Der Einflüsterer

Grüne kritisieren die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, weil sich ihr Gatte Werner Baumann in ihre Geschäfte einmischt.

First Gentleman. Werner Baumann leitete während 13 Jahren, von 2001 bis Mitte 2014, als Rektor das Gymnasium Oberwil.

First Gentleman. Werner Baumann leitete während 13 Jahren, von 2001 bis Mitte 2014, als Rektor das Gymnasium Oberwil.

(Bild: Michael Koller)

Serkan Abrecht

Das erste Amtsjahr hat die Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) bald hinter sich. Für Ackermann war es kein leichter Start. Als erste Amtspflicht erlegte sie sich eine 100-Tage-Schweigepflicht auf, während sich Anfragen an ihr Präsidialdepartement (PD) häuften. Presse und Politiker fragten sich: Wo ist die Museumsstrategie? Was macht das PD mit rechtsextremen Türken an einem Runden Tisch der Religionen?

Als Ackermann nach dem Ende ihrer Schweigepflicht vor die Presse trat, wird ihr Auftritt nach allen Regeln der Kunst zerrissen: «Fahrig» und «verschüchtert» sei sie gewesen, kommentieren Basler Journalisten.

Auch bei ihren Parteimitgliedern verliert die Regierungspräsidentin im ersten Amtsjahr an Rückendeckung. Die BaZ berichtete im letzten Sommer von einer Krisensitzung, die die Grünen abhielten. So wurde gesagt, dass die Regierungspräsidentin wegen der kritisierten öffentlichen Auftritte ein Coaching benötige. Als persönliche Coaches wurden die Grünen Mirjam Ballmer, Jürg Stöcklin, Guy Morin und Harald Friedl genannt. Ausserdem – und dies dürfte brisant sein – fiel bald einmal der Name Werner Baumann, pensionierter Rektor des Gymnasiums Oberwil und Ehemann von Elisabeth Ackermann.

Am nächsten Tag traf auf der Redaktion ein Brief der Grünen Basel-Stadt ein mit dem Titel «Richtigstellung». Die Parteileitung forderte, dass das Schreiben in der nächsten Ausgabe vollumfänglich abgedruckt werden sollte. Gekennzeichnet: die Parteileitung mit Barbara Wegmann, Thomas Grossenbacher, Michael Wüthrich.

Scharf formuliert

Der Brief war auffallend scharf formuliert. So schrieb die angebliche Parteileitung in der Einleitung: «In einem durchwegs tendenziös formulierten Artikel versucht Serkan Abrecht mithilfe von Falschaussagen zu suggerieren, es gebe in der Grünen Partei eine starke Kritik an ihrer Regierungspräsidentin (...). Diese Aussage ist falsch.» Die Redaktion willigte ein, das Schreiben abzudrucken, doch kurz vor Redaktionsschluss zog Barbara Wegmann die «Richtigstellung» zurück – ohne Begründung.

Der Grund für ihren Rückzug ist mittlerweile bekannt: Der Brief stammte keineswegs, wie die Unterschriften weismachen sollten, von der Parteileitung, sondern von Ackermanns Ehemann. Das berichten mehrere Personen aus der Partei und dem PD. Mit Baumanns Intervention konfrontiert, schreibt Wegmann auf Anfrage: «Er war einer von mehreren Leuten, die mitgewirkt haben.» Baumann ist aber weder in der Parteileitung noch im Vorstand, noch in der Fraktion. Trotzdem setzt er unter sein Schreiben die Unterschriften von anderen Grossräten, ohne dass diese im Vorfeld davon wussten.

«Ich habe dieses Schreiben nicht verfasst», sagt Grossrat Thomas Grossenbacher. «Ich war damals sehr überrascht über die parteiinterne Dynamik, die dieser Artikel ausgelöst hat.» Trotzdem habe der Grünen-Grossrat nach einer kurzen Bedenkpause beschlossen, den Brief nicht zu signieren.

Wusste er, dass das Schreiben aus Baumanns Feder stammte? «Bei meinen Nachfragen zur Autorenschaft wurde sein Name als Co-Autor erwähnt. Zudem war Barbara Wegmann zu dieser Zeit krank und unser Co-Parteipräsident, wie auch unser Parteisekretär, in den Ferien.» Michael Wüthrich war ebenfalls nicht Verfasser des Schreibens, er war zu dieser Zeit in den Ferien. «Ich habe die Richtigstellung jedoch unterstützt.» Dass Baumann hinter dem Brief steckte, wusste er nicht. «Auch wenn er der Verfasser ist, ist das nicht weiter schlimm. Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn andere Parteimitglieder oder der Parteisekretär politische Mitteilungen verfassen.»

Langjähriges Grünen-Mitglied

Auch dass Baumann, befangen durch seine Ehe mit der Regierungspräsidentin, im politischen Diskurs mitmische, sei gemäss Wüthrich nicht verwerflich. Dass Gatte Werner Baumann seine Aufgabe als «First Gentleman» sehr aktiv wahrnimmt, berichteten mehrere Quellen schon seit Ackermanns Amtsantritt. Der Pensionär würde sich in die Angelegenheiten der Regierungsrätin einmischen. Wenn ihr beispielsweise Fragen von Mitarbeitern gestellt würden, sehe sich Baumann dazu berufen, für seine Gattin zu antworten. Gemäss der Basellandschaftlichen Zeitung, die ebenfalls über seine Rolle als «First Gentleman» berichtete, werde er in der Basler Politikszene bereits der «achte Regierungsrat» genannt. Erst seit dem Bekanntwerden seiner Intervention auf der Redaktion kann die BaZ belegen, dass er tatsächlich Einfluss in politische Geschäfte nimmt. Wie Parteimitglieder berichten, haben einige Grüne bei einer Vorstandssitzung die Einflussnahme von Werner Baumann kritisiert – angesprochen wurde auch sein Schreiben an die BaZ im Namen der Partei.

Elisabeth Ackermann bestreitet, dass ihr Mann Einfluss genommen habe. Angesprochen auf die «Richtigstellung» schreibt sie: «Werner Baumann ist langjähriges Mitglied der Grünen Partei Basel-Stadt und so wurden auch seine Anregungen und Inputs aufgenommen.» Von seiner Intervention in diesem Fall habe sie gewusst. Sie konstatiert jedoch, dass ihr Gatte weder auf politische noch auf strategische oder gar auf administrative Entscheide des Präsidialdepartements einen Einfluss habe.

Basler Zeitung

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