«Ein Franken ist ein Franken»

Heidi Mück und Joël Thüring wollen die Eintrittspreise für Ausserkantönler erhöhen. In anderen Regionen der Schweiz ist dies bereits gang und gäbe.

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Im Nachbarkanton soll gespart werden, bis sich die dünn werdenden Balken biegen. Unter den Sparschneider fiel nun auch die Kulturpauschale. Mit der Kulturpauschale beteiligt sich das Baselbiet bisher an Basel-Städter Kultureinrichtungen wie Museen, Badis oder dem Theater, weil diese nicht nur von den Städtern, sondern rege auch von den Baselbietern besucht und genutzt werden.

Die Konsequenz: Ein Basel-Städter Anzug fordert, die Eintritte zu den entsprechenden Institutionen für «ausserkantonale Besucher» kurzerhand teurer zu machen. Betroffen davon wären öffentliche Schwimm- und Hallen­bäder, das Theater, Konzerte des Sinfonieorches­ters, die Kunsteisbahnen oder öffentliche Museen wie das Kunst­museum.

20 Prozent mehr für Baselbieter

14,7 Millionen sollen mit der Kürzung der Kulturpauschale an Basel Stadt in der landschaftlichen Kasse bleiben. Da eine halbierte Kulturpauschale aber nicht bedeutet, dass nur noch halb so viele Besucher aus dem Nachbarkanton die vom Stadtkanton mitfinanzierten Einrichtungen besuchen, werden die Einsparungen der Baselbieter Regierung auf dem Rücken der Stadt ausgetragen. Kulturschaffende machen sich Sorgen. «Der Beitrag aus der Kulturpauschale ist für die Kaserne Basel von vitaler Bedeutung», sagt zum Beispiel Kaserne-Vereins­präsident Claudius ­Gelzer.

Darum haben sich BastA!-Grossrätin Heidi Mück und SVP-Grossrat Joël Thüring zusammengetan und über eine Lösung nachgedacht. «Man könnte die Eintrittspreise für ausserkantonale Besucher um etwa 20 Prozent erhöhen», sagt Thüring. «Vielleicht müsste man auch von Institution zu Institution abwägen – beim Theater lägen wohl auch Preisdifferenzen von mehr als 20 Prozent drin.» Im Falle des Theaters hat der Landrat im Mai bereits einen Zusatzbeitrag von 700?000 Franken abgelehnt. Es bleibt für die Städter zu hoffen, dass dieser Entscheid nicht wegweisend für jenen der Kulturpauschale sein wird.

Wohl erprobtes Konzept

Mit der Preisdifferenzierung haben Mück und Thüring das Rad nicht neu erfunden: Andere Kantone, wie Graubünden oder das Wallis, haben längst ein solches Abgabesystem eingeführt. «Skipässe kosten für Anwohner zum Beispiel immer weniger als für Auswärtige», sagt Thüring, «diese Ungleichbehandlung ist völlig unproblematisch. Es gibt sie vielerorts.» Auch Basel selber kennt Preissysteme, die Einwohner und Auswärtige unterschiedlich behandeln: Ein Familiengarten in der Stadt kostet laut Thüring für ausserkantonale Bewerber mehr als für die städtischen.

Allerdings sind die Familiengärten selbsttragend und belasten das Staatsbudget nicht. Anders verhält es sich bei den Schwimm- und Hallenbädern. Diese können niemals kostendeckend geführt werden. Viele Jahre wurde an den Preisen dennoch nicht geschraubt. Auf Anfang 2015 sind die Einzeleintritte nun aber leicht angestiegen – für alle. Bei den Jahresabonnements hat man bereits eine Preisdifferenzierung eingeführt: Einheimische profitieren noch immer von unverändert tiefen Abopreisen, Auswärtige zahlen mehr: Ein Saisonabonnement kostet für den Städter 90 Franken, für Ausserkantonale neu 110. «Weil Schwimm- und Hallenbäder nicht kostendeckend sind, gehen in unserer Umgebung immer mehr davon zu. Die Badegäste kommen in der Folge zu uns – die Kosten dafür tragen wir allein.»

Vor allem symbolisch

Um das Loch zu stopfen, welches durch die ausfallende Kulturpauschale entsteht, müsste die Preiserhöhung allerdings weit über den von Thüring vorgeschlagenen 20 Prozent liegen. Den Initiatoren ist denn auch klar, dass die Preisdifferenzierung eher symbolischen Wert hat. Allerdings soll die Botschaft nicht in Richtung Diskriminierung der Auswärtigen gehen, sondern ein Zeichen für die Städter sein. «Man könnte sogar daran denken, die Mehreinnahmen nicht in die Kantonskasse fliessen zu lassen, sondern damit die Preise für die Städter zu senken. So können sich auch Leute mit kleinem Einkommen Eintritte zu Museen, Theater etc. leisten. Dafür ist das Gemeinwesen ja da», sagt Thüring.

Damit die Städter nicht mit einer Wohnsitzbestätigung ins Theater müssen, soll ihnen zusammen mit der Steuer­erklärung oder bei der Anmeldung im Kanton ein Kreditkarten-grosser Ausweis überreicht werden. Der findet im Portemonnaie gut Platz und kann beim Billettkauf umstandslos gezückt werden. Kosten würde der Ausweis wenig, Mück und Thüring stellen sich eine Klebekarte oder einen Karton vor. Denn bei der gesamten Aktion gilt: «Ein Franken ist ein Franken!»

Basler Zeitung

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