«Das Gesetz erlaubt uns das»

Kantonalbank-Präsident Adrian Bult hält die Bank-Cler-Integration für rechtens und wehrt sich gegen die Kritik aus der Politik.

Präsident Bult würde lieber über Chancen reden, statt seine Strategie verteidigen zu müssen. Foto: Pino Covino

Präsident Bult würde lieber über Chancen reden, statt seine Strategie verteidigen zu müssen. Foto: Pino Covino

Herr Bult, die neue, enge Bindung der Bank Cler an die BKB erhöht das Risiko für den Steuerzahler, weil im Haftungsfall die Staatsgarantie auch für die Cler greifen könnte. Das entspricht nicht dem politischen Willen und ist womöglich auch gegen das Gesetz.
Unser Schritt ist zukunftsorientiert, sowohl strategisch als auch wirtschaftlich. Strategisch, weil sich BKB und Bank Cler sehr gut ergänzen. Die BKB ist in der Region tätig und die Bank Cler schweizweit. Zudem wirkt das Geschäftsmodell der Bank Cler, mit seinem schweizweiten Hypothekargeschäft, risikomindernd. Zudem hat die Cler in den letzten fünf Jahren fast 100 Millionen Franken Dividenden an die BKB ausgeschüttet. Das kommt über unsere Ausschüttungen an den Kanton letztlich auch dem Bürger zugute.

Und was sagen Sie zu unserem angesprochen Punkt mit dem Risiko?
Die Anbindung der Bank Cler ist in Einklang mit dem Gesetz über die Basler Kantonalbank. Wir haben dies auch von einer unabhängigen Stellen prüfen lassen.

Der Gesetzgeber, das Parlament, wollte ganz klar eine Entkopplung der BKB und der Bank Cler, um zu verhindern, dass die Staatsgarantie auchfür die Bank Cler gelten könnte. Der Konsens unter den Parteien: Sie haben den politischen Willen, womöglich auch das Gesetz gebrochen. Haben Sie dafür Verständnis?
Nein, das haben wir nicht. Das BKB-Gesetz erlaubt uns, in der Schweiz Tochtergesellschaften zu gründen oder uns an Unternehmen zu beteiligen. Wie gesagt, auch ein externes Gutachten kommt zum Schluss, dass wir gesetzeskonform handeln.

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) untersucht den Fall. Sie hat im Frühling, nach der kompletten Aktienübernahme durch die BKB, die Untersuchung unterbrochen, weil die BKB gesagt habe, sie wisse noch nicht, wie sie die Übernahme fortführe. Ist das korrekt?
Wir haben die Umsetzung im Geschäfts- und Organisationsreglement der Bank abgebildet und der Regierung zur Bewilligung vorgelegt. Der Regierungsrat hat dies bewilligt. Und nun überprüft dies die GPK. Aber dazu müssen Sie sich an die GPK wenden.

Die Regierung wurde also von Ihnen informiert, sie hat also keine aktive Rolle bei der Strategiefindung gespielt. Ist das korrekt?
Selbstverständlich konsultieren wir den Eigner bei solch wichtigen Schritten. Wir haben ihn laufend informiert.

Im Sommer hat die GPK die Arbeit wiederaufgenommen, nachdem nun auch die Führungsetage der Bank Cler durch BKB-Kader ersetzt worden war. Können Sie nachvollziehen, dass die GPK eine Gefahrfür den Steuerzahler sieht?
Die Frage nach der Staatsgarantie ist berechtigt. Wir haben sie uns auch gestellt. Es stellt sich insbesondere die Frage, ob es ein gesteigertes Risiko gibt, was die Organhaftung anbelangt. Ja, es ist leicht gestiegen. Aber dieses Risiko wird überkompensiert durch die bessere Risikosteuerung. Ferner werden beide Banken besser verzahnt, wodurch wir Synergien nutzen können.

Es gibt mehr Risiko für den Steuerzahler, aber das werde «überkompensiert durch die bessere Risikosteuerung».Was soll das heissen?
Dass es mehr Risiko für den Steuerzahler gibt, habe ich so nicht gesagt. Im Gegenteil, aus unserer Sicht wird das Risiko reduziert, weil wir näher an der Tochtergesellschaft dran sind. Erstens, wir handeln gesetzeskonform. Zweitens gibt es ein leicht erhöhtes Haftungsrisiko. Das heisst aber noch lange nicht, dass dies auch für den Steuerzahler der Fall ist, sondern nur für die Organe, also die Verwaltungsräte. Was wir tun, entspricht auch dem, was die Finanzmarktaufsicht von uns erwartet, und ist für einen Konzern nichts als üblich.

Üblich? Die Bank Cler gehörtzu 100 Prozent der BKB. Und Politiker von links bis rechts sehen diese enge Anbindung kritisch. Beunruhigt Sie das nicht?
Wir haben den Schritt seriös abgeklärt und halten ihn für zukunftsorientiert. Unser Auftrag als Bankrat ist, das Beste für beide Banken zu tun.

Nochmals. Bei den Parteien von links bis rechts herrscht Konsens: Nach den Missständenbei der BKB von früher will man kein höheres Risiko. Nun nimmt die BKB unbe­stritten mehr Risiko. Man will zudem, dass sich die BKB auf die Region beschränkt. Die Bank Cler ist nun bloss noch eine Hülle der BKB und betreibt ihr Geschäft schweizweit.
2015 wurde das revidierte Gesetz verabschiedet. Bereits damals hielt die BKB eine Mehrheits­beteiligung an der Bank Cler. 2017 wurde der Aktienanteil auf 75 Prozent aufgestockt. Schon damals war klar, dass es zwei Banken gibt und die Bank Cler schweizweit aktiv ist. Und: Schauen Sie sich die Konkurrenz an, die punktuell ihr Einzugs­gebiet erweitert. Wir gehen in die Zukunft, und unsere Konkurrenz beneidet uns deswegen.

War die Zustimmung der Regierung Formsache, oder mussten Sie bei Finanz­direktorin Eva Herzog Überzeugungsarbeit leisten?
Selbstverständlich haben wir uns die ähnlichen, durchaus berechtigten Haftungsfragen gestellt wie die von Ihnen erwähnten Politiker. Wir sind einfach zu einem anderen Resultat gekommen, was das Risiko und die Gesetzmässigkeit angeht. Ich finde es schade, dass niemand von den Chancen spricht.

Wenn die GPK zum Schluss kommt, dass die Sache nicht gesetzeskonform ist. Was tun Sie dann?
Jetzt warten wir mal die Untersuchung ab. Je nach Resultat leiten wir die nächsten Schritte ein. Wir können uns nicht vorstellen, dass man zu einem anderen Schluss kommen wird als wir.

Andere Medien kritisierten Ihre Personalpolitik. Der Vorwurf: Sie haben die Leute nicht nach Qualität, sondern aufgrund alter Seilschaften ausgewählt.
Selbstverständlich haben wir bei der damaligen Rekrutierung von Frau Vacalli als Digitalchefin der BKB, heute ist sie CEO der Cler, ein Assessment mit ihr und drei weiteren Kandidaten durchgeführt. Wir haben uns am Ende für sie entschieden, weil sie breite digitale Kompetenzen hat und weil sie als Persönlichkeit passt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt