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Ein Wunsch, ein Traum, ein Ziel

Mohammad Taghi Hossaini kam aus Afghanistan nach Basel, um Arbeit zu finden.

Erfolgreich und engagiert seit Beginn. Der 29-jährige Mohammad Taghi Hossaini hat die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt abgeschlossen und arbeitet als Dolmetscher auf Abruf.
Erfolgreich und engagiert seit Beginn. Der 29-jährige Mohammad Taghi Hossaini hat die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt abgeschlossen und arbeitet als Dolmetscher auf Abruf.
Denise Dollinger

Mehrere Landesgrenzen und über 5000 Kilometer trennen die Schweiz von Afghanistan. Von dort, über den Iran, ist Mohammad Taghi Hossaini vor sieben Jahren hierher gekommen. Mehrere Monate dauerte seine Reise – beschwerlich und anstrengend sei sie gewesen, erzählt er, als wir uns zum Gespräch in einem Café treffen. Doch mehr mag er darüber nicht berichten, auch nicht über seine Familie, die noch immer dort lebt.

«Ich kam mit der Hoffnung, eine Arbeit zu finden, in die Schweiz. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu führen», sagt er. Diese Vorstellung hat sich für den in Afghanistan geborenen Mann erfüllt. Damit dies aber tatsächlich gelingen konnte, musste der 29-Jährige viel investieren. «Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich einen totalen Kulturschock hatte, als ich hier ankam. Erstens war es Winter, alles war komplett anders als daheim und ich verstand die Sprache kein bisschen. Das hat mich zu Beginn ziemlich blockiert.»

Nachdem sich die erste Erschrockenheit gelöst hatte, war für Mohammad Taghi Hossaini klar, dass er schnellstmöglich Deutsch lernen muss. «Die Sprache ist der Schlüssel zu allem und ein wichtiger Faktor zur Integration. Als Kanal für Informationen und Austausch schafft sie die Möglichkeit, sich zu verständigen und dadurch mögliche Missverständnisse abzubauen.»

Den Schulabschluss nachgeholt

Der damals 22-Jährige begann sich, zusammen mit anderen Asylsuchenden, mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. «In Basel gibt es viele tolle Angebote, die nicht viel kosten. Dort meldete ich mich an und begann, Grammatik zu büffeln.» Trotz seines Willens sei die erste Zeit ungemein happig gewesen, erinnert sich Mohammad Taghi Hossaini: «Deutsch ist eine unglaublich schwierige Sprache, ich hatte zu Beginn grosse Mühe, zu verstehen, wie eine Satzbildung funktioniert und wie man Verben konjugiert. Als es dann nebst dem Sprechen auch ums Schreiben ging, begann ich damit, Bilder im Kopf zu konstruieren, sie in Zusammenhänge zu bringen und dann auf dem Papier zusammenzufassen.»

Hört man dem Endzwanziger beim Reden zu, kann man sich kaum vorstellen, dass das Erlernen der Sprache ihm tatsächlich so grosse Mühe bereitet hat. Er spricht fliessend und akzentfrei Deutsch, seine Satzbildungen sind klar und grammatikalisch einwandfrei, die Worte ausgewählt und differenziert. So ist es denn auch kein Wunder, ist Mohammad Taghi Hossaini mittlerweile auch als Dolmetscher tätig. Doch dazu später.

«Durch die Kurse habe ich einige Basler kennengelernt, die mich dazu motivierten, via Link zum Beruf meinen Schulabschluss nachzuholen. Ich nahm dies als grosse Chance wahr und bewarb mich für die Aufnahmeprüfung.» Mit Erfolg. Ein Jahr später beendete er das Niveau E erfolgreich. Der Abschluss auf dieser Stufe erbringt den Nachweis, dass eine Allgemeinbildung entsprechend den Anforderungen des anspruchsvollen Niveaus der Sekundarstufe 1 erworben wurde. In einem nächsten Schritt besteht die Möglichkeit, eine berufliche Grundbildung oder Weiterbildung mit erhöhten Anforderungen zu absolvieren.

