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Eine einzige Enttäuschung

Die Finanzdirektorin Eva Herzog hat behauptet, die Berichte der BaZ zum Fall von Rösly M. seien nicht zutreffend.

Christian Keller
Hat Eva Herzog das Parlament in die Irre geführt?
Hat Eva Herzog das Parlament in die Irre geführt?
Keystone

Regierungsrätin Eva Herzog (SP) hat 2016 bei den Wahlen das beste Resultat aller Regierungskandidaten erzielt. Unter Schweizer Politikern gilt sie als dossierfeste, kompetente und durchsetzungsfähige Exekutivfrau. Sie wird voraussichtlich Anita Fetz als Ständerätin beerben und hat intakte Chancen, dereinst für Simonetta Sommaruga in den Bundesrat nachzurücken. Gerade deshalb geht es mir nicht in den Kopf: Warum hat es Eva Herzog nötig, im Grossen Rat die Politiker in die Irre zu führen?

Sie hat die Aussagen einer 90-jährigen Witwe, die wegen des erhöhten Eigenmietwerts in die Armutsfalle geraten ist und dies öffentlich kritisierte, krass verdreht. Wäre es anders, würde ihr die betroffene Rösly M. nicht widersprechen. Die Sozialdemokratin hat deshalb im Parlament genau das getan, was sie der BaZ vorwirft: manipuliert.

Eitelkeit und der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit scheinen Herzog zu leiten.

Herzogs Vorgehen ist ein schmutziger Griff in die Trickkiste. Läge ihr das Schicksal dieser alten, vernünftigen Frau am Herzen – sie hätte sie zu Hause besucht oder zur Sprechstunde am Fischmarkt empfangen. Wer sein Interesse jedoch auf eine telefonische Kurzvisite beschränkt, dem geht es nur um den Vorwand: «Ich habe sie angerufen, sie bestreitet alles.»

Eitelkeit und der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit scheinen Herzog zu leiten. Wenn Volksvertreter nicht mehr bereit sind, sich kritischen Fragen zu stellen, haben sie die Bodenhaftung verloren. Auf die Interviewanfrage der BaZ, gestellt bereits am 10. Oktober, hat Herzog bis heute nicht reagiert. Stattdessen liess sie im Grossen Rat SP-Präsident Pascal Pfister auftreten, der die BaZ der Einseitigkeit beschuldigte. Rösly M. hätte ihm gerne ihre Unterlagen gezeigt. Pfister war nicht daran interessiert. Lieber bezichtigte er die BaZ, sie betreibe «Kampagnenjournalismus im sozialen Mäntelchen».

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