Zum Hauptinhalt springen

Das Glaubensbekenntnis des Y.S.

Der mutmassliche Basler Erdogan-Spion zeigt sich im Internet in umstrittener islamischer Pose.

Vereint im Grusse? Der mutmassliche Polizei-Spitzel Y.S. zeigt den islamischen Finger-Gruss. Auch bei IS-Kämpfern ist dieser beliebt.
Vereint im Grusse? Der mutmassliche Polizei-Spitzel Y.S. zeigt den islamischen Finger-Gruss. Auch bei IS-Kämpfern ist dieser beliebt.

Das Profil des mutmasslichen Spitzels Y.S. bei der Basler Polizei nimmt immer mehr Form und Farbe an. Zwar hat Y.S. – gegen ihn läuft momentan ein Verfahren und er wurde von der Polizei freigestellt – seine Social-Media-­Accounts im Internet gelöscht, bei ihren Recherchen ist die BaZ trotzdem auf Bilder von Y.S. gestossen, die ihn grinsend mit dem erhobenen Zeigefinger zeigen. Der islamische Begriff zu dieser Geste ist «Tauhid» und bedeutet «es gibt keinen Gott ausser Allah».

Es ist ein Zeichen, das in jüngster Zeit vor allem in den islamisch-fundamentalistischen Kreisen zu finden ist. So benutzen es die Mitglieder der ­Terror-Organisationen Al-Nusra-Front oder Al-Qaida. In den Medien sieht man momentan vor allem Kämpfer des Islamischen Staates (IS) mit dem erhobenen Zeigefinger grüssen. Nicht selten mit einer Kalaschnikow oder auch einem abgetrennten Kopf in der anderen Hand. In Deutschland wurde der Gruss bereits von diversen Medien als «Hitler-Gruss des IS» bezeichnet. Der Zeigefinger-Gruss wurde zum Symbol des extremistischen Islams. Diverse muslimische Kreise – darunter auch die salafistische Organisation «Lies!» – bezogen daraufhin Stellung und bezeichneten den Gruss als Usus bei den Moslems. Tatsächlich ist der Tauhid das Schlüsselmerkmal des Islams.

Politisch und aggressiv

Maurus Reinkowski, Professor für Islamwissenschaften an der Uni Basel, widerspricht den verärgerten Muslimen jedoch deutlich: «Der ausgestreckte Zeigefinger ist kein traditioneller Gruss in der islamischen Welt. Die Geste war selbst mir früher nicht geläufig und wurde mir erst durch die Bilder von islamischen Extremisten bekannt.»

Die Grundaussage des Zeichens – Allah ist unser Gott, der einzige Gott – sei keine übliche Geste der muslimischen Frömmigkeit, sondern – in der Öffentlichkeit fordernd gezeigt – ein Zeichen des politischen Islams, so Reinkowski. «Es ist als politischer Gruss gemeint und auch so zu verstehen. Zudem ist es durch die Aussage, dass der Islam die einzige herausgehobene Religion ist, eine aggressive Geste.» Ob der mutmassliche Spitzel und freigestellte Polizeibeamte sich zu einer radikalen Auslegung des Islams bekennt, ist nicht bekannt.

Er gesellt sich mit seiner Pose jedoch zu extremistischen Führern wie Osama Bin Laden oder bekannten europäischen Konvertiten wie Pierre Vogel aus Deutschland oder dem Belgier Tarik Ibn Ali. Die BaZ sprach mit Mitgliedern der muslimischen Gemeinde in Basel, die sich klar von der Botschaft des Grusses von Y.S. distanzieren, aber aus Furcht vor Repressionen anonym bleiben wollen. «Eigentlich handelte es sich früher um einen völlig harmlosen Gruss», sagt ein Basler Moschee-Mitglied.

«Die Geste wurde aber in den letzten zehn Jahren hauptsächlich von Extremisten und Terroristen verwendet und ist bei den richtigen Muslimen verpönt.» Ein weiteres Mitglied der muslimischen Gemeinschaft sagt: «Wer auf Social Media öffentlich so auftritt, steht damit deutlich für einen politischen Islam ein. Er sagt damit, dass es nur seinen Gott Allah gibt und keinen anderen. Das ist als deutliche Ablehnung des Pluralismus zu verstehen.»

Den Polizisten bekannt

Das Bild von Y.S. mit dem islamischen Gruss geht bereits im Polizeikorps herum. Auch der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hat das Bild sicherlich schon zu Gesicht bekommen, da Y.S. bereits im vergangenen Sommer vom NDB observiert wurde und die Basler Polizei vor ihm warnte.

Zu diesem konkreten Verhalten des Polizeibeamten Y.S. will die Polizei keine konkrete Stellung beziehen und verweist auf vergangene Mitteilungen. Gestern äusserte die bz Basel ausserdem den Vorwurf, dass der mutmassliche Spion bei der Zweiradsammelstelle des Zeughauses Velos gestohlen und diese verkauft hätte. Das sei gemäss der Zeitung der Grund gewesen, weshalb man ihn innerhalb des Departements nach Riehen versetzt habe. Die bz Basel warf deshalb die Frage auf, weshalb solch ein Beamter weiter im Dienst bleiben dürfe.

Die Basler Polizei bezog gestern Abend Stellung zu den Vorwürfen. Tatsächlich habe man Anzeige wegen Velodiebstahls bei der Sammelstelle eingereicht, jedoch nicht gegen den beschuldigten Y. S. Ausserdem habe sich dieser freiwillig nach Riehen versetzen lassen und sei nicht versetzt worden. Der Vorwurf der Zeitung stellte sich als falsch heraus. Für den mutmasslichen Spitzel gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch