Zum Hauptinhalt springen

Die Messe bastelt an der Zukunft – und öffnet sich für Aktionäre

Während sich die Pläne schwammig lesen, ist nun klar: Fehlinvestitionen sorgen für Verluste in Millionenhöhe.

Die Mustermesse Muba fand 2019 zum letzten Mal statt. (Symbolbild)
Die Mustermesse Muba fand 2019 zum letzten Mal statt. (Symbolbild)
Keystone

Die Voten wurden fast schon bedächtig ruhig vorgetragen, spürbar um Sachlichkeit bemüht. Der VR-Präsident Ueli Vischer und der CEO Bernd Stadlwieser wollten vor der ausserordentlichen Generalversammlung der MCH Group am Mittwoch nochmals eingehend darauf hinweisen, dass man die Kritik an ihrer Arbeit ernst nehme.

Konkret ging es darum, dass die Messe, wie von der BaZ angekündigt, den 39 Fragen beinhaltenden Katalog der AMG Fondsverwaltung, dem grössten Privataktionär, bereits im Vorfeld nicht nur beantworten, sondern auch erklären wollte. Klar ist weiter­hin: Eine Sonderprüfung zur Strategie der Messe soll ­unbedingt abgelehnt werden.

Erhard Lee, der mit seinem Fonds die ausserordentliche Generalversammlung einberufen hatte, und als der schärfste Kritiker der Messe-Strategie gilt, hat letzte Woche in der BaZ gesagt, dass er mit seinem Antrag wohl scheitern dürfte, er danach aber eine Klage einreichen wolle.

Unverständnis über die Strategie

Die Verantwortlichen räumen auch Fehler ein. Was bleibt ihnen auch anderes übrig nach all den Sündenfällen der letzten Jahre? Die momentane Aufregung sei aber auch aufgrund von Missverständnissen in der Kommunikation entstanden. Damit ist der Austausch mit Lee gemeint, der bereits im September sein Unverständnis über die Strategie deutlich kundgetan hatte.

Er bezog sich auf die Mitteilung der MCH Group, dass für einen Teil des Geschäfts – namentlich die Livemarketing-Lösungen, also PR-Veranstaltungen – «verschiedene strategische Optionen» geprüft würden, darunter ein Verkauf, und man dagegen weiter auf Eigenmessen setzen wolle. Lee fühlt sich weiterhin nicht genug in die Pläne eingebunden, den oben genannten Entscheid hält er für falsch.

Das Missverständnis, sagt Vischer heute, bestehe darin, dass ein Verkauf der Sparte «Live­marketing-Lösungen» nur eine Option sei – und keinesfalls die präferierte. Man suche nun neue private Investoren auf Gruppenebene, die frisches Geld bringen sollen, um keine Sparte veräussern zu müssen.

In die Zukunft schauen

Mit einer Kapitalerhöhung und einer Änderung der Statuten, was die Zusammensetzung des Verwaltungsrats betrifft, könnten private Aktionäre gestärkt werden – sollten sich die Kantone bei einer Kapitalerhöhung dagegen entscheiden, neue Wertpapiere entsprechend ihrem Anteil zu kaufen.

Vischer war aber auch darum bemüht, in die Zukunft zu schauen. Wie diese aber aussehen soll, blieb jedoch schwammig. Dass im digitalen Bereich vieles entwickelt werden soll, kann in der heutigen Zeit nicht als bahnbrechend bezeichnet werden. Stadlwieser sagte immerhin, dass die Art Basel einen kostenpflichtigen digitalen Showroom konzipieren wird, der «vielleicht» schon im Sommer fertig wird.

Bei der Baselworld, die den Aufbau einer Community, im Gegensatz zur Art, in den letzten 15 Jahren komplett verschlafen hat, ist die Idee eine ähnliche. Es soll eine Plattform entstehen, die sich weniger wie eine klassische Messe am System «Business to Business» orientiert, sondern mehr am einzelnen Kunden. Stadlwieser betont: «Das gibt es natürlich schon – aber ohne grossen Support der Uhrenhersteller. Wir wollen das ändern, und es gibt positive Signale.»

Das ist aber leichter gesagt als umgesetzt. Während etwa die Luxusmarke Rolex, die auf ein Händlersystem setzt, ein grosses Interesse daran haben dürfte, haben Marken mit vielen Flagshipstores andere Bedürfnisse, die es miteinzubeziehen gilt.

Digitale Plattformen und Communities kennen keine Grenzen

Die Entwicklung der «klas­sischen Messen und Events zu Plattformen und Communities», wie die MCH Group das ziemlich sperrig nennt, ist also mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert. Für Basel heisst das: Es soll zwar weiterhin für Wertschöpfung gesorgt werden, der Blick geht aber auch stark in die Ferne; digitale Plattformen und Communities kennen keine Grenzen.

Die Hallen dagegen sind für den Eigentümer ein finanzieller Kraftakt. Stadlwieser sagt sogar: «Vielleicht ist die öffentliche Hand der bessere Besitzer.» Über weitere Verkäufe von Hallen will die Messe nicht sprechen. Die SVP hat eine Interpellation eingereicht, in der sie unter anderem wissen will, ob der Kanton weitere Zukäufe plant.

Beim Knatsch um die zukünftige Ausrichtung der kriselnden MCH Group ist also noch kein Ende in Sicht. Auch darum, weil die Messe in ihrem Antwortenkatalog zähneknirschend riesige Verluste darlegen muss: Die Luxus­automobilmesse «Grand Basel» war ein Flop, das Defizit beträgt 27,8 Millionen Franken, die Abschreiber bei der Infrastruktur stehen mit zusätzlichen 6,8 Millionen zu Buche.

Der Abstecher nach Lausanne, wo man sich am Palais Beaulieu beteiligt hatte, kostete die Messe insgesamt 35,6 Millionen. Addiert man noch die Sanierung der Pensionskasse (9 Millionen) und Rückstellungen (6,1 Millionen), wird deutlich, wie gross die Schieflage ist. Man hat sich überschätzt, das Potenzial dieser Veranstaltungen völlig falsch beurteilt. Wie viel die Akquisitionen gekostet haben: Das verriet die Messe mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis übrigens nicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch