Die Messe kämpft um ihr Überleben

Das Eigenkapital der Messe ist massiv geschrumpft. Nun will der neue Messe-Chef die Basler Messehallen verscherbeln. Regierungsrat Christoph Brutschin winkt ab – vorerst.

Der Niedergang der Muba, die in diesem Jahr das letzte Mal stattfand ist sinnbildlich für die Schieflage der MCH Group.

Der Niedergang der Muba, die in diesem Jahr das letzte Mal stattfand ist sinnbildlich für die Schieflage der MCH Group.

(Bild: Pino Covino)

Kurt Tschan

Die MCH Group kämpft um ihr Überleben. Zwischen 2017 und 2018 ist das Eigenkapital von 233,7 auf 56,9 Millionen Franken geschrumpft. Und auch das laufende Jahr verspricht nichts ­Gutes. Der neue CEO Bernd Stadlwieser erwartet einen weiteren Abschreiber. Es werden zusätzliche Restrukturierungskosten anfallen und ein neuerlicher Verlust aus operativer Tätigkeit, sagte er letzte Woche bei seinem ersten öffentlichen Auftritt. Stadlwieser schwebt deshalb eine Messe light vor. Vor allem von den Hallen, die durchschnittlich nur zu 25 Prozent genutzt sind, will er sich lieber heute als morgen trennen. Gerne verweist er auf die weltgrössten Anbieter von Messen, etwa auf die britischen Reed ­Exhibitions oder Informa, die überhaupt keine Hallen besitzen. ­Weniger Ballast bedeutet weniger Fixkosten und mehr Flexibilität. Stadlwieser schweben Roadshows vor, wo Werbeinhalte von Ort zu Ort wandern.

Auch wenn es um Werke von weltbekannten Architekten wie Herzog & de Meuron geht, die ­Erbauer der modernsten Basler Hallen, erstarrt Stadlwieser nicht in Ehrfurcht. In Basel habe man zwar eine super Infrastruktur, sagte er letzten Donnerstag, als er sich zum ersten Mal der ­Öffentlichkeit präsentierte. «Wir müssen aber schauen, was die beste Lösung ist, um für die ­Anlagen eine attraktive Wertschöpfung zu behalten», sagte er. Stadlwieser, der global denkt, wenn er über die Zukunft der Messe Basel spricht, schweben Live-Marketing-Lösungen vor. Sogenannte B2B-Messen, die auf den Fachhandel fokussiert sind, will er ergänzen mit schlag­kräftigen und werbewirksamen Promotionen. Warum nicht zusammen mit Netflix Interessierte zu einer «Bird Box Challenge» in Doppeldeckerbussen einladen. Dabei werden Interessierten wie im Film die Augen verbunden.

Kanton ist Baurechtsgeber

Für den basel-städtischen Vorsteher des Departements für Wirtschaft und Soziales, Christoph Brutschin, haben Hallenverkäufe aktuell keine Priorität. «Da der Strategieprozess im ­Verwaltungsrat noch nicht abgeschlossen ist, liegen dem Regierungsrat auch keine diesbezüglichen Anfragen oder Anträge vor», schreibt er auf Anfrage dieser Zeitung. Der Regierungsrat habe deshalb zu diesem Thema noch keine Stellung genommen. Brutschin stellt klar, dass der Kanton Basel-Stadt Baurechtsgeber ist. «Für den Fall einer Veräusserung hätte er ein Vorkaufsrecht.» Unter diesen Voraussetzungen dürfte die MCH Group nicht einen hohen Marktpreis erzielen, sondern auf einen Käufer stossen, der als grösster Aktionär (33,5 Prozent) kein Interesse daran haben dürfte, Managementfehler teuer zu belohnen.

Da Stadlwieser, der den Konzern aktuell durch das amerikanische Beratungsunternehmen McKinsey auf Herz und Nieren prüfen lässt, bereits Anfang 2020 Resultate sehen will, wirkt der Kanton an vorderster Front an der Neuausrichtung der MCH Group mit. Gemäss Brutschin ­definiert der Verwaltungsrat ­aktuell das künftige Geschäftsmodell, aber auch die Strategie und die Organisationsstruktur. In diesem Zusammenhang, so Brutschin, werden auch die Fragen, die die Eigentümerschaft betreffen, aber auch die Nutzung und der Betrieb der Messe- und der Kongressinfrastrukturen unter die Lupe genommen.

Riesige Flächen

Für den Kanton steht das Er­zielen einer Dividende gemäss seinen Aussagen zwar «im Hintergrund». Langsam drohen dem Kanton aber die Felle davonzuschwimmen. Brutschin bestätigt, dass sich der Wert der Aktie nur noch 15 Prozent über dem Anschaffungswert befindet, mit welchem die MCH-Aktien im basel-städtischen Anlagevermögen ­geführt werden. Für die Zukunft wünscht und erwartet Brutschin deshalb «die Konsolidierung der aktuellen Messeaktivitäten mit schrittweise verstärkten Aktivitäten bei neuen Messeprodukten». Dies sei auch die Stossrichtung von Stadlwieder, hält er fest.

Das Immobilienportfolio der MCH Group ist bedeutend. Es umfasst die Messe Basel mit den Hallen 1 bis 5, das Congress Center sowie das Musical-Theater. Hinzu kommt ein Betriebsgebäude an der Isteinerstrasse, wie Messe-Sprecher Christian Jecker bestätigt.

In Zürich betrifft es die Messe Zürich mit den Hallen 1 bis 9 sowie das Theater 11, hinzu kommt ein Betriebsgebäude von Expomobilia in Effretikon. Zwei unterschiedliche Lösungen für Basel und Zürich hält Jecker für «wohl kaum sinnvoll».

SVP droht mit Referendum

Die Unterschutzstellung der ­Halle 2 (Rundhof-Gebäude mit der grossen Uhr) spielt gemäss Jeckers Aussagen auf die künf­tige Nutzung – unter welcher Eigentümerschaft und bei welcher Betriebsorganisation auch immer – sicher eine Rolle. Da es im Moment erst um Grundsatzfragen in Bezug auf künftige ­Modelle gehe, sei es schwierig abzuschätzen, «wo und wie stark der Denkmalschutz allfällige Veränderungen erschweren würde». Neuvermietungen im Sinne von Umnutzungen stünden im Moment eher im Hintergrund, da die Hallen «ja trotz allem von uns gebraucht werden», wie Jecker sagt.

Inzwischen erhöht sich der politische Druck auf die MCH Group. Die SVP Basel-Stadt kritisiert etwa, dass die noch rund 570 Mitarbeitenden «die Misswirtschaft ausbaden, für die das ehemalige Management der MCH Group, Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer sowie der Verwaltungsrat mit den beiden SP-Kantonsvertretern Eva Herzog und Christoph Brutschin ­verantwortlich sind und Hun­derte Millionen Volksvermögen ­vernichteten».

Für die SVP ist inzwischen klar, dass die Messehallen nicht verstaatlicht werden sollen und die MCH Group mit Steuergeldern gerettet werden muss. Die Partei gibt zu bedenken, dass die MCH Group für ihren Neubau ein nicht rückzahlbares, zinsloses Darlehen in der Höhe von 70 Millionen Franken sowie Kredite über 115 Millionen Franken aus der Basler Steuerkasse erhalten hat. Weil der Basler Steuer­zahler letztlich doppelt für die Messehallen bezahlen würde, will die Partei «nötigenfalls das Referendum gegen ein solches Vorhaben ergreifen, denn es gibt für die SVP unter keinen Umständen einen Rückkauf der Messehallen mit Steuergeldern».

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