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Die Erfolgsstory des Basler Kunstkredits

In 100 Jahren ist der Kanton Basel-Stadt zu einer eindrücklichen Kunstsammlung gekommen. Werke wurden angekauft, Werkbeiträge ausgerichtet, Projekte unterstützt. Katrin Grögel und Simon Koenig von der Abteilung Kultur über eine Erfolgsstory.

Vernissage zur Ausstellung des Kunstkredits im Kunsthaus Baselland. Besucher bewundern einen Beitrag von Karin Hueber. Foto: Tanja Demarmels
Vernissage zur Ausstellung des Kunstkredits im Kunsthaus Baselland. Besucher bewundern einen Beitrag von Karin Hueber. Foto: Tanja Demarmels

Der Kunstkredit wurde nach dem Ersten Weltkrieg geschaffen. Also in schwierigen Zeiten. Die Idee war, Künstlerinnen und Künstlern unter die Arme zu greifen. Das bewährte sich auch im Zweiten Weltkrieg. Die Zeiten sind derzeit nicht schwer. Weshalb braucht es den Kunstkredit noch?

Katrin Grögel: Den Kunstkredit braucht es wie die Förderung in allen anderen Sparten auch – Tanz, Theater, Literatur und so weiter –, um einerseits Kunstschaffende in einer Phase der Professionalisierung zu unterstützen, also wenn sie anfangen und um Sichtbarkeit ringen, andererseits, um Kontinuität zu sichern. Für bereits etabliertere Kunstschaffende bedeutet die Förderung durch den Kunstkredit, dass ihnen eine Art Freiraum geschaffen werden kann. Sie können dann für eine gewisse Zeit anders arbeiten, intensiver vielleicht. Sie können Projekte realisieren.

Ist es mehr als ein Zustupf?

Grögel: Eine Lebensrente ist es auf ­jeden Fall nicht.

Das war es auch nie?

Grögel: Nein. Es ging immer um zwei Sachen: Die Kunstschaffenden durch Aufträge wie bei «Kunst am Bau», aber auch durch Ankäufe zu unterstützen. Die Sammlung Kunstkredit dokumentiert ja mittlerweile ganz eindrücklich das Kunstschaffen der Region. Mit Werk- und Projektbeiträgen soll es zudem ermöglicht werden, Neues zu schaffen. In einem Gesamthaushalt eines Kunstschaffenden kann so ein Förderbeitrag – egal ob durch uns oder andere – immer nur ein Bestandteil unter mehreren Einnahmequellen sein. Simon Koenig: Geld ist das eine. Es geht vor allem auch um Anerkennung. Wenn ein Werk in die Sammlung Kunstkredit angekauft wird, hat das für die Künstlerin oder den Künstler eine grosse Bedeutung.

Gibt stets die Qualität den Ausschlag? Oder spricht man gelegentlich einen Beitrag, um zu helfen oder zu unterstützen?

Grögel: Das steht nicht gegeneinander. In erster Linie geht es immer um Qualität. Es kann aber gut sein, dass bei zwei gleichwertigen Arbeiten noch andere Faktoren berücksichtigt werden.

Wie viele der mittlerweile rund 5000 Werke, die der Kunstkredit erworben hat, sind sichtbar? Hängen also in Büros oder in öffentlichen Räumen?

Koenig: Die Ausleihquote ist im Schnitt so um die 50 Prozent … Es gibt aber nicht nur die Option Büro oder öffentlicher Raum. Manche Werke sind auch an Ausstellungen ausgeliehen, aktuell hängt ein Werk im Kunsthaus Aarau.

Im Rückblick auf die 100 Jahre und die 5000 Werke: Wie viele echte Schätze sind darunter? Oder anders gefragt: Wie gut waren die Urteile der Juroren?

Koenig: Es ist so divers wie bei jeder anderen Sammlung. Aber eine solche Hierarchie einzuführen, macht aus unserer Perspektive wenig Sinn. Man müsste ja auch noch unterscheiden zwischen Marktwert und der Relevanz in der Kunstgeschichte Basels. Für die Sammlung Kunstkredit sind die 5000 Werke genau richtig, weil sie das Wesen des Basler Kunstschaffens, aber auch die Tätigkeit der Kunstkreditkommission in den letzten 100 Jahren abbildet. Die Vielfalt ist doch vor allem interessant. Diese zu dokumentieren, war immer auch das Ziel des Kunstkredits. Und ja, es hat Werke darunter, die man zu einem Zeitpunkt ankaufen konnte, als dies mit den Mitteln des Kunstkredits noch möglich war. Also zum Beispiel von Meret Oppenheim oder Miriam Cahn.

