Die Stände der Luxusuhren bleiben stehen

Die Messe Schweiz kommt den Ausstellern in der Halle 1.0 entgegen – die Standbauer haben das Nachsehen. Das Ende?

Monumentale Standbauten: Luxusmarken wie Tag Heuer, Rolex oder Patek Philippe dürfen ihre Stände in den geraden Jahren nach der Baselworld in der Halle 1.0 stehen lassen. Das spart Kosten für den Abbau und die Einlagerung.

Monumentale Standbauten: Luxusmarken wie Tag Heuer, Rolex oder Patek Philippe dürfen ihre Stände in den geraden Jahren nach der Baselworld in der Halle 1.0 stehen lassen. Das spart Kosten für den Abbau und die Einlagerung.

(Bild: MCH Group)

Der MCH Group stehen schwere Zeiten bevor. Am 5. September kündigte sie in einer Medienmitteilung an, dass das Jahresergebnis 2017 wohl «mindestens 50 Prozent unter dem Jahresergebnis 2016 von 34,4 Millionen liegen wird». Ein Faktor neben dem starken Schweizer Franken ist die Baselworld, die immer mehr zum Problemkind wird. Das frühere Aushängeschild der Messe Basel musste in diesem Jahr einen Rückgang der Aussteller um 200 Marken hinnehmen, darunter auch bekannte Luxusuhren wie Ulysse Nardin oder Girard Perregaux. Und der Exodus geht weiter. Bereits haben sich Hermes, Dior und Louis Erard fürs kommende Jahr abgemeldet. «Die Folgen der grossen Veränderungen in der Uhren- und Schmuckindustrie werden sich noch stärker auf die Baselworld 2018 auswirken, als dies 2017 der Fall gewesen ist», warnt die MCH Group schon mal.

Die Messeleitung und CEO René Kamm sind also gefordert. Bereits zum Abschluss der Baselworld 2017 hatten sie als Sofortmassnahme eine Verkürzung der Messe um zwei Tage angekündigt. Auch soll der Messekatalog nicht mehr gedruckt vorliegen. Vor allem aber müssen die Kosten für die Aussteller in dieser für die Branche schwierigen Zeit gesenkt werden.

Mit der Reduktion der Messedauer verliert die MCH Group schon an Einnahmen. Deshalb kann sie den Ausstellern bei den Standmieten und übrigen Dienstleistungen nur beschränkt entgegenkommen.

Keine Bau- und Lagerkosten

Zu den teuersten Posten einer Messeteilnahme an der Baselworld gehört der Auf- und Abbau der Stände. Vor allem in der Halle 1.0 wurden die Aussteller zur Eröffnung des Neubaus von Herzog & de Meuron gedrängt, möglichst pompöse, mehrstöckige Stände zu bauen. Insgesamt 500 Millionen Franken wurden in diese neuen Standbauten von den Marken investiert. Auf- und Abbau dauern manchmal mehrere Monate, dann wird der Stand wieder für ein Jahr eingelagert, wobei hier erneut teure Lagerkosten anfallen.

Die Messeleitung der Baselworld will nun zumindest die Luxusmarken in der Halle 1.0 dadurch entlasten, dass sie ihre Stände nicht mehr jedes Jahr auf- und abbauen müssen. Somit sparen diese Bau- und Lagerkosten. Jean-Claude Biver, Chef der Uhrendivision der LVMH-Group, ist von dieser Idee begeistert. Mit Hublot, Tag Heuer und Zenith hat er gleich drei Marken mit imposanten Ständen an der Baselworld. Seine Einsparungen würden in eine siebenstellige Frankenzahl gehen. Auch andere Marken begrüssen den Vorschlag der Messe. Sie wollen sich aber noch nicht zu Details äussern, weil sie mit der Messe auch noch wegen der Standpreise in Verhandlung sind. Die Messe selber will im Oktober bekannt geben, welche konzeptionellen Anpassungen sie für die Baselworld im kommenden Jahr vornehmen wird.

Wegen der Swissbau, die in den geraden Jahren jeweils im Januar alle Hallen der Messe Basel belegt, dürfen die Uhrenfirmen ihre Stände ebenfalls in den geraden Jahren stehen lassen. Immerhin können sie so wenigstens jedes zweite Jahr Kosten sparen.

Standbauer sind enttäuscht

Nicht glücklich mit dieser Lösung sind die Standbauer. «Wir haben hier das Nachsehen», meint Mathias Affolter von Messerli, einem der führenden Standbauer der Schweiz, der auch für die Stände von Hublot und Zenith an der Baselworld verantwortlich ist. Für den Standbau habe Messerli Spezialisten, die nun plötzlich nur jedes zweite Jahr zum Einsatz kommen könnten. Die Lager müssten ebenfalls freigehalten werden, auch wenn sie nur alle zwei Jahre benötigt würden. «Das macht die Sache für uns sehr kompliziert», sagt Affolter. Nicht nur seine Firma, sondern auch die MCH verliert bei dieser Lösung, weil die Messe selber als Standbauer tätig ist.

Wenn die Halle 1.0 durch die Stände der Baselworld blockiert ist, wird sich dies auch auf andere Messen und Veranstaltungen auswirken. So findet hier etwa die Unlimited während der Art Basel statt. Die Eventhalle würde vermehrt als Messehalle genutzt werden, was die dortige Durchführung einer Baloise Session gefährden könnte.

Die Messe selber hält die Auswirkungen für überschaubar, «sie betreffen die Unlimited der Art und zwei weitere Messen», schreibt die MCH Group auf Anfrage. Für diese würden momentan alternative Konzepte entwickelt. «Alle anderen Messen sind von der Massnahme nicht betroffen.»

Basler Zeitung

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