Die Klimadebatte erreicht das Basler Feuerwerk

Die Organisatoren in Riehen schauen gespannt auf das Bruderholz, um zu sehen, wie das verkleinerte und ökologischere Feuerwerk bei der Bevölkerung ankommt.

Das Feuerwerk – schön anzusehen, aber eine Feinstaub-Schleuder. Foto: Florian Bärtschiger

Das Feuerwerk – schön anzusehen, aber eine Feinstaub-Schleuder. Foto: Florian Bärtschiger

Martin Regenass

Für viele sind Feuerwerke eine Augenweide und ein Ohrenschmaus und gehören zur Bundesfeier wie die Tanne zu ­Weihnachten. Doch in Zeiten von Klimademonstrationen und Klimanotständen hinterfragen die Veranstalter von Feuerwerken, ob sie mit dieser Tradition brechen oder weitermachen sollen wie bis anhin.

Kritiker monieren, dass Feuerwerke zu viel Feinstaub produzieren und damit die Umwelt arg strapazieren. Die Verantwortlichen des Feuerwerks der Bundesfeier auf dem Bruderholz gehen aus diesem Grund ganz neue Wege. Anstatt das Feuerwerk einzig mit pyrotechnischen Effekten zu bestücken, setzt OK-Präsident Fausi Marti als ergänzende Elemente auf Laser- und Wassereffekte (BaZ berichtete).

Letztes Jahr musste Marti das Feuerwerk auf dem Bruderholz trockenheitsbedingt im letzten Moment absagen. Das habe zu zwei Reaktionen geführt. «Die einen fanden es super, dass es nicht knallt, stinkt und dass die Haustiere nicht darunter leiden. Die anderen sagten, dass das Feuerwerk unbedingt zum 1. August gehört.»

Grundlegend ­bemerke Marti eine höhere Sensibilisierung beim Thema Feuerwerk wegen der Klimadebatte. Das sei früher nicht so gewesen. Ob in Zukunft gänzlich auf pyrotechnische Effekte beim Feuerwerk auf dem Bruderholz ­verzichtet wird, kann Marti nicht sagen. «Vielleicht heisst es plötzlich auch seitens des Kantons, dass Feuerwerke verboten werden. Wir sind völlig offen.»

Feuerwerk in Riehen kürzer

Neugierig schauen auch die Riehener in Richtung Bruderholz. «Wir erwarten diesen Versuch mit Spannung und werden Rücksprache mit den Verantwortlichen nehmen, wie das Feuerwerk bei den Leuten ankam», sagt Steffi Klär, Eventmanagerin der Gemeinde Riehen. Im Sarasinpark wird das Feuerwerk wie letztes Jahr 12 Minuten dauern und mit Musik unterlegt sein.

Klär schliesst nicht aus, dass die Organisatoren der Bundesfeier in Riehen im nächsten Jahr Erfahrungen vom Bruderholz bei der Planung mit einfliessen lassen. Klär: «Das Feuerwerk ist in der jetzigen Form bei der Riehener Bevölkerung sehr beliebt– aber wenn es gute Wege gibt, diese schöne Tradition zeitgemässer zu gestalten, werden wir diese sicher prüfen.» Aus der Bevölkerung hätte es bislang auf jeden Fall keine Stimmen gegeben, die das Feuerwerk abschaffen wollten.

An der Bundesfeier am Rhein, die im Gegensatz zu jener auf dem Bruderholz und in Riehen am Abend vor dem 1. August stattfindet, ändert sich gemäss Manuel Staub, Leiter der Arbeitsgruppe «Bundesfeier am Rhein», nichts gegenüber dem Vorjahr.

Wie gewohnt startet das Feuerwerk um 23 Uhr und wird von den zwei Frachtschiffen Kiesueli und Schwägalp abgefeuert. «Am Feuerwerk halten wir fest und auch an dessen ­Länge von rund 20 Minuten. Es ist für die 100'000 Besucher eine wichtige Sache», sagt Staub.

Dennoch würde das Feuerwerk in der Arbeitsgruppe jedes Jahr von neuem diskutiert. Es sei stets ein Abwägen zwischen der Feinstaubthematik und dem ­öffentlichen Interesse. «Wir ­werden diese Diskussion auch im nächsten Jahr führen», sagt Staub.

Wenig negative Reaktionen

Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standort­marketing beim Präsidial­departement, sagt, dass trotz der Klimadebatten und der Klimathematik nicht mehr kritische Reaktionen gegen das Feuerwerk eingegangen seien als in den letzten Jahren.

Horvath: «Es sind Einzel­stimmen, die sich negativ zum Feuerwerk äussern. Allerdings machen öffentliche und private Feuerwerke in der Schweiz rund zwei Prozent des jährlichen Feinstaubausstosses aus. Daher nehmen wir die Diskussion sehr ernst und sind offen für Veränderungen.»

Zum zweiten Mal kein Feuerwerk mehr startet der Wasserfahrverein Fischer-Club Basel 1884 an seinem Standort beim Waisenhaus. Wie Präsident Pascal Widmer sagt, seien die ­Auflagen der Behörden zu gross geworden, um ein kleines Feuerwerk zu starten. Mit der Klimadiskussion hat das in diesem Fall also nichts zu tun.

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