Zum Hauptinhalt springen

«Das Schlagwort Neubau ist verführerisch»

Die St. Jakobshalle neu zu bauen würde das Doppelte einer Sanierung kosten und einige Jahre Verzögerung verursachen. Die Basler Regierung warb daher kurz vor der Behandlung im Grossen Rat erneut für die Sanierung.

So sah die St. Jakobshalle vor rund 40 Jahren aus: Die Bauarbeiten zur Mehrzweckhalle begannen am 16. November 1970. Fünf Jahre später wurde die Halle eröffnet.
So sah die St. Jakobshalle vor rund 40 Jahren aus: Die Bauarbeiten zur Mehrzweckhalle begannen am 16. November 1970. Fünf Jahre später wurde die Halle eröffnet.
stjakobshalle.ch
Beton und Baugerüste: Blick ins Innere der Baustelle. Segnet der Grosse Rat kommende Woche den Projektierungskredit ab, könnte hier nach den Swiss Indoors 2014 bis etwa 2017 wieder eine Grossbaustelle entstehen.
Beton und Baugerüste: Blick ins Innere der Baustelle. Segnet der Grosse Rat kommende Woche den Projektierungskredit ab, könnte hier nach den Swiss Indoors 2014 bis etwa 2017 wieder eine Grossbaustelle entstehen.
stjakobshalle.ch
Schwimmbecken, Tennisplätze und zwei Hallen: Das Gelände um die St. Jakobshalle aus der Vogelperspektive.
Schwimmbecken, Tennisplätze und zwei Hallen: Das Gelände um die St. Jakobshalle aus der Vogelperspektive.
Erich Meyer
1 / 7

Nein, eine Schoko-Torte in Form der neuen St. Jakobshalle wurde heute morgen nicht präsentiert, wie das ein Journalist an der Medienkonferenz mit dem Motto «Sanierung versus Neubau» gerne gesehen hätte. Auch die Faktenlage blieb nach der Präsentation Sanierungspläne diesen Januar weitgehend unverändert: Die Basler Regierung möchte die veraltete Halle bei einer Kapazität von 9'000 bis 10'000 Plätzen für rund 86 Millionen Franken sanieren, einen Neubau lehnt sie ab. Warum also laden Baudirektor Hans-Peter Wessels und Erziehungsdirektor Christoph Eymann zur Pressekonferenz?

Der Grund liegt bei der Bau- und Raumplanungskommission (BRK) des Grossen Rates: Hatte diese im Frühjahr die Sanierungspläne der Regierung noch deutlich befürwortet, kam es unterdessen bei einem Teil der Kommission zum Meinungsumschwung: Das Geschäft wurde im August nur dank dem Stichentscheid des Kommissionspräsidenten an den Grossen Rat überwiesen. Je vier Mitglieder der BRK waren für die Sanierung bzw. dagegen, drei enthielten sich ihrer Stimme. Kommenden Mittwoch entscheidet der Grosse Rat nun, ob der Projektierungskredit von 4,8 Millionen Franken abgesegnet wird und die Sanierung angegangen werden kann.

Restwert-Vernichtung

Am Donnerstagmorgen bekräftigen Eymann und Wessels deshalb noch einmal, warum die Regierung eine reine Sporthalle ebenso ablehnt wie eine separat zu bauende Eventhalle. Auch die Struktur aufzureissen, um mehr Plätze einzubauen, hält sie für unverhältnismässig teuer. Ihren Auftritt begründeten beide explizit mit dem knappen (Stich-)Entscheid der BRK für ihre Sanierungsvariante. Neu waren Aussagen zu einem Gesamt-Neubau, der die BRK gespalten habe - die Idee «schwirrt herum» ohne Fakten, warnte Wessels.

Die Kosten schätzt er auf 90 Millionen Franken über der Variante Sanierung, die auf 86 Millionen veranschlagt ist - dies bei 30 Prozent Unschärfe. Ein Neubau wäre demnach rund doppelt so teuer wie die Sanierung. Mit einem Neubau würde zudem der auf rund 50 Millionen bezifferte buchhalterische Restwert der bestehenden Halle vernichtet. Käme ein Neubau an den alten Standort, gäbe es eine mehrjährige Lücke ohne Halle, weswegen Grossevents definitiv abzuwandern drohten. Bis zum Baubeginn ginge es gegen fünf Jahre länger als beim Sanieren. «Das Schlagwort Neubau ist verführerisch», so Wessels. Der Baudirektor hat zudem den Eindruck, dass sich bei Teilen des Parlaments eine gewisse Sorglosigkeit bezüglich der Finanzierung eines Neubaus ausbreite.

Mehr Plätze selten nützlich

Andere Standorte für einen Neubau erforderten zudem viel Planung, möglicherweise auch einen Volksentscheid und Landerwerb. Dies würde wohl acht bis zehn Jahre dauern. Derweil wäre die marode alte Halle mit jährlichem Aufwand von rund 2 Millionen gebrauchstauglich zu halten. Eine parallele Projektierung von Sanierung und Neubau würde 10,5 Millionen mehr kosten. Unter dem Strich hält die Regierung auch einen Neubau für klar unwirtschaftlich. Die Mehrkosten seien bei normaler Verzinsung nicht hereinzuholen. Die bei der Sanierung angestrebte Kapazität von maximal 9200 bis 10'000 Plätzen genüge für die allermeisten Anlässe. Man dürfe Staatsmittel nicht so sorglos einsetzen.

Am 9. November berät der Grosse Rat erst den Projektierungskredit über 4,8 Millionen Franken. Der Baukredit soll dem Parlament in etwa zwei Jahren vorgelegt werden. Bei optimalem Verlauf könnte das Projekt bis im Jahr 2017 abgeschlossen sein. Im Januar hatte noch eine Alternatividee eines Baukonzerns kurz für Irritation gesorgt.

Die 1975 eröffnete St. Jakobshalle ist mit heute bis zu 9000 Zuschauerplätzen und einer Gesamtfläche von rund 22'000 Quadratmeter die zweitgrösste Veranstaltungshalle der Schweiz. Wichtige Teile sind inzwischen dringend sanierungsreif, und auch betrieblich ist die Halle nicht mehr konkurrenzfähig.

Mehr zum Thema in der BaZ von morgen Freitag.

SDA/jg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch