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Ein Foul an der Berufsbildung

Mit Schuldzuweisungen erreichen wir nichts – es ist das Ziel von allen Involvierten, die Lehre zu stärken.

Finale im Kongresszentrum mit Marcel Schweizer Präsident Gewerbeverband, RR Conradin Cramer und Reto Baumgartner Vizedirektor. Foto Dominik Plüss
Finale im Kongresszentrum mit Marcel Schweizer Präsident Gewerbeverband, RR Conradin Cramer und Reto Baumgartner Vizedirektor. Foto Dominik Plüss

Was ist nur in die «Basler Zeitung» gefahren? «Hort der Verzweiflung», schreibt sie über einen Bericht zur Basler Lehrstellenbörse. Wer vor Ort war und die positive Atmosphäre und das Engagement der Beteiligten gespürt hat, kann bei diesem Titel und dem Artikel nur den Kopf schütteln. Er hat eine konsequent negative Grundstimmung. Lehrstellensuchende werden ziemlich abschätzig beschrieben. Und die Lehrstellenbörse als Ort, wo ihnen geholfen werden sollte, aber nicht geholfen wird. Es waren 600 Lehrstellensuchende an der Börse. Die meisten top vorbereitet. Die Ausbildungsbetriebe sind oft schon das dritte, vierte oder fünfte Mal dabei. Das zeigt, dass sie hier auch gute, motivierte und geeignete Jugendliche für ihre offenen Lehrstellen finden. Auch Jugendlichen, die in der Folge keinen Lehrvertrag bekommen, hilft die Erfahrung der Lehrstellenbörse. Sie erhalten Tipps für weitere Bewerbungen – oder lernen neue mögliche Berufsbilder kennen.

Von einem «Hort der Verzweiflung» kann keine Rede sein. Der Beitrag ist für mich ein böses Foul an der Berufsbildung und allen, die sich dafür engagieren – auch auf der Kantonsseite. Natürlich haben wir Hausaufgaben zu machen, einerseits bei den Informationen zur Attraktivität und den Möglichkeiten der Berufslehre, andererseits bei den Vorbereitungen der Schüler auf den nächsten Schritt nach der obligatorischen Schulzeit. Die Schulreform hat hier noch nicht den gewünschten Effekt gezeigt. Aber das Erziehungsdepartement hat auch schon erste Massnahmen ergriffen, wie die Anhebung des Notenschnitts. Das ist positiv, aber ja, es braucht weitere Massnahmen. Aber mit Schuldzuweisungen erreichen wir nichts. Auch nicht mit Beiträgen, die ein komplexes Problem negativ und oberflächlich behandeln.

Übrigens ist die obligatorische Schulzeit Sache der Kantone.

Weder sind die Basler Schüler gescheiter oder weniger gescheit als die aus anderen Kantonen. Die Laufbahnverordnung Basel-Stadt ist jedoch heute auf Anschlusslösungen in die weiterführenden Schulen ausgelegt. Das führt dazu, dass diese Jugendlichen über einen Umweg bis zu zwei Jahre später in eine Berufslehre eintreten. Übrigens ist die obligatorische Schulzeit Sache der Kantone. Der Lehrstellenmarkt ist jedoch eine regionale Angelegenheit, von jeher sind rund 40 Prozent der Lehrstellen in Basel-Stadt durch Lernende mit Wohnort Baselland besetzt. Danken möchte ich an dieser Stelle den 58 Ausbildungsbetrieben, die diese Plattform zur Rekrutierung des Berufsnachwuchses genutzt haben. Ebenfalls ein Danke an die rund 600 Lehrstellensuchenden, die den Mut gehabt haben, sich vor Ort zu präsentieren. Drücken wir die Daumen, dass viele noch diesen Sommer erfolgreich eine Lehre starten können.

Gemäss früheren Beiträgen ist die BaZ der Meinung, dass mehr Jugendliche eine Berufslehre absolvieren sollen. Das finde ich auch – und die Verantwortlichen im Erziehungsdepartement ebenso. Mit solchen Beiträgen wird das Gegenteil erreicht. Ob bewusst oder nicht – die Berufsbildung als Ganzes erscheint in einem schlechten Licht. Eine grössere Akzeptanz der Berufsbildung in der Bevölkerung – und somit auch eine höhere Direktübertrittsquote in die Berufsbildung – ist im Interesse der gesamten Bevölkerung und dringend nötig.

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