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«Der Kreis mit möglichen Angesteckten multipliziert sich»

Eine Mitarbeiterin einer Kindertagesstätte aus Riehen wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Sie könnte viele weitere Personen angesteckt haben, heisst es beim Gesundheitsdepartement.

Stuft der Kanton Basel-Stadt die Lage neu ein? Ein Isolationszimmer im Universitätsspital Basel.
Stuft der Kanton Basel-Stadt die Lage neu ein? Ein Isolationszimmer im Universitätsspital Basel.
Pino Covino

«Es geht ihr den Umständen entsprechend gut», teilt das Basler Gesundheitsdepartement (GD) zur ersten Coronavirus-Infizierten in Basel mit. Bei der Frau handelt es sich um eine Kita-Mitarbeiterin, die mit einem jungen Mann zusammen in Mailand war. Der 23-Jährige stammt aus dem Kanton Basel-Landschaft und befindet sich in gutem Gesundheitszustand, wie die dortigen Behörden am Freitag mitteilten. In ­beiden Fällen ist der Referenztest des Genfer Labors noch ausstehend.

Das Gesundheitsdepartement wusste seit Donnerstagnachmittag definitiv Bescheid über die erste Basler Corona-Patientin. Dieser Umstand könnte mitunter der Grund sein, weshalb das GD die angekündigte Information zum Coronavirus und seinen Einfluss auf die bevorstehende Fasnacht von Donnerstag auf den Freitag verschoben hat. Anne Tschudin, Pressesprecherin des GD, bestätigt dies auf Anfrage allerdings nicht.

Mit den ersten beiden bestätigten Fällen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fasnacht abgesagt werden könnte. Es wäre das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg.

100 angemeldete Kinder

Doch die Fasnacht dürfte in diesem Fall das geringere Problem sein. Die Patientin arbeitet in einer Kindertagesstätte mit rund 100 angemeldeten Kindern. «Aufgrund der aktuellen Ferien war nur ein Teil der Kinder in der Kindertagesstätte anwesend und hatte engeren Kontakt mit der nun positiv getesteten Betreuerin», schreibt das Gesundheitsdepartement in einer Mitteilung.

Die Kinder, die von der erkrankten Kita-Mitarbeiterin betreut wurden, müssen nun für zwei Wochen in Quarantäne. Man stehe deshalb in engem Kontakt mit den Eltern, sagt Tschudin der BaZ: «Die Eltern werden informiert, damit sie den ­Vorfall einordnen können und damit sie wissen, was zu tun ist, wenn bei ihrem Kind und/oder ihnen Symptome auftreten.» Neben den Kindern sind auch deren Geschwister, Eltern und alle anderen Personen, die mit ihnen in Kontakt waren, möglicherweise von einer Ansteckung mit dem Coronavirus gefährdet.

Der Basler Pandemieplan

Was heisst das für die Betroffenen, und wie viele Personen könnten sich mit dem Virus angesteckt haben?

Tschudin sagt: «Unsere Spezialisten sind daran, sich einen Überblick zu verschaffen. Wir befinden uns in der Kontaktabklärungsphase. Aber klar, der Kreis mit möglichen Personen, die sich angesteckt haben könnten, multipliziert sich.» Das Gesundheitsdepartement sei daran, Leute «abzutelefonieren», die mit der Frau oder den Kindern in Kontakt waren. Ob die Geschwister und Eltern nun auch in Quarantäne sind, dazu sagt Tschudin ausweichend: «Unsere Sozial­mediziner sind daran, den Eltern zu erläutern, wie sie das umsetzen müssen und was das genau heisst.» Bei den Erwachsenen ist demnach die Lage nicht ganz so einfach, schliesslich müssten diese einkaufen oder arbeiten gehen.

Für solche Fälle mit Influenza­viren wie dem Coronavirus hat der Kanton einen Pandemieplan. Gemäss dem Papier müssen ­Personen, die in Kontakt mit der infizierten Frau waren – dazu ­gehört auch das medizinische Personal – möglicherweise in Quarantäne. Solche Absonderungsmassnahmen können in der Regel zu Hause durchgeführt werden.

Macht Quarantäne Sinn?

Eine Quarantäne im Spital ist gemäss Pandemieplan erst dann notwendig, wenn die Unterbringung zu Hause zwecks effektiver Verhütung einer Weiterverbreitung der Krankheit nicht ausreicht oder nicht möglich ist. Im Pandemieplan des Kantons heisst es allerdings, dass Quarantänemassnahmen sehr kosten- und personalintensiv seien und bei einer möglichen Pandemieentwicklung auch nur von begrenztem Nutzen seien. Der Sinn und Zweck von Quarantänemassnahmen sei deshalb situativ abzuwägen.

Der Pandemieplan sieht drei Entwicklungsphasen vor. Die normale Lage, die besondere Lage und die ausserordentliche Lage. Am Mittwoch bezeichnete das Gesundheitsdepartement die Lage noch als normal. Ob die Lage neu als besonders eingestuft wird, dazu nimmt Tschudin im Gespräch mit der BaZ keine Stellung. Das Gesundheitsdepartement werde am Freitag ab 12 Uhr informieren. Eine besondere Lage könnte einerseits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausrufen oder die Basler Behörden. Eine besondere Lage trtitt gemäss Pandemieplan dann ein, wenn die Behörden nicht mehr in der Lage sind, den Ausbruch und die Verbreitung übertragbarer Krankheiten zu verhüten und zu bekämpfen und damit eine besondere Gefährdung der öffentlichen Gesundheit oder eine schwerwiegende Auswirkung auf die Wirtschaft oder andere Lebensbereiche besteht.

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