Das Geheimnis um die Radioaktivität

Die Behörden schweigen sich über den strahlenden Behälter in der Grossbank UBS aus.

Katastrophenstimmung: Strahlenschutzleute betreten das UBS-Gebäude am Bankenplatz.

Katastrophenstimmung: Strahlenschutzleute betreten das UBS-Gebäude am Bankenplatz.

(Bild: Mischa Hauswirth)

Alex Reichmuth

Vor einem Monat herrschte in Basel Katastrophenstimmung. Am Bankenplatz waren die Strassen stundenlang abgesperrt. Die Feuerwehr und die Chemiewehr waren vor Ort. Wegen den Absperrungen war sogar der Tramverkehr beeinträchtigt. Man sah Männer in Schutzanzügen ins Gebäude der UBS hineingehen.

Grund für den Grosseinsatz war, dass Bankangestellte im Keller des Gebäudes einen radioaktiven Behälter gefunden hatten. Mutmasslich befand sich das Gefäss in einem Schliessfach eines Kunden im Tresor der Bank. Die Angestellten lösten Alarm aus. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten den Behälter und brachten ihn ins Kantonslabor. Mehrere Mitarbeiter der Bank wurden auf Verstrahlung getestet.

Die Entwarnung erfolgte rasch. Wie das Basler Kantonslabor kurz nach dem Einsatz bekannt gab, strahlte der Inhalt des Behälters nur schwach. Von einer Radioaktivität der Stärke 0,8 Mikrosievert pro Stunde war die Rede. Das Material im Behälter bestehe aus Uran und Thorium, zwei Elementen, die von Natur aus schwach strahlen. Diese Strahlung reiche aber nur etwa dreissig Zentimeter weit. Sie liege im Bereich der Radioaktivität von natürlich vorkommendem Gestein. Entsprechend konnten die Einsatzkräfte auch bei den vermessenen UBS-Angestellten keinerlei Verstrahlung feststellen. Diese konnten das Gebäude daraufhin verlassen.

Überrissenes Aufgebot

Verglichen mit der gemessenen Strahlung schien das Grossaufgebot an Sicherheitskräften völlig überrissen. 0,8 Mikrosievert pro Stunde bedeuten, dass selbst dann, wenn man den Behälter ständig auf sich trüge, nur eine geringfügige radioaktive Belastung resultieren würde. Diese liegt in einem Bereich, dem viele Bewohner der Alpen dauerhaft ausgesetzt sind, wegen der natürlichen Strahlung des Bodens.

Und doch stellen sich Fragen. Um was für einen Behälter handelt es sich genau? Welches Material war darin zu finden? Sind es Gesteinsbrocken, wie aufgrund der Intensität der Strahlung plausibel erscheint? Wer ist der Besitzer dieses Behälters und dessen Inhalts? Warum stellte diese Person den Behälter in das Schliessfach der Bank? Wie spürten die Mitarbeiter die schwach strahlende Radioaktivität auf? Waren sie mit einem Geigerzähler unterwegs? Warum wurde offenbar gezielt nach strahlendem Material gesucht? Wieso lösten die UBS-Angestellten Strahlenalarm aus?

Ermittlungen aufgenommen

Die Basler Zeitung wollte Antworten auf diese Fragen finden. Sie kontaktierte einige Tage nach dem Grossalarm das Basler Kantonslabor. Dort hiess es aber, man solle sich an die Basler Staatsanwaltschaft halten, diese erteile Auskunft. Bei der Staatsanwaltschaft war aber auch nicht mehr zu erfahren – ausser, dass Ermittlungen aufgenommen worden seien, wegen Gefährdung der Öffentlichkeit durch gefährliche Strahlung. Die Abklärungen des Kantonslabors zum Behälter und seinem Inhalt seien noch im Gang, hiess es bei der Staatsanwaltschaft. Man solle sich doch einige Tage später wieder melden. So tönte es auch beim zweiten Anruf. Und beim dritten, letzte Woche.

Man reibt sich die Augen. Warum geben die Behörden keine Auskunft über den Behälter und seinen Inhalt? Immerhin war deswegen ein Grossalarm ausgelöst worden, den zahlreiche Bewohner mitbekommen haben. Das öffentliche Interesse ist somit gegeben. Über die Gründe der Geheimniskrämerei kann man nur spekulieren. Möglicherweise sind der Behälter und sein Inhalt von einer solchen Banalität, dass sich das Kantonslabor schlicht nicht mehr damit befasst. Oder es verbirgt sich im Gegenteil eine Begebenheit dahinter, die brisant ist, und die man unter dem Deckel halten will. Möglicherweise ist auch klar geworden, dass der Grossalarm wegen des schwach strahlenden Behälters völlig unverhältnismässig war, was möglichst unter den Teppich gekehrt werden soll.

Basler Zeitung

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