Die Tragik des Carlo Conti

Meistens machte der Gesundheitsdirektor eine gute Figur. Doch als er die gemachten Fehler entdeckte, tat er das, was seine Kollegen im Baslebiet versäumten. Ein Kommentar.

Tragische Figur: Carlo Conti stellt sich einem Interview des Schweizer Fernsehens.

Tragische Figur: Carlo Conti stellt sich einem Interview des Schweizer Fernsehens.

(Bild: Kostas Maros)

Basel kennt Carlo Conti als engagierten und eloquenten Gesundheitsdirektor. Als Vizepräsident des Regierungsrates machte er bei öffentlichen Auftritten und auf Auslandsbesuchen in der Vergangenheit oft die bessere Figur als Regierungspräsident Guy Morin. Gestern nun trat ein anderer Carlo Conti vor die Medien. Ein Mann, der von den Ereignissen der letzten Wochen sichtlich gezeichnet war. Und vom Ringen mit sich selber. Der Basler CVP-Regierungsrat ist nach der Baselbieter Honorar-Affäre aus eigenem Antrieb über die Bücher gegangen und hat bei sich auch prompt Fehler entdeckt. Doch im Gegensatz zu seinen Baselbieter Kollegen gibt er diese Fehler nicht nur zu – er zieht auch gleich die Konsequenzen daraus und tritt zurück.

Eigentlich sollte es eine ganz besondere und wohl auch die letzte Legislaturperiode des 59-Jährigen werden. Nach der Auslagerung der Spitäler konnte sich Conti um sein nunmehr überschaubares Departement kümmern und als Präsident der Schweizerischen Konferenz der Gesundheitsdirektoren auch national glänzen. Doch jetzt hat ihm seine Nachlässigkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Carlo Conti wird damit zur tragischen Figur. Er stolpert über 111'000 Franken, die er inzwischen bereits zurückgezahlt hat. Doch für ihn persönlich wiegt dieses Versagen so schwer, dass er von der Politbühne abtritt. Ob ganz freiwillig oder im Wissen, dass die Sache ohnehin rausgekommen wäre und ihn möglicherweise zum Rücktritt gezwungen hätte, bleibt offen. Dass er über Jahre hinweg falsche Verbuchungen hingenommen hat, ist eine Tatsache, die ihn in ein schlechtes Licht stellt.

Sämtliche Mitglieder der Regierung überprüfen

Und es wirft auch Fragen nach dem Verhalten der übrigen Mitglieder des Regierungsrates auf. Nach dem Bekanntwerden des Baselbieter Skandals um unrechtmässige Nebeneinkünfte der Regierungsmitglieder wurde in Basel-Stadt vorschnell Entwarnung gegeben. Dass nun die Finanzkontrolle die Deklaration der Nebeneinkünfte sämtlicher Mitglieder der Regierung überprüfen soll, ist nur die logische Konsequenz. Und eine weitere Konsequenz müssten Rücktritte derjenigen Regierungsräte sein, die hier ebenfalls nicht sauber abgerechnet haben.

Unter Zugzwang dürften nun aber auch die amtierenden Baselbieter Regierungsräte kommen, die ihre Hände noch immer in Unschuld waschen wollen. Das Beispiel von Carlo Conti zeigt, dass Nachlässigkeit und fehlende Kontrolle nicht als Ausrede für diejenigen Fehler gelten dürfen, für die ein Regierungsmitglied die Verantwortung trägt und diese letztlich auch konsequent wahrnehmen muss.

Basler Zeitung

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