Zum Hauptinhalt springen

Das neue Messekonzept wurde nicht abgesegnet

Der neue Baselworld-Leiter Loris-Melikoff entschuldigt sich bei Swatch-Chef Nick Hayek.

«Es bräuchte offene Diskussionen.» Nick Hayek (links), hier an der Eröffnung der Baselworld 2017 mit Alain Berset und Schwester Nayla Hayek.
«Es bräuchte offene Diskussionen.» Nick Hayek (links), hier an der Eröffnung der Baselworld 2017 mit Alain Berset und Schwester Nayla Hayek.
Kostas Maros

Nick Hayek ist verärgert. Nicht nur darüber, wie man bei der Leitung der Baselworld mit den Ausstellern umspringt, sondern wie man den Ausstieg der Swatch Group durch die Messe kommuniziert. Die NZZ am Sonntag hatte bekannt gemacht, dass der grösste Aussteller nicht mehr an der Baselworld 2019 teilnehmen wird. Im Gespräch mit der Zeitung hatte Nick Hayek bemängelt, die Aussteller würden nicht in die dringend notwendige Neuausrichtung der Baselworld einbezogen, nachdem in diesem Jahr nur noch 650 Aussteller teilgenommen hatten und etliche renommierte Marken an den Salon de la Haute Horlogerie nach Genf ausgewandert waren. Die Messe konterte darauf, die Swatch Group sei immer über die Pläne informiert worden. In einer Medienmitteilung vom Dienstag, 31. Juli, schreibt die MCH Group: «Das Comité Consultatif der Baselworld, in welchem alle wichtigen Aussteller der Uhrenbranche vertreten sind, hat dem neuen Konzept an einer Sitzung vom 4. Juli 2018 zugestimmt.» An diesem Tag fand jedoch gar keine Sitzung des Comité Consultatif statt.

Nick Hayek kann nicht verstehen, weshalb das von der Messe jetzt behauptet wird. Im Gespräch mit der BaZ stellt er auch klar, dass es nie eine formelle Zustimmung zum neuen Konzept vonseiten der Aussteller gegeben habe. Weder im Comité Consultatif, noch im Comité Mondial. Der Verwaltungsratspräsident der MCH Group, Ueli Vischer, hatte am Dienstag in einem Interview mit der bz erklärt, das neue Konzept sei von allen Aussteller-Gremien gutgeheissen worden.

Zu sehr unter Druck gestanden

Das ist sich offenbar auch die Messeleitung sehr wohl bewusst. Michel Loris-Melikoff schrieb am 9. Juli, als er gerade neun Tage in seinem Amt als Chef der Baselworld war, eine Entschuldigung an Nick Hayek. Darin bedauert er, «die Verkaufsunterlagen nicht vorgängig mit Ihnen und dem Conseil Consultatif besprochen zu haben». Für diesen «Fauxpas» entschuldigt sich Loris-Melikoff bei Hayek «in aller Form». Das Vorgehen zeuge keinesfalls von einer Missachtung des wichtigen Conseils Consultatif. «Mein rasches Handeln geschah vielmehr aus dem Zeitdruck, den Verkaufsprozess vor den Sommerferien auslösen zu können.» Mit anderen Worten: Die Messe war so unter Druck, dass sie ihre Pläne nicht mehr mit den entscheidenden Organen der Aussteller absprechen konnte.

In seinem am gleichen Tag erfolgten Antwortschreiben betont Nick Hayek, dass es ihm bei diesen Diskussionen darum geht, «allen klarzumachen, dass wir (und nicht nur die Swatch Group) als Aussteller viele Inputs und Anregungen zur Verbesserung der Baselworld machen können, müssen und auch wollen und sicher auch legitimiert sind, das zu tun». Dazu brauche es aber offene Diskussionen und Informationen «und auch die Wertschätzung vom Baselworld-Management». Hayek habe verschiedene Vorschläge gemacht. «Leider ist nichts geschehen … schlimmer noch, wir sind alle wieder einmal vor ein ‹fait accompli› gestellt worden. Die neue Konzeption der Baselworld 2019 wurde in die Welt hinaus geschickt ohne Wissen, Diskussion, geschweige denn einer kritischen Auseinandersetzung der Inhalte mit den Hauptakteuren dieser Baselworld, den Ausstellern.»

Hayek will keine Alibiübung mehr

Konkret an die Adresse des neuen Messechefs schreibt Hayek: «An dieser Kultur der Verweigerung des Baselworld-Managements, Inputs der Aussteller zuzulassen, ernst zu nehmen oder deren Ideen wirklich zu integrieren, hat sich leider auch mit Ihnen nichts geändert.» Unter diesen Umständen würden weitere Gespräche auch keinen Sinn machen, meinte der Swatch-CEO.

Damit stand bereits am 9. Juli fest, dass die Swatch Group an der Baselworld nicht mehr dabei sein wird. Als die NZZ am Sonntag die Bombe platzen liess, reagierte die MCH Group völlig überrascht und unvorbereitet. Dabei hatten zuvor sogar Gespräche zwischen Nick Hayek und den Messe-Verwaltungsräten Ueli Vischer und Christoph Brutschin stattgefunden. Ohne Ergebnis. «Der Verwaltungsrat weiss gar nicht, was da in der Baselworld alles abläuft», sagt Nick Hayek. Die Beteiligung der Aussteller sei eine Alibiübung, die er nicht mehr länger mitmachen wolle. Die Messeleitung nahm offensichtlich die Kritik und die Absage der Messe-Teilnahme der Swatch Group nicht ernst. Erst am Montagabend, mehr als 36 Stunden nach Bekanntwerden der Angelegenheit, lieferte die offensichtlich überforderte Unternehmenskommunikation eine Medienmitteilung, die auch noch den gravierenden Fehler mit dem Comité Consultatif enthielt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch