Der Balz Club tanzt alle aus

Innerhalb weniger Wochen hat der Balz Club das Basler Nachtleben von hinten aufgerollt. Bald wird sogar die ehemalige Bar über dem Steinenbachgässlein wiedereröffnet. Auf den Spuren eines Phänomens.

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Die Macher des Balz Clubs haben gut lachen: Der Auftakt zur Event­reihe «Comedy im Balz» war ein voller Erfolg. Die Wortakrobaten David Bröckelmann und Laurin Buser sowie Moderator Joël von Mutzenbecher überzeugten vor ausverkauftem Haus. Spezialgast und Publikumsmagnet war Vujo Gavric, bekannt als Bachelor aus der gleichnamigen TV-Show. «Viele kamen wohl, um Vujo grandios scheitern zu sehen, aber er schlug sich wacker», sagt Balz-Mitinhaber Valentin Aschwanden.

Der erfolgreiche Comedy-Abend markiert ein weiteres Kapitel in der Balz-Geschichte: Zum ersten Mal war der Club im Steinenbachgässlein auch an einem Mittwochabend offen – 180 vorwiegend weibliche Comedy-Fans sorgten für ein ausverkauftes Haus. Ohne Bestuhlung passen in den Keller, in dem früher Wasserpfeifen gepafft wurden, noch etwas mehr Nachtschwärmer. Wie viel Durchlauf pro Abend generiert wird, ist Geschäftsgeheimnis. Lange Warteschlangen und eine strenge Selektion beim Einlass sind jedoch am späteren Abend die Regel. Seit der Eröffnung im September 2013 ist das Lokal jedes Wochenende von Donnerstag bis Samstag gestossen voll. Ein Phänomen.

Durchmischtes Publikum, begeisterte DJs

«In Basel brauchte es wieder genau so einen Club», sagt DJ Bazooka, einer der namhaftesten Party-Rocker der Stadt. Das Lokal habe eine wunderbare Einrichtung und eine tolle Sound-Anlage, dazu komme die ideale Lage und ein gutes Programm. «Das Publikum ist gut durchmischt und musikalisch offen – es macht Spass, an einem Ort aufzulegen, an dem die Gäste nicht DJ Antoine wünschen», findet Bazooka, der regelmässig im Balz Club hinter den Plattenspielern steht. Noch nie im Balz war DJ Montes von den Goldfinger Brothers, Basels bekanntestem DJ-Duo. Dennoch sagt er: «Ich finde super, was das Balz-Team macht – der Club ist der einzige Ort in der Steinenvorstadt, an dem vernünftige Musik läuft und in dem ich verkehren würde.»

Und wie erklären die Clubbetreiber den anhaltenden Erfolg? «Wir sind eher alternativ ausgerichtet und wollen uns vom Steinen-Pulk abheben – das ist Teil unseres Erfolgsrezepts», sagt Balz-Macher Valentin Aschwanden. Dass kein Eintritt verlangt wird, dürfte den Zuspruch zusätzlich ankurbeln. «Warum sollen wir den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, wenn die Rechnung für uns auch so aufgeht?», argumentiert Aschwanden. In seinen Augen sind die Eintrittspreise einiger Clubs völlig übertrieben.

Gratis-Eintritt polarisiert

Im Balz soll man spontan auf einen Drink vorbeikommen können, ohne gleich tief ins Portemonnaie greifen zu müssen. Dass sich das Trendlokal mit seinem Gratis-Einlass nicht nur Freunde macht, weiss auch Aschwanden: «Jeder Club hat seine eigene Philosophie – und wir fahren niemandem direkt an den Karren.» Der nächstgelegene Alternativ-Club ist die Kuppel auf der anderen Seite des Heuwaage-Viadukts. Dort betrachtet man den Balz-Boom relativ entspannt: «Mit Konkurrenz muss man leben können, das gehört zum Business. Ich bin kein Fan von Gratis-Konzepten – aber ein neuer Club kann das Nachtleben in der Umgebung natürlich auch beleben», sagt Steffi Klär, Programmleiterin der Kuppel. Das beste Beispiel einer solchen Aufwertung ist der Garage-Club, der tanzfreudiges Publikum in das Bermuda-Dreieck mit dem Restaurant Acqua und der Kuppel lockt. «Die Eröffnung eines neuen Clubs spürt man meistens», sagt Klär. Mit der Zeit pendle sich die Situation aber wieder ein.

Im Februar kommt das «Baltazar»

Bis jetzt ist die Balz-Saga eine einzige Erfolgsgeschichte. Sogar das vermeintliche Ende der Bar im vergangenen Sommer erweist sich jetzt als Glücksfall: Im Juni 2013 musste die beliebte Bar nach zweijähriger Zwischennutzung das Lokal an der Treppe über dem Steinenbachgässlein räumen. In einer Hauruck-Aktion zügelten die Betreiber die stilvolle Brocki-Einrichtung ins leer stehende Erdgeschoss desselben Gebäudes – dort war die neue Bar zwar wesentlich kleiner, dafür kam der grosse Club im Untergeschoss dazu. Dieser wurde im Herbst nach umfassender Renovation eröffnet.

In der Zwischenzeit hatten die Hauseigentümer aber beschlossen, dass die ehemaligen Räume der Balz Bar doch nicht zu Wohnzwecken zu nutzen. So kommt es, dass Ende Februar mit dem «Baltazar» eine weitere Bar dazustösst – und zwar genau dort, wo alles begann. Inklusive der beliebten Dachterrasse. Das auf Drinks und Spirituosen spezialisierte neue Lokal soll etwas gediegener werden als die Bar, in der eine Handvoll Studenten vor über zweieinhalb Jahren eine Zwischennutzung in Angriff nahm.

«Das eine führte zum anderen», sagt Aschwanden über das rasche Anwachsen der Balz-Gruppe, zu der seit Anfang 2013 auch die «Jägerhalle» an der Erlenstrasse gehört. Inzwischen hat der Balz-Betreiber sein Psychologie-Studium abgeschlossen und – trotz 25-köpfigem Team – alle Hände voll zu tun. Mit dem Balz Club, der «Jägerhalle» und dem «Baltazar» wird Aschwanden in Jahresfrist drei Lokale eröffnet haben. «Meine Freundin hat mir vorerst verboten, etwas Neues zu eröffnen», sagt der 29-Jährige lachend. Die Zeit wird zeigen, ob er sich daran halten kann.

baz.ch/Newsnet

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