Drei Lilien für die Dreifaltigkeit

Stadtjäger

Die Predigerkirche, heute das Zentrum der Christkatholischen Kirche, war über die Jahrhunderte vieles.

Am Glockentürmchen der 750 Jahre alten Predigerkirche schaut nach Süden und Norden je ein Christuskopf mit lilienverziertem Heiligenschein. Fotos: Dominik Heitz

Am Glockentürmchen der 750 Jahre alten Predigerkirche schaut nach Süden und Norden je ein Christuskopf mit lilienverziertem Heiligenschein. Fotos: Dominik Heitz

Dominik Heitz

Die Arbeiten dauerten vier Jahre, Dann – es war das Jahr 1237 – stand die Klosterkirche des Dominikanerordens. Dass sie Predigerkirche heisst, ist den Dominikanern geschuldet. Denn die formelle Bezeichnung ihres Ordens lautet «Ordo fratrum Praedicatorum», Orden der Predigerbrüder.

In diesem Jahr kann die Kirche ihr 750-Jahr-Jubiläum feiern und dabei auf eine rege Baugeschichte zurückblicken. Dazu gehört auch das Türmchen. Ursprünglich besass die Predigerkirche einen kleinen Dachreiter aus Holz. An seine Stelle trat 1423 ein seitlich an das Hauptdach anlehnender Glockenturm. Über 21 Meter ist er hoch. Und seine Spitze ragt etwa 14 Meter über den Dachfirst hinaus. Sein sechseckiger, mit vier Strebepfeilern versehener Schaft trägt ein Arkadengehäuse mit zulaufendem Spitz, auf dem ein vergoldetes Lilienkreuz emporragt.

Das Lilienkreuz bedeutete nicht nur Gutes. Seit dem 14. Jahrhundert galt es als Emblem der Inquisition. Von dort ging es unter anderem auch auf das Wappen der Dominikaner über, die sich für den Papst in den Dienst der Inquisition stellten.

Der Erlöser der Welt

Die Lilien finden wir am Kirchenturm aber noch an anderer Stelle. Über dem südlichen und nördlichen Strebepfeiler blicken – leicht lächend – zwei Christusköpfe in die Weite. Sie tragen einen Heiligenschein. Er ist wie ein Kreuz ausgebildet und weist drei Lilien auf, die für die Dreifaltigkeit stehen. Man nennt diese Christusköpfe auch Salvatorköpfe. Salvator: Der lateinische Name steht für den Retter, den Heiler, den Erlöser der Welt.

Die Predigerkirche, heute das Zentrum der Christkatholischen Kirche, war über die Jahrhunderte vieles: eine Klosterkirche, eine Kirche, die Raum bot für Armenspeisung und Seelsorge. Sie war Frucht- und Salzlager.

Sie war aber auch Begräbnisort. Ihre Adresse, Totentanz 19, erinnert daran. Die Kirche besass einen Friedhof, um den herum eine Mauer gezogen war. Um 1440 herum malte ein unbekannter Künstler auf die Innenseite dieser Mauer einen Totentanz. Das ganze Gemälde war etwa 2 Meter hoch und 60 Meter lang.

37 Leichengerippe

Alte Bildkopien und Beschreibungen vermitteln eine gute Vorstellung des ehemaligen Bildfrieses. Er begann mit einer Predigtszene, die zeigte, wie sich eine kleine Menschengruppe um einen Geistlichen scharte. Daneben sprangen zwei halb verweste Leichen aus einem Beinhaus und spielten trommelnd und pfeifend zum Tanz auf – zum Tanz der Menschen mit dem Tod.

37 Tanzpaare waren zu sehen, bestehend aus je einem den Tod symbolisierenden Leichengerippe und einem sterbenden Menschen. Die einzelnen Sterbenden spiegelten in genauer Reihenfolge die spätmittelalterliche Gesellschaftshierarchie. Die geistlichen und weltlichen Obrigkeiten führten den Totentanz an, gefolgt von den Stände- und Berufsvertretern. Das Schlusslicht bildeten der Blinde, der Jude, der Heide, der Koch und der Bauer.

1805 wurde die Mauer abgerissen. Nur dank einigen Kunstfreunden, die sich damals Bildstücke herausschlagen liessen, sind wenigstens noch Fragmente dieses Totentanzes erhalten. Heute sind sie in der Barfüsserkirche, dem Historischen Museum, ausgestellt.

Basler Zeitung

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