Der Turm des Anstosses

Um den Rosentalturm ist ein Streit entbrannt. Die Linke will der Messe vorschreiben, eine grosse Zahl gemeinnütziger Wohnungen in ihr Projekt zu intergrieren.

  • loading indicator
Franziska Laur

Es ist alt, und es ist marode: Das Messe-Parkhaus muss dringend saniert werden. Da sich eine Renovation nicht lohnt, wird um ein Neubauprojekt mit unterirdischen Parkplätzen, Quartiertreff, Hotel und Wohnungen gerungen. Die Linken verlangen, dass 40 Prozent der rund 200 neu zu erstellenden Wohnungen im gemeinnützigen Rahmen gebaut werden müssen.

Diese Auseinandersetzung fand schon in der Bau- und Raumplanungskommission (BRK) statt, wie gestern im Grossen Rat offensichtlich wurde. «Wir haben versucht, einen Kompromiss zu erreichen», sagte Jeremy Stephenson (LDP), Präsident der BRK.

Gelungen ist es, jedoch nur unter Ächzen und Stöhnen. Die Linken setzten sich durch, schliesslich sitzen sieben von ihnen und nur sechs der Bürgerlichen in der BRK. Doch nicht mal der SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels war von diesem Kompromiss begeistert. Denn die Messe Basel, die Baurechtsnehmerin ist, gab deutlich zu verstehen, dass sie mit dieser 40-Prozent-Klausel kaum Investoren finden werde.

So hob Wessels gestern im Parlament den Mahnfinger: Wenn man bei der 40-Prozent-Quote nicht einen Kompromiss finden würde, bleibe das jetzige, hässliche Parkhaus unter Umständen noch Jahrzehnte stehen. Er plädierte für Rückweisung an die Kommission, damit sichere Daten gesammelt werden können, wie viel Gemeinnutz es in diesem Fall verträgt. «Es geht um 200 Wohnungen, und es ist erheblich, ob Basel diese bekommt oder nicht.»

Um Kompromiss gerungen

Die Linken plädierten jedoch auf Eintreten. Schliesslich hätten die Kommissionsmitglieder lange um einen Kompromiss gerungen. Sie hätten die alten Rosskastanien erhalten wollen, die Bürgerlichen jedoch fanden, man können nicht auf Wohnungen verzichten wegen elf Bäumen. So wurde ausgemacht, dass doppelt so viele junge Ersatzbäume gepflanzt werden sollten. Ausserdem soll ein Teil der Fassade des Neubaus begrünt werden.

Thomas Grossenbacher vom Grünen Bündnis erklärte allerdings, dass junge Bäume nie alte, schattenspendende Baumriesen ersetzen könnten. Auch die Anzahl Parkplätze und Fahrten gab zu reden. Die Linken wollten sie reduzieren, die Bürgerlichen erhöhen. Der Kompromiss der Kommission sieht vor, dass maximal 1143 Abstellplätze für Personenwagen zulässig sind.

Die Messe Basel hat vor fünf Jahren eine Testplanung eingeleitet, aus der der Rosentalturm resultierte. Die Sozialdemokraten wie auch der Basler Heimatschutz ärgerten sich damals mächtig darüber. Doch gestern im Parlament zeigte René Brigger (SP) als Einzelsprecher ein Schlupfloch auf: «Wir können ja darüber diskutieren, ob es 30 oder 40 Prozent an gemeinnützigem Wohnungsbau braucht.»

Zu hoffen ist, dass man das in der Kommission jetzt auch so sieht. Denn die Parlamentarier schickten das Projekt Neubau Rosentalturm mit 58 zu 33 Stimmen zur Überarbeitung an die Bau- und Verkehrskommission zurück.

Einig war man sich im Parlament, dass das bestehende Parkhaus durch ein neues Projekt ersetzt werden soll.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt