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Die Krux mit dem Basler Silvesterfeuerwerk

Die Basler Behörden verkürzen das Spektakel. Zwei Meinungen.

Beim Feuerwerk schlafen mir die Füsse ein

Ja Heutzutage muss alles grösser, schöner, spektakulärer als alles je Dagewesene sein, und so dreht bei mir der Genuss zum Verdruss. Gelangweilt stehe ich mir die Füsse in den Leib und warte das Ende ab. Andere haben schwererwiegende Bedenken, und auch diese gilt es ernst zu nehmen. Der Feinstaub, der an die Lungen geht, der Lärm, der Kleinkinder und Haustiere verstört, Wildtiere, die aufgescheucht werden.

Die Freiheit eines jeden endet da, wo andere Kreaturen darunter leiden. Aber die Verfechter der eigenen Freiheit, egal ob Knallfetischisten, Raser oder Umweltverschmutzer, ficht das nicht an. «Nur 16 anstatt 21 Minuten Feuerwerksspektakel – Verrat, Verrat», so klagen sie. «Spassbremse, moralinsauer, ideologisch...», so tönt es aus diesen Reihen. Unter diesen Unkenrufern sind dann jedoch auffällig viele, die mehr Polizei fordern, wenn ein Ausländer einer Frau hinterherpfeift. Doch wenn die Raketen gen Himmel sausen sollen und die Mitmenschen mit Krach und Gestank terrorisiert werden, soll sich die Staatsmacht schön raushalten.

Doch es leiden eben nicht nur Mitmenschen, Tiere oder die Umwelt. Immer wieder geschehen auch Unfälle mit Feuerwerkskörpern. Und ganz abgesehen davon ist ein Feuerwerk eine beispiellose Geldvernichtungsmaschine. Gegen 100'000 Franken werden da am Himmel verbrannt.

Anstatt Böller in die Luft zu jagen, könnte man doch besser verkrustete Strukturen sprengen. «Wer jetzt nicht aufbricht, wird aufgebrochen», hat vor vielen Jahren mein ehemaliger BaZ-Kollege Heinz Weber geschrieben. Ein Satz, der heute noch viel mehr gilt. Es sind die Jahre, Monate und Tage des Aufbruchs und nicht des Verharrens in alten Traditionen. Fünf Minuten weniger Böllerzeit ist mal ein Anfang – ein kleiner, doch immerhin.

Franziska Laur BaZ-Redaktorin

Es bleibt eine Symbolhandlung

Nein 2019 war das Jahr, in dem uns immer mehr Freuden des Lebens vergällt wurden. Auto fahren ist nicht mehr erwünscht. Fleisch essen ist des Teufels. Und in die Ferien fliegen geht schon gar nicht. Klimaschädlich sei das alles, ertönt der stereotype Hinweis – und wer es trotzdem tue, müsse sich schämen.

Zum Abschluss dieses Jahres, das von so viel Moralinsäure geprägt war, wird Basel nun auch noch die Freude am Silvesterfeuerwerk genommen. Dieses wird um ein Drittel gekürzt, hat das Präsidialdepartement bekannt gegeben. Es gehe darum, ein «Zeichen der Umweltverträglichkeit» zu setzen und mit der Verkürzung die Feinstaubbelastung zu senken.

Hierzu einige Fakten: Die Belastung durch Feinstaub hat in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Feuerwerke tragen zwar zu mehr Feinstaub bei, dennoch werden die Grenzwerte dadurch, wenn überhaupt, höchstens lokal und zeitlich begrenzt überschritten. Feuerwerke sind darum nur für alte Menschen und solche mit Atemschwierigkeiten ein Problem, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe aufhalten.

Warum es dem Silvesterfeuerwerk trotzdem gerade jetzt an den Kragen geht, ist offensichtlich: Der Grosse Rat hat 2019 den «Klimanotstand» ausgerufen. Zwar weiss man im Präsidialdepartement, dass Feinstaub nichts mit Klimawandel zu tun hat, denn Feinstaub ist ein Luftschadstoff und kein Klimagas. Dennoch sah sich das Departement unter Führung der Grünen Elisabeth Ackermann unter Zugzwang.

Konsequent wäre gewesen, das Feuerwerk – wenn schon – gleich ganz zu verbieten. Doch dazu fehlte beim Präsidialdepartement der Mut. Man fürchtete die Wut von Tausenden begeisterter Zuschauer. So bleibt es bei der Symbolhandlung. Passend zum Zeitgeist.

Alex Reichmuth BaZ-Redaktor

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