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Die grösste Baustelle der Schweiz

Die SBB und der Kanton Basel-Stadt machen aus dem Wolf-Areal eine Smart City.

Kurt Tschan
Wer hat noch nicht unterschrieben? Alexander Muhm, Andreas Meyer, Elisabeth Ackermann und Hans-Peter Wessels (v.l.).
Wer hat noch nicht unterschrieben? Alexander Muhm, Andreas Meyer, Elisabeth Ackermann und Hans-Peter Wessels (v.l.).
Nicole Pont

Medienschelte ist sonst nicht die Art von SBB-Chef Andreas Meyer. Er zeigte sich gestern Abend aber doch etwas erstaunt, dass der Startschuss für die Entwicklung des Areals Wolf nur von regionalen Pressevertretern beachtet wurde. «Immerhin handelt es sich um das grösste Entwicklungsgebiet der Schweiz», sagte er. Von der gesamten Arealfläche von 160'000 Quadratmetern sollen rund zwei Drittel oder 100'000 Quadratmeter gesamtheitlich «zu einem zukunftsträchtigen Innovationsstandort für Smart-City-Projekte mit Vorbildcharakter werden».

Baudirektor Hans-Peter Wessels sprach von einem Grosspilot, der geeignet sei, die Bedeutung von Smart City erlebbar zu machen. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann schwebt ein offenes Format vor, das Tüftler geradezu einladen soll, ihre Visionen einzubringen.

Die Unterzeichnung der Planungsvereinbarung zwischen dem Kanton und den Schweizerischen Bundesbahnen als Eigentümerin des Areals erfolgte nicht zufällig gestern Abend. Heute und morgen geht im Congress Center der Messe Basel zum zweiten Mal überhaupt die Smart Suisse über die Bühne. Diese versteht sich als Strategiekonferenz mit begleitender Fachausstellung für die erfolgversprechendsten Smart-City-Themen und lockt auch viele internationale Akteure an. Ganz bewusst sollen diese «Auf dem Wolf» eingebunden werden.

Ganz wird die Logistik dort, wo der junge Helmut Hubacher als junger SBB-Angestellter noch mit dem Sackkarren Waren auf die Züge lud, nicht verschwinden. Mit dem Bau des trimodalen Umschlagterminals Gateway Basel Nord werden grosse Teile der bestehenden Logistik-Infrastruktur aber überflüssig, wie Meyer bestätigte. Andere im östlichen Bereich, wie die Umschlags AG Basel – ein Gemeinschaftswerk der Basler Spediteure und der SBB –, sollen bleiben.

Richtung Bahnhof SBB werden neue Wohnungen entstehen, auf der Restfläche sind Gewerbebetriebe willkommen, sagte Alexander Muhm, Leiter Entwicklung bei SBB Immobilien. Diese sind durch die rege, von Meyer angestossene Entwicklungstätigkeit auf den grossen Areal-Flächen äusserst rentabel. «In den letzten zehn Jahren wurden die Mieterträge durch Dritte mehr als verdoppelt», sagte Meyer.

In acht Jahren bezugsbereit

Noch ist ungewiss, was dereinst auf «der grössten zusammenhängenden noch überbaubaren Fläche der Schweiz» (so Meyer) gebaut wird. Klar ist vorderhand nur, dass nach der Auswertung eines Studienauftrags die Entwürfe der Basler Architekten Christ & Gantenbein und der Zürcher EM2N um die Architekten Mathias Müller und Daniel Niggli weiterverfolgt werden. Es gelte, die beiden Ansätze zu kombinieren und zu einem städtebaulichen Konzept mit Entwicklungsplan auszuarbeiten, heisst es beim Kanton und den SBB. Diese Resultate sollen bis Ende Jahr vorliegen und in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Wie es auf dem Wolf-Areal in 15 bis 20 Jahren aussehen wird, weiss selbst Alexander Muhm nicht. «Das ist die Krux», sagte er und verriet dann doch: «Wir wollen Sachen ausprobieren und eine feine Balance finden zwischen digitalen und physischen Elementen. Wir begeben uns auf Entdeckungsreise und sind offen für Ideen.»

Unter anderem könnte das Wolf-Areal zum Hub für die letzte Meile und damit zum Erreichen des Stadtzentrums werden. Klar ist schon jetzt, dass eine S-Bahn-Haltestelle gebaut wird. Die Anbindung mit dem Tram sei bereits jetzt gut, sagte Meyer. «Es ist deshalb vorstellbar, dass dereinst eine Park-and-Ride-Anlage für selbstfahrende Fahrzeuge auf dem Wolf-Areal gebaut wird. Dafür spreche die Nähe zur Autobahn. Die Voraussetzungen für vernetzte Mobilitätssysteme zwischen Strasse und Schienen seien auf dem Wolf-Areal geradezu ideal, schwärmte Meyer. «Kommen sie zustande, dann wäre das der Hammer.»

Läuft alles nach Plan, wird das neue Basler Quartier, Smart City, bereits 2026 in Teilen fertiggestellt sein. Der Baustart ist für 2024 vorgesehen. Für den ehrgeizigen Zeitplan spreche, so Meyer, die partizipative Art der SBB. Man plane nicht an den Anwohnern vorbei, sondern mit ihnen gemeinsam. Friktionen mit der bestehenden Bahninfrastruktur erwartet er nicht.

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