Zum Hauptinhalt springen

Der grosse Durst der Bäume

Die anhaltende Trockenheit und Wärme wirken sich auf die Gesundheit des Basler Baumbestands aus.

Immer mehr Basler Bäume werfen wegen der anhaltenden Trockenheit ihr Laub ab. Die Stadtgärtnerei versucht,vor allem junge Bäume mit viel Wasser zu unterstützen. Emanuel Trueb erklärt die Situation. Video: Mischa Hauswirth

Die Pappeln am Birsköpfli habens gut: Ihnen können Trockenheit und warme Temperaturen nichts anhaben. Sie versorgen sich im Rhein mit Wasser. Gegenüber am Bord sieht die Situation schon anders aus. Wenn die Wurzeln nicht bis ins Grundwasser reichen, ist die Erde so ausgetrocknet, dass sie keinen Tropfen Wasser mehr enthält. «Die Bäume kennen als letzte Überlebensstrategie gegen die Trockenheit den vorzeitigen Laubabwurf», sagt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel, beim Totentanz und zeigt auf eine Gruppe von Linden. «Diese Bäume sollten um diese Jahreszeit eigentlich in sattem Grün dastehen. Doch es ist gut zu sehen, dass sie mit der Wasserknappheit kämpfen. Besonders die jüngeren sehen schütter aus.»

Ein Baum kann mehrere Hundert Liter Wasser pro Tag verdunsten. Wenn der Boden an gewissen Stellen so ausgetrocknet sei wie jetzt, wirke sich das auf die Gesundheit der Bäume aus, sagt Trueb. «Die meisten Bäume stehen unter Stress und haben aufgehört zu wachsen. Bei einigen sind Totholzbildung und Astabwürfe zu beobachten, vereinzelt kommt es auch zu Rissen in den Stämmen. Es ist eine ausserordentliche Situation.»

Rosskastanien sind gezeichnet

Beim Rundgang, den die BaZ exklusiv mit dem obersten Stadtgärtner am Montagabend durch die Stadt unternehmen konnte, findet Trueb überall Folgen der Trockenheit. Es sei ein Extremereignis, so Trueb, doch es seien auch Unterschiede sichtbar: «Einige Baumarten wie die Zürgelbäume bei der Schifflände sehen noch ganz wacker aus, während die Bäume auf dem Münsterhügel eher schwächeln.» Das hat etwas mit ihrer erhöhten Lage zu tun und dass an ihren Standorten so gut wie keine Feuchtigkeit mehr im Boden ist. Erstaunlich gut allerdings halten sich die Blutbuchen, während die normale Buche stark unter dem Wassermangel zu leiden hat.

Die Trockenheit hat zur Folge, dass Baummonumente wie die altehrwürdige Sommerlinde beim Schulhaus zur Mücke in der Krone vereinzelt Totholz bilden – für Trueb eine deutliche Reaktion auf den Durst der Bäume.

Die Auswirkungen der trockenen Witterung treffen nicht alle Bäume gleich. Baumarten wie die Krim-Linden auf dem Rümelinsplatz etwa, die etwas besser mit der Trockenheit zurande kommen, sind weniger gezeichnet als die Rosskastanien auf dem Theaterplatz. Diese würden ein «bitteres Bild» abgeben, so Trueb. Sie haben bereits braun-rot verfärbte Blätter und erinnern an den Herbst. «Die Rosskastanie ist ein Baum, der in den vergangenen Jahren viele Probleme gemacht hat. Es sind vermehrt Schädlinge wie die Miniermotte aufgetreten oder die Blattkrankheit Mehltau», sagt Trueb. Er sieht für diese Baumart deshalb in der Stadt keine Zukunft. «Sie kommt mit den heissen und trockenen Sommern in dieser Region nicht gut zurecht und dürfte durch andere wie etwa die Steineiche ersetzt werden», so Trueb.

Für den obersten Stadtgärtner ist dieses Extremereignis aber auch eine Chance, wie er sagt. «Wir können schauen, welche Baumarten sich wo am besten halten können.» Es gibt aber auch schöne Phänomene zu beobachten. Am Blumenrain, gegenüber dem Hotel Trois Rois, blüht zum ersten Mal in Basel eine Kreppmyrte – als Folge des Mittelmeerklimas.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch