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Dunkle Wolken über Kleinhüningen

Bei einem Feuer im Hafen brannten 2000 Tonnen mit giftigem Teeröl behandelte Eisenbahnschwellen.

Blick von oben. Die Flammen wüten unter den Eisenbahnschwellen – auch der Kran dürfte hinüber sein.
Blick von oben. Die Flammen wüten unter den Eisenbahnschwellen – auch der Kran dürfte hinüber sein.
Dominik Plüss

Dunkel und drohend steht gestern um 14.15 Uhr die Wolke am Himmel über Kleinhüningen. Je näher man kommt, desto bedrohlicher wirkt sie. Immer wieder schiessen Flammen aus den schwarzen Schwaden hervor. Am Westquai unweit des Dreiländerecks steht die Menge, schaut, filmt und fotografiert. Es brennt bei Rhenus Port Logistics, die Flammen schiessen hoch, vier kleine Buben weisen aufgeregt auf den Brandherd. Vom Wasser aus versuchen Feuerwehrleute, mit Schläuchen das Feuer zu löschen, Deutsche kämpfen Seite an Seite mit Schweizern.

Doch die Flammen lodern immer höher, die Wolke wird dichter. Die Polizei hat das Gelände weitläufig abgesperrt, noch mehr Feuerwehrautos kommen angerast. Schliesslich dreht der Wind, die dunkle Wolke legt sich über die Schaulustigen und die Helfer. Einige Männer kommen aus der abgesperrten Zone gerannt, mit Tüchern vor dem Mund. «Nun geht ihr besser», sagt einer. Die Schaulustigen packen ihre Velos oder ziehen zu Fuss von dannen. Bis weit nach der Dreirosenbrücke werden sie vom Gestank und dem Rauch verfolgt.

Hochgiftige Gase

2000 Tonnen Schrott und 2000 Tonnen Bahnschwellen seien auf dem Recyclingplatz gelagert, sagt Claudia Bracher, Pressesprecherin Rhenus Port Logistics, der BaZ. Es sei alles legal dort gelagert gewesen. Die zehn Mitarbeiter der Recycling-Stelle habe man sofort evakuiert, Verletzte habe es keine gegeben. Einen Steinwurf vom Brandort entfernt stehen zwei Silos, wo unter anderem Getreide gelagert wird. «Die brennen Gott sei Dank nicht.» Die Warnung sei als Sicherheitsmassnahme herausgegeben worden. Es habe keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.

Ob die Rauchwolke für die Menschen tatsächlich so harmlos war, ist allerdings zu bezweifeln. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) geben jedenfalls strenge Richtlinien heraus, wie alte Eisenbahnschwellen entsorgt werden müssen. In einer Broschüre zum Thema Nachhaltigkeit schreiben sie: «Alte Eisenbahnholzschwellen müssen in einer Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden. Das Verbrennen von alten Eisenbahnholzschwellen oder Schwellenresten im Freien oder in privaten Holzfeuerungsanlagen ist verboten, da dabei aufgrund der zu geringen Verbrennungstemperatur hochgiftige Gase entstehen.»

Augenzeugen berichten, dass die Feuerwehr nicht die Schnellste gewesen sei. 25 Minuten nach Feuerausbruch sei sie erst vor Ort gewesen. Neben Berufs- und Milizfeuerwehr aus Basel war auch jene der deutschen Nachbarstadt Weil am Rhein im Einsatz. Das Basler Feuerlöschboot hatte einen seiner raren Einsätze. Die Brandursache sei noch nicht geklärt und Gegenstand der Ermittlungen, sagt René Gsell von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Da eine Gefährdung nicht auszuschliessen sei, habe man eine Warnung an die Bevölkerung ausgegeben.

Schon länger ein Problem

Durch die Polizei wurde die Bevölkerung in einer ersten Phase über die Medien angewiesen, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die im Hafenareal arbeitenden Personen und Besucher des Dreiländerecks wurden aus der Gefahrenzone geführt.

Wie die TagesWoche schon vor ein paar Wochen geschrieben hatte, sind den benachbarten Betrieben die Eisenbahnschwellen seit Längerem ein Dorn im Auge. Yves Raschle, Miteigentümer der Möbeldesignfirma Inch Furniture, und seine Kollegen in der Werkstattgemeinschaft am Westquai leiden darunter, dass direkt vor ihrer Nase Zehntausende mit giftigem Teeröl belastete Bahnschwellen umgeschlagen werden. Sie befürchteten, dass sich das negativ auf ihre Gesundheit auswirken könnte. Raschle schrieb dann auch ans Lufthygieneamt beider Basel. Darauf erfolgten Messungen, die ergaben, dass die Konzentration sogenannter polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) im ganzen Hafengebiet erhöht ist. PAK können eine krebserregende Wirkung haben. Die Messungen ergaben zwar, dass keine Gesundheitsgefährdung bestehe. Man habe sich dennoch mit der Rhenus darauf geeinigt, dass der Umschlagplatz bis Juli aufzulösen ist. Nun nahm der Brand der Rhenus die Arbeit ab.

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