Und genau das entsprach auch Mohammad Taghi Hossainis Wunsch. «Ich machte mich auf die Suche nach einer Praktikumsstelle im Bereich Betriebsunterhalt und fand sie relativ schnell bei einem Basler Alters- und Pflegeheim. Die vielfältige Arbeit und der Kontakt mit den Menschen dort bereiteten mir grossen Spass. Entsprechend war ich sehr glücklich, als mir nach einem Jahr eine Lehrstelle angeboten wurde.» Diesen Sommer schloss der 29-Jährige seine Ausbildung ab und ist nun im Betrieb, mit einem 80- Prozent-Pensum, fest angestellt.

Dolmetscher auf Abruf

Parallel zu seiner Ausbildung liess sich der Afghane bei der Stiftung Heks zum interkulturellen Dolmetscher ausbilden. «Ein Jahr lang besuchte ich dafür Abends und am Wochenende Kurse.» Auf die Frage, ob das nicht etwas viel neben seiner Ausbildung gewesen sei, winkt er ab. «Für mich war es immer ein Wunsch, etwas mit Sprache zu machen. Zudem wollte ich etwas von dem, was ich erfahren habe, an die anderen Flüchtlinge weitergeben.»

Als «Dolmetscher auf Abruf» ist Mohammad Taghi Hossaini beim Heks und den Ausländerdiensten in den Bereichen Soziales, Bildungswesen und Gesundheit angestellt. Seine Dienste bietet er in Farsi (Persisch), Dari (eine Umgangssprache) und Deutsch an. «Als Dolmetscher ist man irgendwie ein bisschen wie die Schweiz: neutral. Das gehört zum Berufskodex», sagt er und lacht. Dann fügt er an: «Diese Arbeit ist unglaublich spannend und erfordert einen hohen Grad an Aufmerksamkeit und Konzentration. Denn im Vergleich zu einem Übersetzer, der Sätze auch nach einer Woche noch korrigieren und anpassen kann, befinde ich mich in einer simultanen Situation, bei der jedes Wort stimmen muss. Das ist eine sehr diffizile Aufgabe.» Nebst dem Sprachverständnis spiele auch das Verstehen der kulturellen Zusammenhänge eine grosse Rolle.

Hört man Mohammad Taghi Hossaini zu, kann man schnell das Gefühl bekommen, dass in seinem Leben einfach alles ganz locker und leicht passiert – denn so erzählt er es. Trotzdem wird klar, dass der Mann viel für sich und sein Glück getan, immer ein Ziel verfolgt hat.

«Ich würde gerne hierbleiben»

«Ab dem Moment, als ich in die Schweiz kam, war für mich klar, dass sich mir eine unglaubliche Chance im Leben eröffnet. Und diese wollte ich einfach um jeden Preis nutzen.» Schon seit vielen Jahren begleite ihn folgendes Gedicht des persischen Dichters Saadî: «Es ist keine Kunst, die Welt zu erobern; wenn du kannst, erobere ein Herz!»

«Für mich bedeutet es, dass eine positive Einstellung und ein offenes Herz hilft, im Leben weiterzukommen. Menschen müssen wünschen und träumen, um voranzukommen.» Darauf angesprochen, was denn seine Träume oder Wünsche sind, hält der 29-Jährige kurz inne und schaut in die Ferne: «Ich möchte gerne noch viele weitere Berufserfahrungen sammeln und bin gespannt, was die Zukunft bringt.» Etwas leiser fügt er an: «Mir ist die Anerkennung in der Gesellschaft sehr wichtig, weil sie mir eine Sicherheit gibt. Ich fühle mich hier sehr wohl und hoffe, dass ich bleiben kann. »

Dieser Artikel entstand in der Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverband Basel-Stadt

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