Die Fümoar-Uhr läuft ab

Die libertäre Trotzigkeit des Rauchervereins Fümoar hatte zumindest zu Beginn etwas Sympathisches. Spätestens seit dem gestrigen Gerichtsentscheid ist der Widerstand zum Witz geworden. Ein Kommentar.

Niederlage: Fümoar-Präsident Mario Nanni (r.) und Sekretär Thierry Julliard haben nach dem für sie negativen Gerichtsurteil eine Zigarette nötig.

Niederlage: Fümoar-Präsident Mario Nanni (r.) und Sekretär Thierry Julliard haben nach dem für sie negativen Gerichtsurteil eine Zigarette nötig.

(Bild: Elena Monti)

Es ist eine Niederlage auf der ganzen Linie für Fümoar-Anwalt Thierry Julliard. In keinem einzigen Punkt folgte das Appellationsgericht seinen juristischen Winkelzügen. Das Konstrukt «Fümoar» fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Das Verdikt ist glasklar: Das Vereinsmodell von Fümoar ist illegal. Das Rauchverbot gilt auch in seinen rund 180 Raucher-Lokalen. Das Urteil des höchsten Basler Gerichts ist keine Überraschung. Zu offensichtlich ist das Modell eine Umgehung des strengen Rauchverbots im Basler Gastgewerbe.

Vermutlich weiss das niemand besser als Advokat Julliard. Er schusterte das Vereinsmodell aus dem Bundesgesetz sowie dem kantonalen Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen und dem Vereinsrecht zusammen. Aus allem nahm er nur die willkommenen Puzzleteile, Widersprüche blendete er aus, bis das Ganze irgendwie zu passen schien. Aber es passt eben nicht. Das Gericht liess sich nicht täuschen. Zwei Jahre nach der Einführung des kantonalen Rauchverbots im Gastgewerbe liegt nun endlich ein Gerichtsentscheid vor. Zudem hat die Stimmbevölkerung letztes Jahr bereits zum zweiten Mal das Rauchverbot abgesegnet.

Der Widerstand ist zum Witz geworden

Fümoar allerdings denkt nicht daran, die diversen Entscheide zu respektieren. Der Fall wird bis vor das Bundesgericht gezogen. Dabei geht es längst nicht mehr darum, recht zu bekommen. Das Einzige, was gewonnen wird, ist Zeit. Aber darum ging es wohl von Anfang an – das Rauchverbot hinauszuzögern, die liebgewonnene Rauchtradition noch so lange wie möglich zu pflegen. Diese libertäre Trotzigkeit hatte ja zumindest zu Beginn etwas Sympathisches. Spätestens seit dem gestrigen Gerichtsentscheid ist der Widerstand zum Witz geworden, da er keine Aussicht auf Erfolg hat.

Für Julliard und Vereinspräsident Mario Nanni rechnet sich der Kampf freilich weiterhin. Für den 65-jährigen Advokaten Julliard ist Fümoar ein lukrativer Auftrag, der ihm letztes Jahr 70 000 Franken einbrachte. Auch Präsident Nanni kassierte letztes Jahr für sein Engagement 24'000 Franken. Die Fümoar-Mitgliedschaft hat sich freilich auch für zahlreiche Wirte gelohnt, welche die Umstellung auf rauchfrei so noch hinauszögern konnten. Nach dem klaren Verdikt des Verwaltungsgerichts sollte aber auch ihnen klar sein, dass der spassige Aufstand bald in bitteren Ernst umschlagen wird. Spätestens, wenn ihnen die Behörden wegen Verstössen gegen das Rauchverbot den Entzug der Betriebsbewilligung androhen. Dann geht es um die Existenz der Wirte.

Basler Zeitung

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