Cramer rennt mit Journalisten

Es ist nicht die Sportlichkeit, die einen fragend zurücklässt, sondern der Anlass an sich.

Joggen für Garderoben. Der Basler Sportdirektor Conradin Cramer (vorne rechts) und der neue Leiter des Sportamtes, Steve Beutler (vorne links).

Joggen für Garderoben. Der Basler Sportdirektor Conradin Cramer (vorne rechts) und der neue Leiter des Sportamtes, Steve Beutler (vorne links).

(Bild: Pino Covino)

Mischa Hauswirth

Freitagmorgen, 7.55 Uhr, Leimenstrasse 1: Erziehungs- und Sportdirektor Conradin Cramer verlässt den Hauptsitz des Erziehungsdepartements (ED), wo er sein Büro hat. Statt einen Anzug und Krawatte trägt er ein orangefarbenes T-Shirt, Tennis-Shorts und Turnschuhe. Mit zehn Minuten Verspätung begrüsst er – wie immer lächelnd und gut gelaunt – die Journalisten, die er zum Mitjoggen eingeladen hat. Wozu dient dieser Anlass eigentlich, fragen sich die Journalisten, während sie auf den Regierungsrat warten. Es ist kein Wahlkampf, ausserdem hat Cramer tout Bâle schon mal gezeigt, wie er in der Badehose aussieht, als er mit der bürgerlichen Boygroup – Baschi Dürr, Lukas Engelberger, Lorenz Nägelin – in den Rhein gesprungen war. Geht es also jetzt um eine weitere Demonstration seiner Sportlichkeit? Oder will er den an Bewegungsmangel leidenden Journalisten eine Möglichkeit bieten, etwas für ihr Herz-Kreislauf-System zu tun?

Nein, es ist viel banaler. Es handelt sich um eine neue Form von Medienkommunikation. Denn gejoggt werden soll «für die Einweihung von Garderoben inklusive Duschen». Zudem soll quasi rennend der neue Leiter des Sportamtes, Steve Beutler, offiziell im Amt eingeführt werden. Wo andere Gemeinden einfach eine Medienmitteilung mit Foto verschicken, geht die ED-Spitze also laufen.

Beutler wirkt geübter als Cramer

Beutlers enge Sporthosen geben die Waden frei und lassen darauf schliessen, dass er öfters als Cramer in den Strassen herumrennt. Jedenfalls sagt Cramer mit einem Unterton von Bewunderung, dass sein neuer Amtsleiter vor dieser Tour schon eine halbe Stunde auf dem Velo gewesen sei.

Dann joggt Cramer los. Dicht daneben Beutler, der irgendwie geübter wirkt, was man von einem Sport- und Turnlehrer auch erwarten darf, selbst wenn er ab 2008 Leiter Betriebswirtschaft und Controlling der Gemeinde Reinach gewesen ist.

Cramer und Beutler nehmen den Weg den Spalenberg hinab. Dort wartet bereits Simon Thiriet, Cramers Medienverantwortlicher, und schiesst Fotos. Er ist angezogen, als hätte er eine Statistenrolle bei Rocky. Thiriet rennt vorneweg, um vom Käppelijoch aus vom Chef ein Bild zu machen. Als dieser kommt, umgeben von sportlichen Männern, sieht es ein wenig so aus, wie wenn ein Staatschef oder ein Prinz mit seinen Bodyguards joggen geht.

Cramer hatte kein Handtuch

Auf Kleinbasler Seite den Rhein entlang Richtung Kraftwerk Birsfelden. Ein Radiojournalist hält Cramer bei leichtem Laufschritt das Mikrofon hin und stellt Fragen. Ein Fotograf auf seinem Fahrrad stoppt alle paar Hundert Meter, um die rennende Gruppe abzulichten. Ab Tinguely-Museum werden die Schritte des Sportdirektors schwerer, das Lächeln aber ist immer noch professionell. Alles geht reibungslos, niemand macht schlapp, den Einlauf bei der Sportanlage Rankhof allerdings müssen Cramer und Beutler wiederholen – der Schlussspurt war zu schnell für den Autofokus der Fotografen.

Wer auch immer diesen Medienanlass organisiert hat, dem ist nicht eingefallen, dass ein Regierungsrat ein Handtuch braucht, wenn er vom Joggen kommt. Eine Sportamtmitarbeiterin muss deshalb improvisieren und kommt mit einem verwaschenen Lappen zurück. Dann dürfen die Journalisten die Garderoben mit Duschen anschauen, die neu Einzelsportler von Montag bis Freitag von 7.30 bis 20 Uhr benutzen können. Das wars. Ob Cramer auch im Rankhof duschte oder an die Leimenstrasse zurückjoggte, ist unbekannt.

Basler Zeitung

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