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Der Kampf um Platz 3

Die Chance auf einen weiteren Sitz in Bundesbern war bei den Genossen schon lange nicht mehr so gut wie diesen Herbst. Der dritte Platz ist hochbegehrt innerhalb der Partei.

Gut für mindestens zwei Nationalratsmandate: Sarah Wyss, Mustafa Atici, Beat Jans, Kerstin Wenk und Silvia Schenker (v. l.).
Gut für mindestens zwei Nationalratsmandate: Sarah Wyss, Mustafa Atici, Beat Jans, Kerstin Wenk und Silvia Schenker (v. l.).
Archiv BaZ

Auf den ersten Blick müsste bei den Sozialdemokraten im Hinblick auf die nationalen Wahlen schon fast Langeweile ausbrechen. Anita Fetz würde wohl selbst dann mit einem Glanzresultat als Ständerätin bestätigt, wenn sie sich ab sofort für drei Monate in die Ferien verabschieden würde. Auch die zwei Nationalratsmandate der SP sind kaum gefährdet. Dagegen wackeln die Sitze von Markus Lehmann (CVP), Daniel Stolz (FDP) und Sebastian Frehner (SVP). Vor allem das CVP-Mandat steht im Fokus der Linken. Lehmann hatte den Sitz vor vier Jahren durch geschickte Listenverbindungen von den Grünen abgeluchst.

Die Linken können im Wahlherbst in Basel voll auf die Karte Angriff setzen. «Wir geben alles für einen dritten Sitz, weil wir gute Kandidierende haben», sagt Parteipräsidentin Brigitte Hollinger. «Das wird ein wahnsinnig intensiver Wahlkampf. Die Motivation ist bei allen da», sagt auch Nationalrätin Silvia Schenker. Und tatsächlich könnte es mit ein paar Stimmenprozenten mehr und ein wenig Glück durchaus klappen. Offen wäre dann allerdings noch die Frage, ob dieser innerhalb der Listenverbindung den Grünen zufällt oder ob die Genossen künftig zu dritt nach Bern fahren. «Das Wichtigste ist, dass der Sitz wieder ans rot-grüne Lager zurückgeht und die offene und urbane Seite Basels in Bern besser vertreten wird», sagt Nationalrat Beat Jans.

Die Chance nachzurücken

Die Aussicht auf ein zusätzliches Mandat macht bei der SP auch den parteiinternen Wahlkampf so spannend wie bei keiner anderen Partei. Klar ist: Die beiden Bisherigen Beat Jans und Silvia Schenker dürften ihre Sitze verteidigen. Beide sind parteiintern breit abgestützt und haben sich in Bern in ihren Dossiers einen guten Ruf erarbeitet.

Für einmal birgt aber auch der dritte Platz sehr interessante Perspektiven. Selbst wenn es mit dem zusätzlichen Sitz für die SP nicht klappen sollte, gibt es noch ein weiteres Szenario. Silvia Schenker hat mittlerweile zwölf Jahre in Bundesbern auf dem Buckel. Damit hätte sie nach der parteiinternen Amtszeitbeschränkung eigentlich aufhören müssen. Diese kann aber bei einer Nominationsversammlung mit einem Zweidrittelsmehr ausgehebelt werden, was sowohl Schenker wie auch Fetz problemlos gelang.

Trotzdem kursiert innerhalb der SP bereits jetzt das Szenario, dass Silvia Schenker in der zweiten Hälfte der kommenden Legislatur zurücktreten wird und einer frischen Kraft Platz macht. Diese könnte dann 2019 mit dem Bisherigen-Bonus antreten. Zur Erinnerung: Auch der amtierende Nationalrat Beat Jans ist als Drittplatzierter in den Nationalrat nachgerückt, nachdem Rudolf Rechsteiner im Mai 2010 seinen Rücktritt erklärte. Dem Vernehmen nach hat sich Rechsteiner damals mit dem Entscheid schwer getan und fällte ihn erst nach langem Zureden. Eineinhalb Jahre später wurde Jans mit dem besten Ergebnis aller Kandidierenden bestätigt.

Atici in der Poleposition

Entsprechend engagiert wird innerhalb der SP um den dritten Platz gekämpft. Die besten Aussichten hat wohl Mustafa Atici. Der 46-Jährige hat auch Sympathisanten in der politischen Mitte und in bürgerlichen Kreisen. Atici ist bereits vor vier Jahren angetreten und belegte damals hinter Beat Jans und Silvia Schenker den dritten Platz – allerdings mit fast 6000 Stimmen Rückstand. Ein weiteres Indiz für seine Favoritenrolle sind die Grossratswahlen vor drei Jahren. Alle drei jetzigen «Nachrück-Spekulanten» Mustafa Atici, Kerstin Wenk und Sarah Wyss, kandidierten damals im Wahlbezirk Kleinbasel. Atici holte von zehn Kandidaten mit 3760 Stimmen das beste Resultat. Wenk (3304 Stimmen) und Wyss (2957 Stimmen) belegten listenintern die Plätze fünf und acht.

Auch in der SP geniesst Atici grossen Rückhalt: «Er ist bei Migranten sehr populär und wird sicher nochmals zulegen», sagt Beat Jans. «Es gibt im Bundes­parlament keinen richtigen Migranten. Atici wäre eine grosse Chance.» Doch auch Sarah Wyss und Kerstin Wenk seien sehr engagiert und für eine Überraschung gut. Auch SP-Fraktionsprä­sident Stephan Luethi macht sich für den kurdischstämmigen Politiker stark: «Ich setze mich für Mustafa Atici, als Politiker mit Migrationshintergrund, besonders ein. Diese Leute, die sich seit Jahrzehnten in unserer Gesellschaft einbringen, müssen auch im Parlament vertreten sein.» Diese Unterstützung spreche aber nicht gegen Sarah Wyss und Kerstin Wenk, so Luethi.

Wyss hat mittlerweile als eine der Ersten auch einen eigenen aktiven Wahlkampf gestartet. So verteilte sie am Rheinufer Glace und startete Anfang Juli – 100 Tage vor den Wahlen – eine Social-Media-Kampagne. Jeden Tag postet sie ein neues Foto von einem ihrer Unterstützer, der in einem Satz erklärt, warum er ihr die Stimme gibt. Kerstin Wenk hat zuletzt mit der Petition «Für ein lebendiges Basel!» des Vereins Kulturstadt Jetzt für Aufsehen gesorgt. Zudem dürfte die Gewerkschaftssekretärin viele Stimmen bei den organisierten Arbeitnehmern holen.

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