglichen. «Uns geht es während den zehn Ausstellungstagen weniger um den Umsatz, als darum, den Bekanntheitsgrad zu steigern und unsere Qualitäten aufzuzeigen.»

Spezialitäten aus dem Baselbiet

An den wunderbar duftenden Marktständen ist die BaZ auch der fröhlichen Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und ihrem ebenso froh gestimmten grünen Baselbieter Regierungskollegen Isaac Reber begegnet. Der Gourmet-Rundgang der beiden hohen Repräsentanten dürfte die partnerschaftlichen Beziehungen vertieft haben. Ackermann wie Reber zeigten sich über das lokale Sortiment hoch erfreut. «Genau so muss es sein, nahe an den Menschen. Die Muba macht das sehr gut», befand Reber.

Ob die Magistraten auch das neue «Cannabis Village» erkundet haben, ist der Redaktion derweil nicht bekannt. Noch bis am Sonntag wird in der Halle 5 die facettenreiche Nutzung der Hanfpflanze «unabhängig von ihrer berauschenden Wirkung» aufgezeigt. Vor dem Eingang sticht einem zwar die typisch penetrante Cannabis-Duftwolke in die Nase. Ein «Kiffer-Mekka» ist die Ausstellung aber nicht. Rund zehn Aussteller bieten in unvernebelter Atmosphäre ungefähr dieselben Produkte zum Verkauf an: Blüten mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent, Hanftropfen, Hanfnussöl oder Cannabis-Schokolade. In einer Ecke wird die Indoor-Hanfzucht demonstriert.

Wie bereits letztes Jahr an der Muba vertreten ist die Legowelt «Bricklive» in der Halle 1. Mit 18 Franken pro Ticket für ein Kind und 20 Franken für einen Erwachsenen sind die Preise nach wie vor schmerzhaft hoch, wie Nussbaumer einräumte. Mit speziellen Aktionen solle der Eintritt aber auch jenen ermöglicht werden, die über ein geringes Einkommen verfügen. Ein Vorzug bedeutet die kostenlose Hin- und Rückfahrt innerhalb des TNW-Netzes, welche erstmals im Muba-Ticket inbegriffen ist.

Die Muba dauert noch bis zum 29. April. Öffnungszeiten: 10–19 Uhr (Degustation bis 20 Uhr). Tageskarte: 15 Franken. Dauerkarte: 28 Franken. Gratiseintritt ab 17 Uhr.

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