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Das Paar, das mit der Zombie-Droge dealte

Die gefährliche Substanz Crystal Meth breitet sich in der Schweiz zunehmend aus. Einem Mann und einer Frau aus Basel drohen nun hohe Haftstrafen.

Grenzbeamter zeigt die aufputschende Droge Crystal Meth, die bei einer Kontrolle abgefangen wurde.
Grenzbeamter zeigt die aufputschende Droge Crystal Meth, die bei einer Kontrolle abgefangen wurde.
DPA

Die Staatsanwältin skizzierte in ihrem Plädoyer das Bild von einer der gefährlichsten Drogen überhaupt. Wer Crystal Meth nimmt, kann schon beim ersten Mal eine Abhängigkeit entwickeln, und die Sucht verläuft oft schnell und drastisch: psychischer und körperlicher Zerfall, geistige Verwirrung, Verwahrlosung. In den USA wird die in Laboren hergestellte und auf Methamphetamin basierende Substanz auch «Ice» oder «Speed» genannt, weil sie sehr aufputschend wirkt.

Lange war die Droge nicht in der Schweiz erhältlich. Sie machte vor allem in den USA und Osteuropa Schlagzeilen. Doch der Fall, der seit Mittwoch am Strafgericht Basel-Stadt verhandelt wird, zeigt eindeutig: Crystal Meth hat unser Land erreicht. Und das sicher schon seit vier oder fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt erwähnte die Droge anlässlich ihrer jüngsten Präsentation der Kriminalstatistik (2019) und nannte Crystal Meth «besorgniserregend».

Florierender Handel

Ein 28-jähriger türkisch-schweizerischer Doppelbürger und eine 37-jährige Thailänderin, die beide in Basel wohnen, gehören zu den ersten, die sich im Land wegen grossangelegtem Crystal-Meth-Handel ihr Lebensunterhalt verdienten. Zumindest sieht es so die Staatsanwaltschaft, die das Paar wegen banden- und gewerbsmässigem Drogenhandel sowie Geldwäscherei von sieben Kilogramm angeklagt hat.

Der 28-Jährige, ein arbeitsloser Produktionsmechaniker, hat ab 2016 bis zu seiner vorläufigen Verhaftung 2018 einen weit verzweigten Handel mit Abnehmer in der ganzen Schweiz aufgebaut. Die Thailänderin ihrerseits, Mutter von drei Kindern (zwei in Thailand, eines in der Schweiz) mischte ebenfalls beim Vertrieb mit, obwohl sie offiziell in der Gastronomie gearbeitet haben will.

Gemäss Anklage belieferte das Paar zusammen oder getrennt mehrere Abnehmer, wobei der 28-Jährige die Fäden in den Händen hielt, zumindest was die Beschaffung der Substanz und den Geldfluss angeht. Bei ihm wurden ein Porsche Cayenne, Motorräder, ein teurer BMW, andere Autos, Luxusuhren sowie hohe Bargeldbeträge beschlagnahmt. Zudem soll er über seinen Vater höhere Summen in die Türkei verfrachtet haben, um das Geld dort in Liegenschaften anzulegen. Die Staatsanwältin sagte, der Handel mit Crystal Meth sei offensichtlich ein sehr lukratives Geschäft. Von einer halben Million Franken Umsatz und fast gleich viel Gewinn war die Rede.

Geldwäsche mit einem Solarstudio

Der 28-Jährige bestritt, dass die Autos und das Motorrad aus dem Erlös von Drogengeschäften stammt. Er habe illegal Glücksspielautomaten aufgestellt und damit viel Geld gemacht, zudem habe er in einer Baselbieter Agglomerationsgemeinde ein Solarstudio betrieben, das ihm Einkünfte brachte. Zwar gab er aufgrund der Beweise, welche die Drogenfahnder durch Überwachung zusammengetragen hatten, zu, im Handel mit dieser Substanz tätig gewesen zu sein – immerhin hat die Polizei im Handschuhfach eines seiner Autos 250 Gramm Crystal Meth gefunden. Doch von Geldwäsche und bandenmässigem Vorgehen mit seiner ehemaligen Partnerin wollte er nichts wissen. Auch sein Verteidiger zog diese Darstellungen der Staatsanwaltschaft in Zweifel und kritisierte die Anklage.

Die 37-Jährige konnte wenig vorbringen, das sie entlastet hätte, ist sie doch wegen dem Handel mit dieser Droge bereits vorbestraft und hatte eine Gefängnisstrafe absitzen müssen. Kaum war sie wieder draussen, hat sie mit dem 28-Jährigen weitergemacht, der zeitweise ihr Partner war, doch dann hat sich das Paar wieder getrennt.

Staatsanwältin fordert hohe Strafen

Die Aufgabenteilung des Paares sah gemäss Staatsanwaltschaft so aus: Er kümmerte sich um die Beschaffung der Droge, sie hatte die Kontakte in thailändische Kreise, wo die Substanz sowie ebenfalls aufputschende Thaipillen Abnehmer fanden. Auch das Glücksspiel ist bei Thailändern beliebt. Der Verteidiger stellte es aber so dar, dass der 28-Jährige nicht gezielt und mit Vorsatz – also als ein rein am Geld interessierter Dealer – agiert habe, sondern als gelegentlicher Konsument und Glücksspielanbieter langsam in die Szene hereingerutscht sei.

Die Staatsanwältin forderte harte Strafen: So soll der 28-Jährige für 8,5 Jahre hinter Gitter, die 37-Jährige für 6,5 Jahre. Auf die Frau wartet noch ein Landesverweis von zehn Jahren. Der Verteidiger des türkisch-schweizerischen Doppelbürgers kritisierte die Vorgehensweise der Strafermittlungsbehörde und machte geltend, dass Verteidigungsrechte nicht eingehalten wurden, weshalb die Beweise für gewisse Vorwürfe gar nicht vor Gericht zugelassen werden dürften. Das Urteil wird am Freitagnachmittag eröffnet.

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