Dem Künstler ist die Sichtbarkeit seiner Werke wichtig. Wer entscheidet denn, ob ein Werk in einem öffentlich zugänglichen Bereich hängt oder im Büro von Heiri Müller?

Koenig: Das entscheiden die Menschen, die dort arbeiten. Aber Isabel Fluri, unsere Kuratorin, steht immer beratend zur Seite. Sie kann lenken und unterstützen. Beispielsweise wünschte das Zivilgericht beim Bezug der neuen Räume von uns ein Konzept für eine Hängung in den öffentlich zugänglichen Räumen.

Gibt es eine Art Fairnessgebot, damit nach einer gewissen Zeit an einem hochfrequentierten Ort auch wieder mal gewechselt wird?

Grögel: Das gibt es explizit nicht. Aber zum Teil ist es alleine aufgrund der Materialien angezeigt, nach einer gewissen Zeit zu wechseln. Im Eingangsbereich der Einwohnerkontrolle hängt ein Werk von Edit Oderbolz; sehr prominent ausgestellt. Aber es ist auch eine sehr grosse Arbeit, die für diesen Ort geeignet ist. Zuvor war sie allerdings einige Jahre im Depot. Weil es eben nur wenige Orte gibt, an denen sie sich zeigen lässt.

Wie wird die Jury überhaupt auf Werke aufmerksam?

Koenig: Es gibt eine Art Scouting. Zwei Mitglieder der Kommission, begleitet von der Kuratorin Isabel Fluri, nehmen anhand einer Shortlist die Kunstschaffenden quasi unter die Lupe. Sie legen dem Rest der Kommission die gesammelten Materialien – meist Fotos – vor, und in der Ankaufssitzung gibt es dann jeweils eine kurze Präsentation. Es geht um die Qualität, eine Standortbestimmung des Künstlers und die Einschätzung, ob es ein Initial- oder ein Folgekauf sein wird.

Wie entsteht diese Shortlist?

Grögel: Die wird Anfang des Jahres von der Jury festgelegt. Weil die Besetzung der Jury ständig wechselt, gibt es auch immer wieder neue Akzente, weil die Neuen unweigerlich wieder andere Künstler und Künstlerinnen ins Spiel bringen. Und wir legen Wert darauf, dass es in der Jury immer ein, zwei Mitglieder hat, die von auswärts kommen oder auch in anderen Städten aktiv sind. Diese kennen andere Jury-Arbeiten, andere Orte, andere Szenen. Sie können vergleichen und durchbrechen die reine Binnensicht. Koenig: Als Ergänzung: Die ganze Kommission ist natürlich das ganze Jahr über aufmerksam, besucht Ausstellungen, hält die Augen offen!

Die Sammlung ist zweifellos sehr speziell. Sie ist zwar alt und kontinuierlich, aber es steht Ihnen ja nicht frei, Werke zu kaufen, die einen gewissen Preishorizont überschreiten.

Grögel: Das stimmt. Es ist eine Fördersammlung. Und, nicht weniger wichtig, es ist immer eine öffentliche Sammlung gewesen. Ernst Beyeler zum Beispiel hat als Privatsammler angefangen – auch wenn seine Sammlung heute öffentlich ist.

Und doch ist sie eben beschränkt – nach oben. Die Meisterwerke fehlen.

Grögel:Es gibt sehr wichtige Werke, von Niklaus Stöcklin beispielsweise, aber keinen Picasso, das ist richtig. Und wenn Werke des einen oder anderen Basler Künstlers für uns nicht mehr in Reichweite liegen, ist er – oder sie – in vielen anderen Sammlungen dokumentiert, weil der Erfolg sich ja eingestellt hat.

Insofern ist es keine typische Sammlung.

Koenig:Nein, aber eine sehr charmante! Sie ist eigenartig im positiven Sinn. Und dass wir sie jetzt online präsentieren können, macht das Ganze noch viel ­besser.

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