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Das langsame und einsame Sterben des Büsi Susi

Der qualvolle Tod der Katze einer alten Frau hätte nicht sein müssen. Jetzt erstattet die Präsidentin der Tierhilfe Anzeige gegen unbekannt.

Trotz Tropfinfusion und Antibiotika, die ihr ein Tierarzt am Schluss verabreichte, starb die Katze Susi.
Trotz Tropfinfusion und Antibiotika, die ihr ein Tierarzt am Schluss verabreichte, starb die Katze Susi.

Die elegante schwarze Katze Susi wurde gemeinsam mit ihrer Besitzerin älter. Elfjährig war das Tier, als sein Frauchen ins Spital und von dort direkt in ein Altersheim musste. Damit begann für Susi ein Martyrium, das mit ihrem Tod enden sollte.

Nicole Rudin, Präsidentin der Tierhilfe Regio Basel, will das nicht hinnehmen und erhebt bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt wegen schwerer Vernachlässigung im Sinne von Art. 26 des Tierschutzgesetzes. «Seit Februar war die Katze allein in der Wohnung an der Bärenfelserstrasse. Niemand wolle die Verantwortung übernehmen», sagt sie. Die alte Dame hatte eine Beiständin. Diese übergab die Fütterung der Katze dem Betreuungs- und Pflegeservice BPS. Die Pflegerinnen hätten bemerkt, dass mit Susi etwas nicht stimmte, und dies dem Amt für Beistandschaften und Erwachsenenschutz gemeldet – gehandelt habe niemand. «Sicher hat Susi die alte Dame vermisst. Vermutlich war sie nie viel allein vorher, und plötzlich wurde ihr nur einmal pro Tag Futter hingestellt – Tiere haben wie wir Gefühle. Eine solche Einsamkeit ist schrecklich», sagt Rudin.

Suche nach einem Platz

Am 28. Februar intervenierte der Pflegedienst, dass er die Betreuung der Katze nicht mehr gewährleisten könne. Am 22. März hakte er nochmals nach.

«Wir haben uns zunächst nach dem Wunsch der alten Dame gerichtet und auf privater Basis einen Platz für die Katze gesucht», sagt Sarah Thönen, Leiterin des Amts für Beistandschaften und Erwachsenenschutz. Gar intern habe man herumgefragt. Als das nicht geklappt habe, sei man auf das Tierheim beider Basel zugegangen. Doch dort habe man die Katze nicht aufnehmen wollen. Tatsächlich liegt der BaZ ein Mailverkehr vor. Darin lehnt das Tierheim die Abgabe der Katze ab. Zuerst müsse man den Impfausweis haben und auch eine Kostenschätzung vornehmen, falls die Katze nicht gesund sei, schreibt das Tierheim am 14. Mai.

Im Laufe der BaZ-Recherchen schickt Roger Bösch, Finanzbuchhalter Tierheim beider Basel, eine Mail, in der er festhält: Das Zitat «Vorerst ist eine Abgabe in unserem Tierheim nicht möglich» sei im Zusammenhang mit fehlendem Wissen über den Impfstatus gemacht worden. Dieser sei eben wichtig, um zu wissen, in welche Abteilung das Tier gehöre.

Die letzten Momente von Büsi Susi.

Im Tierheim wäre auch eine Quarantänestation vorhanden gewesen. Die beiden Basel haben erst vor einem Jahr eine halbe Million Franken an den 12-Millionen-Bau des neuen Tierheims mit einer solchen Station bei­gesteuert.Doch diese hätte nicht genügt, sagt Bösch. «Aufgrund des Zustandes hätte die Katze zum Tierarzt oder in das Tierspital gehört.» Man habe schon am25. April Infos über den Zustand der Katze eingefordert, diese aber nicht erhalten. Informationen über den Impfstatus habe man am 13. Mai erhalten. «Am Folgetag sollte uns die Katze gebracht werden, was aber nicht geschah.»

Anscheinend schieben sich Behörden und Tierschutz gegenseitig den Ball zu. Geschäftsführerin Béatrice Kirn verteidigt sich: «Wir nehmen jedes kranke Tier auf, keine Frage.» An den Kosten sei es garantiert nicht gelegen. Umso unverständlicher, warum der Tierschutz nicht zumindest mal einen kurzen Augenschein bei Susi hatte vornehmen können.

Die Zeit zerrann

Klar ist: Während all dieses Hin und Her zerrann wertvolle Zeit und ebenso die Lebenskraft von Susi. Da stiess der Betreuungsservice, der bis anhin die Katze gefüttert hatte, auf die Adresse der 2017 gegründeten Tierhilfe Regio Basel. Nicole Rudin übernahm die Katze, ohne zu zögern, und erschrak über den lebensbedrohlichen Zustand des Tieres.

Sie brachte Susi sofort zu Tierarzt Daniel Stauffer, der einen schweren Verstoss gegen das Tierschutzgesetz feststellte. In seinem Bericht schreibt er: «Am 4. Juni wurde mir die knapp elfjährige Hauskatze Susi via Tierhilfe Regio Basel vorgestellt. (...) Die Katze war auf 2,5 Kilo abgemagert, stark ausgetrocknet und konnte sich nicht auf den Beinen halten, sondern lag stark hechelnd in Seitenlage. Die Körpertemperatur war massiv erhöht. Der Schilddrüsenwert war um das mindestens Vierfache des normalen Werts erhöht. Vermutlich war das schon länger so und erklärt, da unbehandelt, die starke Abmagerung und Austrocknung. Offenbar hatte sich infolge des schlechten Zustandes und der mangelnden Immunität ein schwerer Infekt gebildet. Die weissen Blutkörperchen waren auf 19000 angestiegen.»

Der Tierarzt versuchte, die Katze zu retten. Sie kam an eine Tropfinfusion, bekam Antibiotika und andere nötige Medikamente. Doch einige Tage später war Susi tot. Nach einem langen, einsamen Leidensweg.

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