Du, saag emoll, kasch du aigedlig Baaseldytsch?

Dialekt-Lehrerin Madeleine Vegh sieht die Basler dem Rest der Schweiz um einen Schritt voraus – zumindest sprachlich gesehen.

Dialekt-Schutzgebiet: Die Schnitzelbänggler dürfen alles sagen – solange dabei der Dialekt stimmt.

Dialekt-Schutzgebiet: Die Schnitzelbänggler dürfen alles sagen – solange dabei der Dialekt stimmt.

(Bild: Pino Covino)

Das Schweizerdeutsch ist Vielzahl, verstehst du das eine, heisst das noch lange nicht, dass sich dir auch alle andern erschliessen. Was in Basel ein «Schwöbli», ist in Bern ein «Weggli» und was in Basel die «Reerliwaaie», ist in der Ostschweiz die «Bölletünne».

«Bereits der Basiswortschatz unterscheidet sich teilweise sehr stark vom Hochdeutschen», sagt Madeleine Vegh. Die Baslerin mit Ostschweizer Wurzeln unterrichtet Schweizerdeutsch – Schwer­punkt Baaseldytsch. Willkommen ist, wer Deutsch auf Niveau B1 sprechen und verstehen kann.

«Luege, loose, schwätze»

Zu Beginn eines Kurses zeigt sie ihren Schülern gerne Schilder mit Symbolen – ein Auge, ein Ohr, eine Nase, ein Herz, ein Mund – und lässt sie die dazugehörigen Verben finden. «Sehen, hören, riechen, lieben, sprechen», sagt Vegh und macht gleich mit der schweizerdeutschen Übersetzung weiter: «Luege, loose, schmögge, gäärn haa, schwätze oder reede».

Während das Hochdeutsche sich weiterentwickelt hat, sind die Schweizer Dialekte in ihren Tälern und Hügeln nahe am ursprünglichen Alemannisch geblieben. Das Wort Treppe illustriert das ganz gut: Für uns Schweizer sammeln sich mehrere Tritte zu einer «Stääge», im Althochdeutschen war das noch die «Stiega» und die liegt dem Helvetischen Ausdruck doch um einiges näher als der hochdeutschen «Treppe».

Die bewegliche Weiterentwicklung der «Stääge» wird bei den meisten Schweizern – wie bei den Deutschen – nun aber zur «Rolltreppe». Der Basler zeigt sich da konsequenter und stellt sich, wenn die Beine müde werden, auf die «Rollstääge». In der Regel liegt das Baaseldytsch allerdings näher am Hochdeutsch als die übrigen Dialekte: «Das Baseldeutsch hat sich am Weitesten entwickelt und ist darum dem Germanischen, also dem Hochdeutsch, am nächsten.» Was jeder Bebbi insgeheim ahnte, hat nun die Dialekt-Fachfrau bestätigt: Man ist dem Rest der Schweiz sprachlich einen Schritt voraus. Ob das dann auch akustisch besser ist, liegt im Ohr des Zuhörers. Es teste sich selber, wer nun, zufrieden ob der Basler Überlegenheit, im Sessel liegt:

1. Siidebolle
2. Bumeranze
3. Ammedyysli
4. Am Ueli riefe
5. Aameloppe
6. mutschlig
7. Schmiirzeler
8. Schlitzgyyge
9. rappelkepfig
10. Gaisseveegler
11. Affeznyyny
12. Juhee

Die hochdeutsche Übersetzung der Basler Ausdrücke findet sich am Ende des Textes. – Fehlbare haben sich am «Schmeggschyt» (13) zu nehmen und augenblicklich Wörtli zu büffeln – sonst wird aus ihnen plötzlich noch ein stummer «Aidoon» (14).

«Süddeutsche, Elsässer und Basler verstehen sich ganz gut», sagt Vegh. Grund dafür sei die geografische Lage und der vor allem durch den Handel beförderte Austausch mit anderen Sprachen. Dabei haben die Basler aber nicht nur zu den deutschen Nachbarn geschielt, auch Französisch haben sie in ihren Wortschatz eingeflochten: Der «Baareblyy» – Regenschirm – ist ein gutes Beispiel dafür.

Es gibt aber auch gewisse Regeln, die allen Schweizer Dialekten eigen sind, betont Vegh: «Schweizerdeutsch kennt weder Akkusativ, noch Genitiv und kommt allein mit Präsens und Perfekt aus.» Gerade für Deutsche verwirrend sei oft das Füllwort «tue»: «Ich tue grad koche.» Dass «wo» auch als Relativpronomen und als Konjunktion verwendet werden kann, erscheine aus deutscher Perspektive ungewohnt. Zudem betonen Schweizer ganz anders, verschlucken die Endungen und binden Wort an Wort – die Eidgenossen zu verstehen ist nicht leicht.

Wer mehr über Dialekte in der Schweiz und Baaseldytsch im Besonderen wissen möchte, geht am 18. 9. an die Uni-Nacht. www.uninacht.ch

Auflösung 1. Niedliches Kind. 2. Orange. 3. Pulswärmer. 4. sich übergeben. 5. Briefumschlag. 6. nass, feucht, schwer. 7. Geizhals. 8. Dirne. 9. störrisch. 10. kurze Ledergamasche. 11. Banane. 12. Dachzimmer. 13. Nase. 14. Langweiler.

Basler Zeitung

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