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Die grosse Vorfreude aufs Sechseläuten

Ab Freitag präsentiert sich Basel als Gastkanton in Zürich. Ein Riesenereignis, vor allem für die Basler Zünfte.

Christian Keller
Historisch peinliche Panne. Als Basel-Stadt 1993 erstmals am Sechseläuten gastierte, stürzte der Böögg, ohne Feuer zu fangen, zu Boden. Screenshots Youtube
Historisch peinliche Panne. Als Basel-Stadt 1993 erstmals am Sechseläuten gastierte, stürzte der Böögg, ohne Feuer zu fangen, zu Boden. Screenshots Youtube

Noch zweimal schlafen, und dann beginnt endlich, worauf sich die Hunderten von Beteiligten seit Wochen freuen wie kleine Kinder: Mit dem Empfang der Basler Regierung im Zürcher Hauptbahnhof wird am Freitag um 16 Uhr das viertägige Sechseläuten seinen Auftakt feiern. Der Höhepunkt folgt dann am Montagnachmittag mit dem «Zug zum Feuer» – oder baslerisch ausgedrückt: dem Cortège – und dem Verbrennen des Bööggs. Basel-Stadt als Gastkanton reist mit einer rekordverdächtig grossen, 470-köpfigen Monster-Delegation an. Was Rang und Namen hat, ist mit dabei.

Es ist nicht verwegen, vorauszusagen, dass der Sechseläuten-Jahrgang 2018 ein ganz besonderer, ja vielleicht sogar legendärer wird. Aber nicht, weil der Böögg wie bei der historischen Panne 1993, als Basel erstmals an der Limmat gastierte, erneut ohne Feuer zu fangen, vom Scheiterhaufen stürzt (man hofft es zumindest). Das einzigartige Merkmal liegt vielmehr im ausserordentlichen Engagement der Basler, die mit ihrem Auftritt beim Erzrivalen ein positives Ausrufezeichen setzen wollen. Es geht um Geschichtsschreibung.

Keinen Aufwand gescheut

Blamierten sich die Luzerner 2014, indem sie ihre Teilnahme als Gastkanton wegen leerer Staatskassen kurzfristig zurückzogen, wird am Rheinknie kein Aufwand gescheut. Die Regierung sprach 280'000 Franken, das Standortmarketing mit Leiterin Sabine Horvath legte sich ins Zeug und auch die Basler Zünfte stiegen hoch motiviert in die Hosen. Sie stehen im Mittelpunkt, handelt es sich beim Sechseläuten doch um einen traditionellen Zunftanlass, organisiert vom Zentralkomitee der Zürcher Zünfte.

«Dass wir nach 25 Jahren wiederum eingeladen wurden, bedeutet für Basel-Stadt nicht nur eine grosse Ehre, sondern auch Verpflichtung. Als Kulturstadt, als die wir uns gerne selbst bezeichnen, haben wir eine makellose Visitenkarte abzugeben», sagt Christoph Streib. Der Meister der Zunft zu Gerbern sitzt im Sechseläuten-OK und ist für alle Zunftbelange verantwortlich. Seit Basel 2016 als Gastkanton auserwählt wurde und die Einladung mit geschwellter Brust annahm, hat er in unzähligen Stunden Fronarbeit an Planung, Organisation und Logistik mitgewirkt. Streib wohnt in Zürich und gehört in Basel als Mitglied des Fünferausschusses zu den höchsten Zünftern.

Hochgeachtete Meister

Dieser Tage, auf der Zielgeraden, ist auch beim gelernten Bank- und Finanzfachmann die Vorfreude riesig: «Das wird ohne Frage ein spezielles Highlight. Es geht uns aber nicht darum, in Zürich zu protzen. Wir wollen uns in einer aufgeschlossenen, traditionellen und freundschaftlichen Verbundenheit präsentieren – mit Stolz und der für uns typischen Zurückhaltung.»

Die Basler Zünfte werden am Sechseläuten-Umzug in ihrer Gesamtheit teilnehmen, was eine spektakuläre Szenerie verspricht: 30 Zunftbanner – alles Originale – an der Spitze, gefolgt von den hochgeachteten Meistern, Ehrengesellschaften, Vorstadtgesellschaften und Korporationen, während das Vereinigte Zunftspiel der Basler Zünfte den Abschluss bildet. Diese Aufstellung innerhalb der Basler Formationen am Sechseläuten-Umzug festzulegen, erforderte von Streib viel Fingerspitzengefühl und «Verständnis für individuelle Ansprüche», wie er es nennt.

Eine Herausforderung stellte ausserdem die beschränkte Teilnehmerzahl dar, die mit dem grossen Interesse innerhalb der Zünfte kollidierte. Mit 470 Mitwirkenden sei das absolute Maximum erreicht. «Mehr geht einfach nicht. Der grosse Andrang und die Vorgaben in Zürich zwangen uns leider, zu reduzieren.» Bei der personellen Zusammenstellung des ebenfalls sehr begehrten Zunftspiels waren laut Streib primär Qualitätskriterien ausschlaggebend. «Am Sechseläuten gilt Marschtempo. Gefragt und gefordert sind deshalb Pfeifer und Trommler, die physisch in der Lage sind, ein konstant hohes Niveau zu halten.»

Viel Lob für Basler Behörden

Ein dickes Kompliment macht der Zunftmeister den Basler Behörden. Diese hätten sich bei den Vorbereitungen mit beeindruckender Professionalität ausgezeichnet. «Die Zusammenarbeit war von Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt. Beim Kanton war immer das Bewusstsein vorhanden, dass es sich um ein Frühjahrsfest der Zünfte handelt und nicht um Standortmarketing oder Selbstdarstellung der Regierung.» Der Einbezug privater Organisationen wie dem Basel Tattoo, das etwa die An- und Abreise der Basler Delegation koordiniert, sei ein kluger Schachzug gewesen.

Auf den 55-jährigen Streib kommen ab Freitag nach Festauftakt intensive Tage und Nächte mit wenig Schlaf zu. Er wird das Sechseläuten, gekleidet in ein Ehrenkostüm, als Ehrengast der Zürcher Zunft zur Gerwe und zur Schuhmachern erleben. Aus diesem Grund läuft er am Montag beim «Zug zum Feuer» nicht im Basler Block mit.

Wie bei allen anderen Basler Zunftmeistern, die bei Zürcher Gesellschaften geladen sind, tritt deshalb ans Streibs Stelle sein Stellvertreter. Man kann sich ungefähr vorstellen, mit welchem administrativen Aufwand die Klärung all dieser Zuteilungsfragen verbunden war. Ein seitenlanges Drehbuch wurde ausgearbeitet, um jedes Detail – Standorte, Zeitverhältnisse, Marschaufstellung – genau zu regeln. «Die Arbeit ist getan, wir sind bereit. Es wird irrsinnig toll», frohlockt Streib.

Die Zeichen, Geschichte zu schreiben, stehen gut.

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