Der Riese mit besonderen Fähigkeiten

An der Basler Automesse sind in diesem Jahr einige aussergewöhnliche Fahrzeuge zu sehen. Sie stehen für eine Lebensrealität, die den meisten Baslern ziemlich fern ist.

Diesen RAM 1500 Limited mit Luftfederung und Vollausstattung gibt es an der Auto Basel für 79800 Franken zu kaufen. Foto: Dominik Plüss

Diesen RAM 1500 Limited mit Luftfederung und Vollausstattung gibt es an der Auto Basel für 79800 Franken zu kaufen. Foto: Dominik Plüss

Alexander Müller@mueller_alex

Die Zeiten sind für Automessen derzeit schwierig. Die Frankfurter IAA beispielsweise musste sich in dieser Woche mit Protesten von Klimaaktivisten herumschlagen, die die Medienaufmerksamkeit von der eigentlichen Messe ablenkten. Ähnliches ist an der Basler Automesse, die am Freitag ihre Tore für das Publikum eröffnet, nicht zu erwarten. Dennoch hat die Messe auf den politischen Zeitgeist reagiert: Etwas verschämt wurde die Messe in «Auto/Mobil Basel» umbenannt und der Fokus auf alternative Antriebsformen erweitert. An der Messe wird auch das Trend-Thema Drohnen bewirtschaftet: Es findet ein Lauf der Schweizer Meisterschaft der Drohnenpiloten statt.

Im Zentrum der diesjährigen Messe, die unter dem Motto «Die Faszination ist ungebrochen» veranstaltet wird, steht aber nach wie vor eines: Autos. Trotz einer Sonderausstellung mit 15vollelektrischen Fahrzeugen dürften die Herzen der Autofans eher beiden PS-starken Ver­tretern derherkömmlichen Antriebs­technologie höherschlagen. Die regionalen Garagen zeigen ihre aktuellen Verkaufsschlager und Neuheiten im Automarkt.

In einer eigenen Liga

Etwas Besonderes ist der erstmalige Basler Messeauftritt der Marken RAM und Dodge am Stand von der Firma Auto Technik Birsfelden. Die Firma ist seit zwölfJahren spezialisiert auf hierzulande exotische Automarken aus den USA. Die beiden Inhaber Christoph Fringeli und Sascha Sutter importieren und verkaufen Fahrzeuge von Chevrolet, Cadillac, aber auch Dodge und RAM.

RAM ist die ausgelagerte Nutzfahrzeugsparte von Dodge und bekannt für leistungsstarke Arbeitstiere. «Full-Size Pickup Truck» heisst diese Fahrzeugklasse im Herkunftsland selbstbewusst. Alle anderen sind halbe Portionen. In der beliebtesten Version werden die Trucks mit einem rund 400 PS starken V8-Motor verkauft und sind gebaut für das Transportieren grosser Ladungen und das Ziehen schwerer Anhänger. Der Zweieinhalbtönner schleppt einen 3,5-Tonnen-Anhänger mühelos eine steile Passstrasse hoch. Kein Wunder: Gebaut ist das Fahrzeug für wesentlich anspruchsvollere Aufgaben. «Der RAM kann mit einer prüfbaren Druckluftbremse nachgerüstet werden und hat dann eine Anhängelast von 6 Tonnen», sagt Fringeli. Fahren darf man das dann fast 9 Tonnen schwere Gespann mit dem normalen Führerschein. Mit diesem Leistungsausweis spielen RAM und die Full-Size Pickups der amerikanischen Konkurrenz in einer eigenen Liga.

Auch der SUV von Dodge, den Fringeli an seinem Messestand zeigt, lässt den grössten Teil der europäischen und asiatischen Konkurrenz mit einer Anhängelast in diesem Punkt hinter sich. Der über fünf Meter lange und 481 PS starke Durango SRT zieht ebenfalls mühelos einen 3500 Kilogramm schweren Anhänger. Nur eine Handvoll anderer «normaler» Autos sind dazu überhaupt in der Lage. Die meisten Autos müssen bei deutlich geringeren Lasten am Haken bereits die Felgen strecken.

Auch Basler fahren RAM

Pickup Trucks sind im Trend. Laut Auto Schweiz, der Vereinigung Schweizer Automobil-­Generalimporteure, wurden hierzulande im letzten Jahr rund 4000 dieser Nutzfahrzeuge verkauft. 2015 waren es noch 3000. Von RAM werden in der Schweiz pro Jahr mehrere Hundert Fahrzeuge verkauft – einige davon auch an Kunden im Kanton Basel-­Stadt.

Die US-Car-Szene in der Schweiz ist eine Welt, über die die meisten Baslerinnen und Basler wenig wissen. Im aargauischen und bernischen Mittelland gibt es einige der grössten Autohändler der Schweiz, die auf den Import amerikanischer Fahrzeuge spezialisiert sind. Auf einer Fläche von mehreren Fussballfeldern stehen bei diesen Händlern Dutzende Full-Size ­Pickups dicht an dicht, daneben unzählige Muscle-Cars von Dodge, Ford oder Chevrolet.

Besitzer von Autos der Marken Dodge und RAM pflegen einen besonderen Zusammenhalt. Sie grüssen sich beim Kreuzen auf der Strasse. Via Social Media organisieren sie regelmässig gemeinsame Ausfahrten an US-Car-Treffen. Dann fahren Dutzende RAM, Durangos, Chargers und weitere Dodges im Konvoi durch die Schweiz.

«Dodge-Besitzer sind tolle Leute», sagt Fringeli. Sorgen bezüglich negativer Reaktionen an der Messe wegen seiner aussergewöhnlichen Fahrzeuge macht er sich nicht – seit er gesehen hat, was an den übrigen Ständen gezeigt wird. Tatsächlich ist die Messehalle voll von PS-starken SUV aller Marken.

Ford testet Elektro-Pickup

Die CO2-Diskussion geht auch an den Zugpferden amerikanischer Mobilität nicht spurlos vorbei: RAM, Chevrolet und Ford haben längst die Entwicklung von Pick-ups mit Hybrid-Antrieb angekündigt. Ford hat kürzlich ein Video veröffentlicht, in dem der Prototyp eines vollelektrischen F-150, der meistverkaufte Pick-up in den USA, 10 voll beladene Eisenbahnwaggons zieht.

Auto/Mobil Basel 2019, 13.–15. September, Messe Basel, Halle 2. Eintritt frei.

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