Die Extrawurst des Verkaufspersonals

Zehntausende arbeiten regelmässig zu Randzeiten und am Wochenende. Geht es aber um eine leichte Verlängerung der Ladenöffnungszeiten, malen Gegner gleich den Untergang der Familie an die Wand.

Verkäuferinnen an der Ladenkasse. Droht wirklich der Untergang der Familien, wenn die Läden am Samstag zwei Stunden länger offen haben dürfen?

Verkäuferinnen an der Ladenkasse. Droht wirklich der Untergang der Familien, wenn die Läden am Samstag zwei Stunden länger offen haben dürfen?

(Bild: Keystone)

Alexander Müller@mueller_alex

Wir Journalisten arbeiten ja häufig am Wochenende. Zu Recht erwarten unsere Leserinnen und Leser, dass wir zum Beispiel über die Abstimmung zur Verlängerung der Basler Ladenöffnungszeiten vom 3. März berichten. Die sportinteressierte Leserschaft der BaZ freut sich hingegen eher über die Artikel zum FC Basel, der an jenem Sonntag ebenfalls antreten muss. Auch Schiedsrichter, Mitarbeiter an der Ticketkasse im Stadion, Catering-Betreiber, Platzanweiser und die zahlreichen Sicherheitskräfte im und um den St.-Jakob-Park haben bei FCB-Heimspielen kein freies Wochenende.

Polizisten sorgen das ganze Jahr rund um die Uhr in der Stadt für Sicherheit. Und Polizisten braucht es viele, gerade wegen des Schichtbetriebs der Polizei, die nicht nur zu Bürozeiten im Einsatz ist. Das Gleiche gilt für die Feuerwehr. Auch Ärzte und Krankenschwestern sind rund um die Uhr im Einsatz. Zum Glück.

Mobilität ist selbstverständlich

Wenn an einem kalten Winterwochenende die Heizung in der Wohnung aussteigt – was nicht selten vorkommt –, ist jeder froh, dass ein Heizungstechniker auch zu Randzeiten erreichbar ist. Das Gleiche gilt auch für den Winterdienst der Gemeinden oder den Pannenservice der Automobilclubs. Über volle Kirchen freuen sich am Wochenende Pfarrer und Priester aller Konfessionen. Selten haben auch die Bauern der Region ein freies Wochenende, schon gar nicht jene, die Vieh halten. Hunderte Mitarbeiter am EuroAirport sorgen sieben Tage pro Woche bis spätabends dafür, dass wir jederzeit in die Ferien verreisen können.

Um unser Mobilitätsbedürfnis in der Freizeit kümmern sich Bus- und Tramchauffeure, Taxifahrer und nicht zu vergessen die Fährimänner. Wenn die städtische Linke jeweils einen ÖV-Ausbau fordert, ist die zunehmende Arbeitsbelastung des Personals zu Randzeiten nie ein Thema. Unzählige Lokomotivführer und Bahndienstmitarbeiter sorgen zudem dafür, dass wir jederzeit in die Berge fahren können. Für Freizeitsportler ist es selbstverständlich, dass der Betrieb in den Wintersportorten auch am Wochenende läuft.

Schritt längst überfällig

Wer hier bleibt, besucht den Basler Zolli, wo der Betrieb hinter den Kulissen nie ruht, oder ein Schwimmbad, wo Bademeister dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht ertrinken. Köche und Servicepersonal bewirten uns bis spät in den Abend, Barbetreiber meist noch länger. Fast nur abends im Einsatz sind Musiker, an deren Konzerten wir unsere Alltagssorgen vergessen. Unzählige Bedienstete in Kinos, Theatern oder Museen machen die Stadt für Kulturfans zum Genuss.

Zehntausende, die auch am Wochenende für uns arbeiten, machen Basel erst zu jener weltoffenen Stadt, für die sie gerne gehalten wird. Wenn aber der Detailhandel am Samstag die Läden zwei Stunden länger öffnen will, malen Gegner gleich den Untergang der Familie an die Wand. In Wirklichkeit ist dieser Schritt längst überfällig und für eine belebte Stadt wie Basel angemessen.

baz.ch/Newsnet

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