Der grosse Regen an der Fête des Vignerons

Das schlechte Wetter macht dem Gastauftritt von Basel und Jura in Vevey kaum einen Strich durch die Rechnung.

Die Fifres et Tambours de Bâle auf der Parade am Ufer des Genfersees. Foto: Jean-Claude Durgniat (Fête des Vignerons)

Die Fifres et Tambours de Bâle auf der Parade am Ufer des Genfersees. Foto: Jean-Claude Durgniat (Fête des Vignerons)

Dominik Heitz

Regen. Nichts als Regen. Die Kantone Basel-Stadt und Baselland, Jura und Glarus hatten an ihrem Gastauftritt an der Fête des Vignerons in Vevey wettermässig einen miserablen Tag erwischt. Das Städtchen am Genfersee war eine einzige grosse Pfütze. Der See schlug hohe Wellen. Wolkenverhangener, grauer Himmel. Und statt Sonnenhüte waren überall tropfend nasse Pelerinen und Regenschirme in den Gassen zu sehen.

Doch die Gäste aus Basel liessen sich nicht viel anmerken. ­Einige, etwa Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, waren tags zuvor schon angereist, ­andere wie Regierungsrat Hans-Peter Wessels und Landrats­präsident Peter Riebli hatten am Sonntag den um 5.59 Uhr in ­Basel gestarteten Zug Richtung Genfersee bestiegen. Der Regen klatschte an die Fenster. Zweimal musste umgestiegen werden.

Punkt 8.30 Uhr nahmen fröhlich gekleidete Festivalakteure und die Fifres et Tambours de Bâle die Gäste der Gastkantone am Bahnhof in Empfang und führten sie hinunter zum See auf die extra für das Winzerfest errichteten Terrassen der Confrérie.

Es war ein Stelldichein der mehr als nur lokalen Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur, denn unter ihnen befanden sich auch der Staatssekretär Roberto Balzaretti und Paul Seger, der Schweizer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland.

Kaffee, Gipfeli, Reden

Zum morgendlichen Kaffee gab es süsse Brötchen, Gipfeli sowie Reden von Elisabeth Ackermann und Regierungsrat Isaac Reber.

Auch Juras Regierungspräsident Jacques Gerber sprach – und der Glarner Landammann Andrea Bettiga, der als Einziger nicht nur frei und erfrischend kurz, sondern auch noch gut Französisch redete. Und mit seinem Schlusssatz «Das Buffet ist eröffnet» indirekt andeutete, dass nun der Reden genug gehalten seien.

Immer wieder verschoben

Der Regen – er bestimmte an diesem Tag uneingeschränkt das Programm. Nachdem am Freitag schon die Teilnahme der Maschinenskulptur Klamauk von Jean Tinguely an der Parade abgesagt worden war, gab es auch sonst Änderungen. Das gut zweieinhalbstündige «Spectacle» in der Arena, das eigentlich um 11 Uhr hätte stattfinden sollen, wurde wegen des unablässigen Regens von den Entscheidungsträgern zuerst auf 13.30, dann auf 14.30 und kurze Zeit später auf 15.30 Uhr verschoben. Die Übergabe einer von Christoph Knöll gemalten Steckenlaterne als Geschenk an die Confrérie durch Elisabeth Ackermann war da bereits aus dem Programm gestrichen worden.

Der Bannerträger Basil Ullrich an der Spitze der Parade, die vielversprechend beginnt, sich letztlich aber als recht bescheiden erweist.

Diese Verschiebungen und Korrekturen gaben den Besuchern wenigstens Gelegenheit, am Quai Perdonnet die Juba-Bar anzusteuern und Weinspezialitäten aus Riehen und dem Jura zu probieren. Unweit davon lief ein Unterhaltungsprogramm über die Bühne, in dem sich unter anderem das 1. Frauen-Jodel-Chörli Basel, die Streetdance-Gruppe Tremendous und die Mumol-Dixie Stompers vorstellten. Und auf der Bühne im Jardin du Rivage trat die junge Jazzformation Infinite Limbs Kollektiv des Basler Jazzcampus ebenso auf wie etwa der jurassische Akkordeonspieler Jérôme Courbat und die jurassische Pop-Rock-Band Carrousel.

«Santé – santé – santé!»

Im Jahr 2016 hatte die Unesco die Fête des Vignerons auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt. Ein Jahr später war die Basler Fasnacht an der Reihe. So stellte dann das Fasnachts-Comité – wie schon am Sächsilüüte vor einem Jahr in Zürich – auch an der Fête des Vignerons dieses alte Brauchtum in einer kleinen Ausstellung vor und animierte Besucher, sich in Kostüm und Larve fotografieren zu lassen.

Doch deswegen sollten die schlechten Nachrichten an diesem Tag trotzdem nicht abreissen. Gerade als es im Caveau des Cent Suisses hoch zu- und herging, Flasche um Flasche Weisswein über die Theke geschoben wurde und immer wieder gruppenweise der Ausruf «Santé – sante – santé!» von den Wänden hallte, informierten die Organisatoren, dass das «Spectacle» in der Arena erneut verschoben sei. Am Ende wurde es der Witterungsbedingungen wegen gar ganz gestrichen.

Da half als Trost nur noch eine saftige Aprikosenwähe in den rappelvollen Restaurants du Rivage, wo Akteure ihre sonst in der Arena gesungenen Lieder erschallen liessen.

Bescheidene Parade

Der einzige Programmpunkt der am Nachmittag keine Änderung erfuhr, war die Parade unter dem Motto «Jura & Bâle-Ville – Carnaval et plus encore!» mit rund 250 Teilnehmern. Leider hielt dieser als gross angekündigte Cortège nicht, was er versprach.

Der Auftakt mit den rassig auftretenden Fifres et Tambours de Bâle und den beiden Fahnenträgern war vielversprechend, doch erwies er sich letztlich nicht nur als recht bescheiden, sondern in seinem Ablauf auch als schlecht organisiert.

Flammendes Kulturgut: Die Baselbieter demonstrieren nach 22 Uhr den «Chienbäse».

Dafür war der «Chienbäse», den die Liestaler nach Vevey brachten, umso eindrücklicher. Während die Arena still und leer dalag – es hatte inzwischen aufgehört zu regnen –, demonstrierten die Baselbieter nach 22 Uhr das flammende Kulturgut in zwei Kontermärschen.

Da brauchte es anschliessend einige kalte Getränke, um sich abzukühlen. Das war in Vevey nicht schwierig. Überall hatten zwischen Seeufer und der Rue de Lausanne noch Bars, Restaurants und Keller geöffnet.

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