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Die Operations-Liste, die beide Basel trennt

Die Regierungen betonen stets, die Gesundheitsregion gemeinsam zu planen – doch die Realität sieht anders aus.

Hinkt hinterher. In Liestal müssen einfache Eingriffe immer noch nicht ambulant durchgeführt werden.
Hinkt hinterher. In Liestal müssen einfache Eingriffe immer noch nicht ambulant durchgeführt werden.
Keystone

Beide Basel wollen ein Miteinander und kein Gegeneinander mehr – zumindest im Gesundheitswesen. Das betonen die Gesundheitsdirektoren bei jeder Gelegenheit. Die Spitalfusion und die gemeinsame Gesundheitsregion sind zwei Staatsverträge, über die das Stimmvolk Ende Februar 2019 wird abstimmen können. Doch der demonstrativen Zusammenarbeit zum Trotz gehen beide Basel in einem Kernthema vorläufig getrennte Wege: bei den ambulanten Eingriffen.

Basel hat eine Liste von 13 Operationen per 1. Juli eingeführt, die nur noch ambulant durchgeführt werden dürfen. Baselland hingegen hat diese Liste nicht übernommen. Die Folge: Mindereinnahmen bei Basler Spitälern – das angeschlagene Kantonsspital Baselland wird hingegen finanziell geschont.

Die medizinischen und technischen Entwicklungen gehen rasant voran und ermöglichen den Chirurgen, viele Eingriffe rascher und vor allem ambulant durchzuführen. Die Behandlungsqualität bleibt gleich, doch der Patient geht am Morgen ins Spital und ist am Abend wieder zuhause – mehrtägige Spitalaufenthalte können vermieden werden.

In der Schweiz werden im Vergleich mit anderen europäischen Ländern noch relativ wenig Eingriffe ambulant durchgeführt. 20 Prozent sind es in der Schweiz, in den Niederlanden bereits 50 Prozent der Operationen.

Millionen-Verluste in Basel

Basel-Stadt will den Anteil ambulanter Eingriffe erhöhen, weil dies nebst dem besseren Komfort für die Patienten auch günstiger ist. Mit dem aktuellen Finanzierungsmodell wird der Kanton voll entlastet, derweil umstritten ist, inwiefern die Krankenkassen, die 100 Prozent der ambulanten Eingriffe bezahlen müssen, unter dem Strich günstiger oder schlechter wegkommen als bei stationären Operationen. Verhandlungen über neue Finanzierungsmodelle laufen auf Bundesebene. Fakt ist aber: Das Umsteigen auf ambulant nimmt Kosten aus dem System raus.

Der Bund wird seinerseits per Januar 2019 eine Liste mit sechs ambulanten Eingriffen einführen. Basel geht weiter als der Bund, das Baselbiet jedoch hat aktuell noch keine solche Liste. Das hat gemäss Quellen damit zu tun, dass das Kantonsspital finanziell angeschlagen ist.

Ambulante Eingriffe sind zurzeit nämlich noch nicht kostendeckend, weil sie auf einer veralteten Gesetzesgrundlage beruhen. In der Tat machen Basler Spitäler seit der 13er-Liste je nach Institution mehrere Millionen Franken weniger Umsatz. Diese Einschnitte bleiben den Baselbieter Spitälern vorerst erspart. Ab Januar 2019 muss zwar auch das Baselbiet sechs Eingriffe ausschliesslich ambulant anbieten, doch die Ungleichbehandlung bleibt bestehen.

Schonfrist für Baselland

Das Vorgehen der Baselbieter Regierung widerspricht offensichtlich dem politisch geäusserten Willen zur gemeinsamen Gesundheitsplanung. Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Gesundheitsdirektion sieht dies anders: «Wir sind uns absolut einig, dass bei gleichbleibender Qualität ambulante Eingriffe den stationären vorzuziehen sind.» Doch wenn dem so sei, wie die Baselbieter Gesundheitsdirektion mitteilt, weshalb hat sie die Liste nicht gleichzeitig mit Basel eingeführt.

«Diese Steuerungsmöglichkeit war Teil der politischen Diskussion um das Spitalversorgungsgesetz», sagt Wirz. Der Baselbieter Regierungsrat, so Wirz weiter, habe dieser Diskussion mit einer vorzeitigen Einführung einer ambulanten Liste «nicht vorgreifen» wollen. Doch dieses Argument hätte auch Basel heranziehen können.

Es scheint so, als gebe die Baselbieter Regierung dem Kantonsspital eine Schonfrist bis zur Spitalfusion.

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