Ein weiter Weg zum Inselglück

Die Behörden möchten die Umwandlung der Klybeckinsel in ein neues Stadtquartier vorantreiben. Doch nun tauchen neue Ideen auf.

Veränderungen. Auf der Klybeckinsel im Hafen sollen in einem ersten Schritt die Schienen eingeebnet werden und die Tanklager verschwinden.Grafik BaZ/Foto Mischa Christen

Veränderungen. Auf der Klybeckinsel im Hafen sollen in einem ersten Schritt die Schienen eingeebnet werden und die Tanklager verschwinden.Grafik BaZ/Foto Mischa Christen

Die Behörden hätten gerne ein Zeichen gesetzt. Ein Zeichen, dass es mit der Transformation des Basler Hafens von einem Industrieareal hin zu einem neuen Stadtquartier vorangeht. Dieses Zeichen setzen wollten die Verantwortlichen im Bau- und Verkehrsdepartement mit ersten kleinen Aufwertungsmassnahmen: Die Klybeckinsel, seit Längerem bereits Insider-Tipp für Hafenspaziergänger, hätte sehr bald offiziell geöffnet und mit «einfachen gestalterischen Massnahmen» aufgewertet werden sollen.

Davon war jedenfalls vor genau einem Jahr an einer Pressekonferenz die Rede. Damals proklamierten das Bau- und Verkehrsdepartement sowie die Hafendirektion die Stossrichtung der künftigen Hafenentwicklung: Die Betriebe an attraktiver Rheinlage sollen mittel- und langfristig in Richtung eines neuen Hafenbeckens 3 beim Badischen Rangierbahnhof (unter der Autobahn nach Deutschland) gezügelt werden und so Platz machen für städtebauliche Entwicklungen, zum Beispiel für Wohnbauten auf der Klybeckinsel und dem Westquai. Bis dahin hätte die Klybeckinsel kurzfristig aufgewertet werden sollen. Der Ratschlag dazu, so hiess es damals, würde noch 2010 dem Grossen Rat präsentiert werden.

Eine simple Lösung gefunden

Geschehen ist dies nicht. Geschehen ist aber hinter den Kulissen einiges. Es haben sich mehrere Bewerber bei der Rheinhafendirektion gemeldet, um sich für eine Zwischennutzung des Areals zu bewerben. Konkret geht es um die sogenannte Ex-Esso-Parzelle zwischen der Grisard AG und Gondrand, die seit Längerem brachliegt. Nina Hochstrasser, Sprecherin der Schweizerischen Rheinhäfen, bestätigt, dass mehrere Gespräche über eine Zwischennutzung geführt worden sind. Zu einem konkreten Ergebnis hätten diese Verhandlungen jedoch nicht geführt – «entweder waren die Projekte zu wenig konkret, oder sie wurden von den Bewerbern nicht weiterverfolgt», sagt Hochstrasser.

Nun aber wollen offenbar Zwischennutzer von sich aus aktiv werden. Grundsätzlich seien die Schweizerischen Rheinhäfen, die bis 2050 ein Baurecht auf der betreffenden Parzelle halten, einer Zwischennutzung nicht abgeneigt, sagt Hochstrasser. Es gelte jedoch zu bedenken, dass in unmittelbarer Nähe Lastwagen verkehrten, sich direkt dahinter die Hafenbahn befinde und es keinerlei Infrastruktur gebe. Zudem würden immer noch Schiffe mit Gefahrengut entladen.

Die Angst, künftige Zwischennutzer könnten inmitten des Hafenbetriebs gefährdet sein, ist denn laut Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement auch der Hauptgrund für die Verspätung des Ratschlags über die Teilaufwertung der Klybeckinsel. Nun hat man offenbar eine simple Lösung gefunden: Rund um die Anlegestellen für Tanker werden nun Zäune errichtet. «Es ging eine gewisse Zeit, bis klar war, dass das Problem mit einem Zaun gelöst werden kann», sagt Keller. Die entsprechende Baubewilligung ist mittlerweile vorhanden. Ebenso sei laut Keller den Planern über längere Zeit nicht klar gewesen, woraus denn die Aufwertungsmassnahmen bestehen könnten. Mittlerweile hat man sich im Departement unter anderem darauf geeinigt, die Schienen einzuebnen und so leichter begehbar zu machen. Der Ratschlag soll diesen Herbst der Regierung und danach dem Parlament vorgelegt werden. Idealerweise, so Keller, soll das Projekt ab Frühling 2012 realisiert werden.

Dem Erdboden gleichgemacht

Bereits in wenigen Wochen wird ein weiterer grosser Teil der Klybeckinsel frei: Die Migrol AG wird ihre grossen Tanklager stilllegen. Daniel Hofer, Chef der Migrol AG, bestätigte gegenüber der BaZ, dass es nun rasch vorwärtsgehen wird: Bereits Ende August wird der Betrieb in den Hafen Birsfelden verlegt. Damit endet eine 30-jährige Firmengeschichte an diesem Standort. Es endet aber auch die Geschichte der grossen Tanklager und aller weiteren Gebäude: Bis Ende 2012 sollen sie dem Erdboden gleichgemacht sein.

Daran wiederum haben mögliche Zwischennutzer keine Freude. Wie André Erismann vom Verein Neubasel sagt, hätten gewisse Gebäude durchaus als «Zentrale» für die Zwischennutzer dienen können.

Basler Zeitung

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