Ein Unirat von Gschwinds Gnaden

Die Novartis verliert ihr Mandat im Universitätsrat. Zwei Baselbieter Banker übernehmen.

Gestaltet den Unirat um: Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) hat ihre Kandidaten gewählt.

Gestaltet den Unirat um: Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) hat ihre Kandidaten gewählt.

(Bild: Jerome Depierre)

Serkan Abrecht

Es ist eine Hiobsbotschaft für die Universität Basel: Ausgerechnet am Rheinknie, wo sich die Uni auf den Bereich «Life Sciences» spezialisiert, könnte im Unirat zukünftig ein Mitglied der Novartis fehlen. Zehn Jahre lange wurde der Konzern durch Paul Herrling im obersten Gremium der Alma Mater vertreten. Das Mandat für den Sitz erhielt der Konzern stets vom Baselbiet. Für die Stadt besetzt die Roche mit Gottlieb Keller einen Sitz.

Herrling muss den Unirat in der nächsten Mandatsperiode aufgrund der Altersguillotine von 66 Jahren verlassen. Wie die BaZ von Quellen aus der Novartis weiss, wird sie unter der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) kein Ratsmitglied mehr stellen. Die Novartis bestätigt auf Nachfrage, dass Gschwinds Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) keine Anfrage an einen Vertreter ihrer Firma getätigt hat. Laut Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto habe auch kein Mitarbeiter der Novartis von seinem Vorgesetzten das Einverständnis für die Annahme eines Unirat-Mandats eingeholt, was Pflicht wäre. Die Novartis ist somit raus.

Kandidaten stehen fest

Was als deutlicher Affront gedeutet werden könnte, ist letztlich aber Kalkül der Bildungsdirektorin: Denn Gschwind verlangt erstmals von ihren Uniräten, dass sie einen Mandatsvertrag unterschreiben, in dem sie sich verpflichten, die politischen Interessen des Baselbiets zu vertreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Novartis auf diesen Deal eingelassen hätte, ist gering.

Somit verliert die Universität, die ihren Schwerpunkt auf Biowissenschaften setzt, einen Vertreter aus ebendieser Branche. Sicher ist ebenfalls, dass die Kandidaten des Baselbiets für den Unirat bereits feststehen. Insgesamt muss Gschwind bis zum 1. Januar 2018 drei Mitglieder austauschen: Neben Herrling müssen auch der Unternehmer Klaus Endress und Life-Sciences-Berater Dieter Scholer aufgrund ihres Alters gehen.

Ende nächster Woche will die BKSD ihre Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen, sagt Gschwinds neue Mediensprecherin Monique Juillerat. Auf die Frage der BaZ, ob und weshalb die Novartis aus Baselbieter Sicht keinen Sitz mehr im Unirat bekommen soll, sagt Sprecherin Juillerat: «Der Regierungsrat wird in nächster Zeit über die Besetzung des Unirats beraten. Bis dahin werden wir keine Aussagen machen.»

Politisierung à la Gschwind

Damit bleibt vorerst geheim, welche Kandidaten die Bildungsdirektorin für den Unirat aufstellt. Bereits in Position gebracht hat sich Franz Saladin*, Direktor der Handelskammer beider Basel.

Diverse Quellen aus der Handelskammer bestätigten, dass Saladins Einzug in den Unirat als definitiv gelte. Er selber wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Ebenso wenig Monique Juillerat.

Saladins Nomination kommt nicht überraschend: Seine Handelskammer hat vor zwei Wochen eine Mitteilung versendet, in der sie ihre politischen Positionen zur Uni bekannt machte. Diese sind fast deckungsgleich mit den Forderungen von Gschwind und ihrer FDP. So fehlt beispielsweise ein Bekenntnis zur Voll-Universität oder sie fordert, dass man in der Uni-Angelegenheit zu keinen politischen Referenden mehr greife. Ausserdem will sie, dass sich die Universität einer Eignerstrategie der beiden Basel unterwirft.

Der Stadtkanton hat bislang die Position vertreten, dass sich die Universität und vor allem auch der Unirat nicht verpolitisieren sollten. Unirats-Mitglied Kathrin Amacker sagte dazu im Frühling: «Ein Universitätsrat mit kantonalem Stimmzwang würde sich selber überflüssig machen.»

Basel protestiert

Doch der Mandatsvertrag, den die Baselbieter Uniratsmitglieder unterschreiben müssen, ermöglicht es Monica Gschwind, sie politisch auf Linie zu halten. Ein Umstand, der den Politikern in der Stadt missfällt: «Ich halte Gschwinds Mandatsvertrag und somit die Politisierung des Unirats für sehr problematisch», sagt SP-Präsident Pascal Pfister. «Der Unirat muss frei zum Wohle der Uni agieren können.» Dass die Novartis, als einer der weltweit führenden Konzerne im Life-Sciences-Bereich, nicht mehr im Unirat vertreten sein wird, beurteilt Pfister als «ungünstig».

Auch die LDP ruft aus: «Alles deutet auf eine Politisierung seitens Baselland. Eine gravierende Veränderung», so LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. Auch sei der Wegfall der Novartis sehr bedauerlich. In der Stadt will man bis heute weiter nichts von einem Mandatsvertrag für die Uniratsmitglieder wissen. «Seit es den Unirat gibt, sind für uns Mandatsverträge kein Thema. Auch wenn das Baselbiet das System nun wechselt, besteht für uns kein Grund, von unserer bewährten Praxis abzuweichen», sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements (ED). Zudem werde Basel seine Uniratsmitglieder nicht austauschen. «Wir setzten auf Kontinuität.»

*Update:

Aufgrund dieser Berichterstattung, ist Gschwinds Direktion am frühen Morgen mit einer Medienmitteilung an die Öffentlichkeit getreten. Sie gibt darin die neuen Mitglieder des Unirats bekannt. Es sind dies Christian Bosshard, Vizepräsident Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique SA, Jürg Gutzwiller, CEO der RBA-Holding AG und Beat Oberlin, ehemaliger CEO der BLKB. Bis zu 70 Personen haben sich für einen Posten als Unirat beworben. Franz Saladin war einer der Top-Favoriten, ist aber letztlich im Wahlverfahren gescheitert.

Weiter will die BKSD im Spätherbst den Präsidenten des Unirats bekannt geben, der auf Wunsch von Gschwind vom Baselbiet gestellt wird und Alt-Regierungsrat Ueli Vischer ablöst.

Die Novartis ist definitiv aus dem Unirat ausgeschieden.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt