Der Bahnhof-Westflügel erhält mehr Licht

In zwei Jahren soll das 84-Millionen-Projekt der SBB abgeschlossen sein.

Neue Verkaufsfläche für die Migros. Mit 300 Stahlpfeilern muss der neue Raum im Untergrund noch gestützt werden. 2020 wird die Migros die 4000 Quadratmeter als Verkaufsfläche einrichten.

Neue Verkaufsfläche für die Migros. Mit 300 Stahlpfeilern muss der neue Raum im Untergrund noch gestützt werden. 2020 wird die Migros die 4000 Quadratmeter als Verkaufsfläche einrichten.

(Bild: Kostas Maros)

Düster, eng, öde: So liess sich der bisherige Westflügel des Bahnhofs SBB umschreiben. Die Umbauarbeiten sollen das ändern, sagte Marc Brunkhorst, Projektleiter der Baustelle, gestern an einer Führung für die Medien. Unter dem Perron 4 und dem Quergang zwischen Schalterhalle und französischem Zoll haben Bauarbeiter ein gigantisches Loch gegraben. Dort wird ein neues Untergeschoss mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern für die Migros entstehen. Die Arbeiten seien aufwendig und heikel gewesen, da man teilweise nur fünf Meter neben der Gleisachse arbeiten musste, erklärte Brunkhorst.

Schon steht die Halle, auch wenn die Zwischendecke noch von 300 Stahlpfeilern gestützt wird, von denen jeder einzelne eine Last von 20 bis 25 Tonnen tragen muss. Es ist kostbare Last, denn obendrauf befindet sich der 1907 erbaute Westflügel, Teil des grössten Grenzbahnhofs Europas. Der Bau mit neobarocken Elementen wurde zwischen 1905 und 1907 von Emil Faesch und Emanuel La Roche erbaut. Damals gehörte der neue Bahnhof zu den ersten grossen Bauwerken der SBB.

Berühmt für seine Bahnhofbuffets

Seine ausserordentliche Länge erhielt der Bahnhof durch den angebauten Flügel der SNCF mit Zollanlage für den internationalen Umsteigeverkehr. Dort auf der Nordwestseite befanden sich auch die Restaurants verschiedenster Klassen. Der Basler Bahnhof war damals berühmt für seine Bahnhofbuffets. Doch die der ersten und zweiten Klasse wurden eingestellt und der Migros als Verkaufsfläche übergeben. Das Restaurant der dritten Klasse, ein imposanter Saal übrigens, wurde zur Brasserie.

Jetzt ist alles eine grosse Baustelle. Die Migros hat ein Provisorium in der Schalterhalle bekommen. In zwei Jahren wird der Grossverteiler seine 4000 Quadratmeter grosse Fläche im Untergrund beziehen können und auch oben noch Verkaufsfläche erhalten. Dann werden auch die von der Candrian-Gruppe betriebene Brasserie sowie kleinere Verkaufsläden wieder eröffnen.

Die Bauarbeiten sind nicht ganz einfach. «Wir haben eigentlich gedacht, der Westflügel sei sauber durchgebaut», sagte Architekt Oliver Menzi. Doch dem war nicht so, die alte Bausubstanz war nicht homogen. Neben Bruchsteinen stiessen die Bauteams auch auf Wände, die aus Backsteinen erstellt worden sind. Es gibt gar Bereiche, die wegen der schlechten Bausubstanz abgerissen und neu aufgebaut werden müssen.

Denkmalschutz begleitet Umbau

Der Westflügel ist denkmalgeschützt. Der Mittelgang, der Elsässersaal, die Brasserie und die Nebenräume müssen also fachgerecht restauriert werden. So wurden die riesigen grossen Wandgemälde, darunter solche von Ernst Hodel junior, in der Brasserie vor dem Baubeginn gut gepolstert und vor Schäden geschützt, die kleineren Bilder abmontiert und eingelagert. Auch die Holztäferung wurde abgenommen und zur Seite gelegt. Nach dem Umbau soll alles wieder an seinen Platz kommen.

In den bis anhin düsteren Westflügel soll mehr Licht strömen. Die Bauteams werden die Halle SNCF, also den Elsässersaal, von den Zollbauten befreien und im Aussenbereich einen Zollpavillon erstellen. Im Mittelgang wird die Zwischendecke entfernt, sodass auch dieser Bereich luftiger und lichter wirken wird.

Die SBB werden alles in allem rund 84 Millionen Franken investiert haben. Das Ziel bezüglich Eröffnung ist ambitioniert. «Wir werden versuchen, auf Ende 2020 zu eröffnen. Sicher wird es jedoch im ersten Quartal 2021 soweit sein», sagte Brunkhorst.

Basler Zeitung

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