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Der halbe Rücktritt des Willi Gerster

Der Bankratspräsident der Kantonalbank, Willi Gerster (SP), will seinen Nachfolger bestimmen. Er hat seinen Rücktritt nicht mit der Partei abgesprochen und sieht die Neubesetzung nicht als politisches Geschäft. Das irritiert die Parlamentarier.

Am Dienstagabend informierte die Basler Kantonalbank (BKB) über den Rücktritt von Bankrats-Präsident Willi Gerster. Oder den Teilrücktritt. Zwar tritt Gerster vom obersten Amt zurück. Doch Konzernpräsident will er weitere zwei Jahre bleiben, und wann er das Präsidium der BKB-Tochter Bank Coop abgibt, weiss er noch nicht. Dafür weiss er, wer ihn ersetzen soll: Gerster empfiehlt die Wahl von Andreas Albrecht (LDP), der bereits als Vizepräsident eng mit der Konzernleitung zusammenarbeite.

Die Empfehlung überrascht, denn die Wahl ist Sache des Grossen Rats, und dieser ist bisher stets nach politischen Kriterien vorgegangen. Der Bankrat wird nach Proporz zusammengestellt, der Präsident direkt vom Parlament gewählt.

Kontinuität

Doch Gerster – selbst über die Politik zum Job gekommen – will keine politische Wahl, keinen Parteienschacher. Den Bankratspräsidenten könne man nicht einfach so politisch aushandeln, sagt er. «Herr Albrecht war vier Jahre lang im Konzernausschuss des Bankrats. Es wäre nicht gut, jemanden zu wählen, der nicht so nahe dabei gewesen ist.» Gerster will auf Kontinuität setzen, will einen Bruch verhindern. «Wenn da einfach einer von aussen käme, beinhaltete das grosse personelle Risiken.» Mit seiner Partei hat er sich nicht abgesprochen. SP-Präsident Thomas Baerlocher sagt, Gerster habe ihn vor seinem Entscheid nicht kontaktiert.

Die Reaktionen auf den Rücktritt tönen überall ähnlich. Der Rücktritt habe nicht erstaunt, sagt Jürg Stöcklin (Grünes Bündnis). «Überrascht bin ich darüber, dass Gerster quasi seinen Nachfolger nominiert und dass er damit offenbar sogar seine eigene Partei überrascht hat.» Christophe Haller (FDP) hält Andreas Albrecht zwar für einen guten Kandidaten, staunt aber darüber, dass Gerster ihn einfach so vorschlägt.

«Ziemlich seltsam»

Deutliche Worte wählt BastA!-Präsident Urs Müller: «Es ist schon ziemlich seltsam, dass bei einer demokratisch kontrollierten Bank der Präsident seinen Nachfolger vorschlägt.» Das gehe vielleicht bei der UBS, nicht aber bei einer Kantonalbank, findet Müller.

Zur Rochade im Bankrat kommt es auf jeden Fall, wenn dieser im Februar neu gewählt wird. Christoph Brutschin (SP) geht in die Regierung und muss sein Amt als Bankrat aufgeben. Zwar ist noch unklar, ob die SP ihre vier Sitze halten kann, doch mit dem Abgang von Gerster hat sie auf jeden Fall ein Mandat zu besetzen. Auch die SVP braucht einen neuen Bankrat. Den jetzt fraktionslosen Kurt Bachmann werde man nicht mehr aufstellen, sagt Vizepräsident Sebastian Frehner.

Und so wird bereits über eine Alternative zu Albrecht spekuliert: Ralph Lewin (SP), der pünktlich zur Bankrats-Wahl das Amt als Regierungsrat abgibt. Lewin wäre ein «valabler Kandidat», findet SP-Präsident Baerlocher. Gegenüber der BaZ will sich Lewin noch nicht auf eine Kandidatur festlegen. «Die Wahl ist erst im Februar», betont er. «Bis dahin ist noch Zeit.»

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