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Eine Begegnung mit Folgen

60 Jahre lang gab die Naturheilärztin Isabelle Baumgartner mehr auf innere statt auf äussere Werte. Bis sie auf die Stylistin Ruth Bugmann traf.

Sie ist eine starke Frau. Weiss, was sie will – das wusste sie stets. Sie fürchtete niemanden und nichts. Einst traf sie mitten in der Stadt auf einen jungen Mann, der ihr Velo ausgeliehen und nicht zurückgebracht hatte; ein Hüne, muskulös und tätowiert. Sie trat auf ihn zu, packte ihn am Kragen und schüttelte ihn. «Morgen ist das Velo bei mir zu Hause», ­sagte sie, und der Mann nickte betreten.

Sie hat ihre Kinder zu Hause ohne Arzt und Hebamme geboren, begleitet lediglich von einer erfahrenen Freundin. Stets ­wusste sie Rat, wenn es um Gesundheit, Transformation oder Spirituelles ging.

Das ist Isabelle Baumgartner, gekleidet zeit ihres Erwachsenenlebens in lange, wallende Röcke, die Haare zu einem einfachen Pferdeschwanz zurückgebunden. Ihr Kleiderschrank war voller Röcke und Oberteile, doch sie sah jeden Tag genau gleich aus, und das störte sie nicht. Bis sie vermehrt in der Öffentlichkeit auftreten musste. «Ich war unzufrieden mit meinem Aussehen», erzählt sie. Doch sie wusste nicht, was zu ändern. Bis sie auf Ruth Bugmann traf. Das war im Secondhand-Laden «zum Kleiderbügel». «Sie beriet mich perfekt», sagt Baumgartner.

Der Wandel zur kecken Dame

Ein leises Lächeln umspielt die Lippen von Ruth Bugmann, als sie in der Wohnung von Isa Baumgartner sitzt und die Bilder betrachtet, die sie nach den ersten Begegnungen mit ihrer neuen Kundin gemacht hat. Es ist das Lächeln der Vorfreude auf einen Neubeginn, und beim Blick auf die Fotos wird klar, weshalb. Auf den Bildern wirkt die Powerfrau mit den wallenden Kleidern, überspitzt gesagt, «omihaft». Die Haare sind grau geworden, die langen Röcke, die in jungen Jahren noch Dynamik ausdrückten, wirken deplatziert.

«In einem ersten Schritt gehe ich gern zu den Kunden nach Hause», sagt Bugmann. Dann wird Stück um Stück aus dem Kleiderschrank angezogen, und die Stylistin macht Fotos. «Dann sieht die Kundin, wie sie darin aussieht.» Oder der Kunde, denn Ruth Bugmann wird von ebenso vielen Männern wie Frauen zurate gezogen.

Vielseitige Beratung

Viele Kleider werden bei diesem Durchgang ausgemistet oder mit neuem ergänzt. Doch Ruth Bugmann diktiert nicht, sie berät mit Feingefühl. Sie möchte niemandem etwas aufzwingen, in dem sich das Gegenüber nicht wohlfühlt. «Sie hat meinen Stil verstanden», sagt Isa Baumgartner glücklich. Sie habe zuerst gebangt, dass sie mit Nylonstrümpfen rumlaufen müsse. Doch die Stylistin spürte sofort, dass so etwas nicht dem Wohlgefühl der Kundin entsprochen hätte. «Ich schaue gern auch die Umgebung an, um den ganzen Menschen zu erfassen», sagt Bugmann. Jemanden, der einen tipptopp aufgeräumten Stil pflegt, berät sie anders als jemanden, der frecher eingerichtet ist.

Ruth Bugmann ist ein erfahrener Coach. Sie führt zahlreiche Prominente durch die Wogen des passenden Aussehens. Je nach Wunsch der Kundschaft recherchiert sie auch in Läden oder im Internet nach dem Outfit, macht den Kleidercheck zu Hause, fotografiert, berät vor Ort in den Geschäften, führt Make-up-Beratungen durch und vieles mehr.

Aus Revoluzzer-Ecke raus

Isabelle Baumgartner führt jetzt zwar ein anderes Leben, doch auch früher hat es für sie gepasst. «Damals war das Aussehen einfach kein Thema für mich. Es musste bequem, günstig und natürlich sein.» Doch jetzt will sie aus der Ecke der ewigen Revoluzzer und Alt-68er raus. Der erneute Entwicklungsschritt freut sie sehr: «Ich fühle mich so leicht», sagt sie.

Ruth Bugmann hat einen anderen Weg eingeschlagen als den der Revoluzzerin. Ästhetik war ihr von früh an wichtig. Stellte als Mädchen häufig ihr Zimmer um, malte Bilder, lernte später Kosmetikerin, fand das zu langweilig, machte eine Ausbildung zur Dekorateurin und arbeitete bei Globus. «Dinge verschönern war mein Ziel», sagt sie.

Später hatte sie einen eigenen Laden, die Boutique Soho, führte Street Ware, Jungle Groove oder Techno. Dann rutschte sie ins Styling. Heute hat sie alle Hände voll zu tun, arbeitet unter anderem für Rolex oder Post, gestaltet TV-Spots mit, macht Castings, fotografiert für Modellagenturen.

Nicht zu viel, nicht zu wenig

Unaufgeregt sitzt sie da, während sie erzählt. Als der Fotograf erscheint, berät sie die unerfahrene Isa Baumgartner bezüglich Stellung, Lächeln, Haltung und Körpersprache, was bei Business-Styling-Seminaren von grosser Bedeutung ist. Zeigt ihr, wie sie sich innerlich entspannen kann. «Ich kann mich so gut hingeben, weil Ruth so ruhig ist, überhaupt nicht gestresst», sagt Baumgartner, die offensichtlich Spass am Shooting bekommt.

In unaufdringlicher, geerdeter Eleganz posiert sie. Ein Profi hat ihr nach einem Leben der Entsagung des Haareschneidens beim Coiffeur eine neue Frisur verpasst, ihre alten Kleider sind nach Ruth Bugmanns Rat mit raffinierten Ergänzungen versehen und wirken chic und frisch. Das Make-up sitzt perfekt, nicht zu viel, nicht zu wenig. «Ich fühle mich jünger und edel», sagt Baumgartner.

r23_the styling line, ­Mörsbergerstrasse 7, Basel. www.r23.ch

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