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Der Weihnachtsbaum wurde in der Region Basel erfunden

Vor 500 Jahren stellten die Zünfte im Dreiland die weltweit ersten geschmückten Nadelbäume auf.

Heute nicht mehr wegzudenken: der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz. Foto: Florian Bärtschiger
Heute nicht mehr wegzudenken: der Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz. Foto: Florian Bärtschiger

Nichts symbolisiert Weihnachten mehr als der Weihnachtsbaum. Unmengen von Rot- und Nordmanntannen werden Jahr für Jahr gefällt und enden in den Wohnzimmern der Welt. Allein in der Schweiz sind es rund 1,4 Millionen Bäume pro Jahr.

Woher kommt aber der mittlerweile universelle Brauch? Angeblich hat er uralte Wurzeln, ­älter als das Christentum, das mit Weihnachten die Geburt Jesu begeht. Schon in prähistorischer Zeit sollen die Menschen um die Wintersonnenwende herum immergrüne Bäume verehrt, geschmückt und dabei Lichter angezündet haben. Damit hätten sie sich in der dunkelsten Zeit des Jahres versichert, dass die Finsternis vertrieben werde und mit dem ergrünenden Frühling wieder Licht, Wärme und Leben kommen würden.

Zu Ehren des Sonnengotts

Tausend Jahre später, in der Antike, ehrten dann die Anhänger des Mithras-Kults zur Wintersonnenwende durch das Schmücken eines Baums den Sonnengott Sol Invictus. Im Norden wurden Tannenzweige ins Haus gehängt, um böse Wintergeister abzuwehren. Immergrüne Bäume bedeuteten Neuanfang und Wiederbeginn. An diese Botschaft schloss das Christentum an, alsdie römische Kirche um das Jahr354 herum die Geburt Christi auf den 25. Dezember festlegte und so das Datum für Weihnachten endgültig fixierte.

Es ging aber noch tausend Jahre, bis der Weihnachtsbaum auftauchte. Zum ersten Mal belegt ist er 1419 in Freiburg im Breisgau. Um 1500 wettert ein Strassburger Pfarrer gegen den angeblich heidnischen Baum-Brauch. Die Ablehnung des Weihnachtsbaums aus religiösen Gründen nützte aber nichts: Er begann erst so richtig seinen Siegeszug im Dreiland und darüber hinaus.

Von 1521 stammt ein Eintrag über die Kosten eines Weihnachtsbaums im Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt. 1527 istdort wiederum von einem «Weiennachtbaum» die Rede. 1539 wird im Strassburger Münster ein geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt. Schliesslich finden sich Mitte des 16.Jahrhunderts in elsässischen Zunftbüchern Belege für Weihnachtsbäume.

1605 scheint in Strassburg der Brauch, Tannenbäume aufzustellen und zu schmücken, schon allgemein verbreitet gewesen zu sein, genau wie im nahen Basel. Hier ist der Brauch schriftlich aber erstmals Ende des 16. Jahrhunderts belegt, wie Jean Roger Rebmann auf «altbasel.ch» unter Verweis auf den Volkskundler Theo Gantner schreibt. So hätten 1597 Basler Schneidergesellen einen mit Äpfeln und Käse geschmückten immergrünen Baum herumgetragen, um danach in ihrer Unterkunft die Äpfel und den Käse zu essen. Jahrhundertelang blieben Weihnachtsbäume Sache der Zünfte.

Den Royals nachgemacht

Erst im 19. Jahrhundert schaffte der Baum den Einzug in die Privathäuser der Bürger. So sind Christbäume in Basler Stuben für 1813 bezeugt, als, trotz der durch die napoleonischen Kriege und den Durchzug alliierter Truppen ausgelöste Not, am Weihnachtsbrauch festgehalten wurde.

Für 1820 berichtet Pfarrer Immanuel Stockmeyer, wie seine Stiefmutter ihn als Kind nachts aus dem Bett holte, um ihm als Überraschung den erleuchteten Weihnachtsbaum zu zeigen. Der berühmte Basler Kulturhistoriker Jacob Burckhardt hat als Kind um 1825 ebenfalls erlebt, dass am Weihnachtsmorgen der geschmückte Baum vor seinem Bett aufleuchtete.

1844 wurde schliesslich im Zunfthaus zu Gartnern in der Gerbergasse der erste öffentliche Basler Weihnachtsbaum aufgestellt. Das Publikum war begeistert, der Weihnachtsbaum damit endgültig angekommen. So richtig populär wurde er aber erst via Umweg über Grossbritannien. Dorthin hatte ihn um 1840 Prinz Albert von Sachsen-Coburg, der deutsche Ehemann der britischen Königin Victoria, importiert. Die Monarchin und ihr Mann brachen höfisches Protokoll und zelebrierten Häuslichkeit, indem sie sich wie eine bürgerliche Familie im Kreise ihrer Kinder rund um den Weihnachtsbaum abbilden liessen.

Weihnachtsbäume überall

Damit hielt der Weihnachtsbaum Einzug in alle Schichten. Mit Auswanderern gelangte der Weihnachtsbaum dann in die USA. Dort nahm sich dann Hollywood des Baum-Brauchs an.

Christmas, Santa Claus und Weihnachtsbaum wurden Teil des American Dream samt den weihnächtlichen Evergreens, die uns auch in diesem Jahr schon seit Oktober von überallher entgegenhallen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Weihnachtsbaum dann weltweit exportiert. 500 Jahre nach seiner Erfindung in der ­Region Basel wurde der Weihnachtsbaum damit zu einem ­globalen Phänomen, auch in nichtchristlich geprägten Gesellschaften und Kulturen.

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