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Cramer hält an den Schul-Checks fest

Der Basler Erziehungsdirektor stellt sich gegen die von den Lehrerinnen und Lehrern geforderte Abschaffung.

Vertrag mit Partnerkantonen: Erziehungsdirektor Conradin Cramer will die Checks erst mal checken.
Vertrag mit Partnerkantonen: Erziehungsdirektor Conradin Cramer will die Checks erst mal checken.
Keystone

Die umstrittenen Checks in den Schulen der vier Kantone der Nordwestschweiz sollen nicht abgeschafft werden. Der Basler Regierungsrat Conradin Cramer hält an den Checks fest, wie aus seinem Schreiben an die Kantonale Schulkonferenz (KSBS) hervorgeht. Das Schreiben ist die Antwort des Erziehungsdirektors auf die Resolution der Lehrerinnen und Lehrer zugunsten der Abschaffung der Checks.

Die schlechten Basler Check-Ergebnisse versucht das mit den Checks beauftragte Institut mit sozialen Faktoren zu erklären. Es verlangt von den Lehrkräften deshalb, Angaben zur Bildung und zum Einkommen der Eltern ihrer Schüler zu erheben. Die Checks werden heute in der dritten (P3), sechsten (P6), achten (S2) und neunten Klasse (S3) durchgeführt.

Die Resolution zugunsten einer Abschaffung der Checks wurde im vergangenen März von der Gesamtkonferenz der Basler Lehrerinnen und Lehrer überwiesen. In seinem Schreiben an die Kantonale Schulkonferenz begründet Cramer sein Festhalten an den Checks mit den Verträgen, die Basel-Stadt mit den drei anderen Nordwestschweizer Kantonen eingegangen ist. Mit dem gleichen Hinweis auf die Partnerkantone hatte seinerzeit schon die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind das Festhalten Basellands an den Checks begründet. Cramer nennt die gesetzliche Verankerung der Checks und weist darauf hin, dass es zunächst Erfahrungen brauche, um «absehen zu können, welche Vorschläge für Modifikationen und welche grundsätzlichen Kritikpunkte möglicherweise berechtigt sind».

Verbesserungen angekündigt

Massnahmen würden «vierkantonal diskutiert» und «abgewogen und gemeinsam» umgesetzt, hält Cramer fest – und kündigt eine Reihe von neuen Verbesserungsmassnahmen an. So sollen die P6-Testhefte «Deutsch Schreiben» neu korrigiert an die Schulen zurückgeschickt werden. Basel-Stadt wird zudem vorschlagen, die P6-Checks schon in der 5. Klasse durchzuführen. Bei den Checks auf der Sekundarschul-Stufe wird der Natur- und Technik-Check freiwillig. Zudem soll geprüft werden, ob die Lehrbetriebe die Checks anstelle der privaten Multichecks akzeptieren und die abnehmenden Berufsschulen die Checks für die Niveau-Einteilung übernehmen. Ferner ist vorgesehen, in einem neuen Versuch mehr Rückmeldungen aus der Praxis zu erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bei den bisher durchgeführten Checks jeweils am schlechtesten abgeschnitten. Aus dem jüngsten Bildungsbericht des Bildungsraums Nordwestschweiz geht hervor, dass die Schülerinnen und Schüler aus dem Aargau die besten Resultate erzielt haben, unmittelbar gefolgt von Baselland und Solothurn, während Basel-Stadt abgefallen ist – zuletzt etwas weniger als früher. Beim Check P6 etwa lag der Mittelwert in Mathematik im Aargau bei 626 Punkten, in Baselland und Solothurn bei je bei 622, in Basel-Stadt bei 601. In Deutsch lag der Mittelwert in Baselland bei 613 Punkten, im Aargau bei 611, in Solothurn bei 609 und in Basel-Stadt bei 595. Auf der Sekundarstufe wird im Bildungsbericht anhand der Ergebnisse aus Solothurn und Aargau darauf hingewiesen, dass die unterschiedliche Ausstattung der drei Leistungsniveaus Einfluss auf die Ergebnisse hat.

Die Checks sollen – so die Zielsetzung – den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler aus unabhängiger Perspektive beurteilen. Die Aussagekraft der Ergebnisse wird jedoch in Zweifel gezogen. So relativiert das mit der Durchführung der Checks beauftragte Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich die Ergebnisse mit der unterschiedlichen Zusammensetzung der Schulklassen in den vier Kantonen. Mit einer Erhebung der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft wird das schlechte Abschneiden von Basel-Stadt erklärt.

Fragen zum Familienverhältnis

Dazu hat das Institut einen Fragebogen geschaffen, mit dem die Lehrerinnen und Lehrer über den Bildungsabschluss und die finanziellen Verhältnisse der Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler Auskunft geben sollen. So wird etwa gefragt, ob Eltern über einen Hochschulabschluss verfügen oder ob Kinder «aus finanziell privilegierten Familien» stammen. Auch das Wohngebiet müssen die Lehrkräfte klassifizieren: benachteiligt, eher benachteiligt, eher privilegiert oder privilegiert.

Als mögliche Erklärung für die nach Kantonen unterschiedlichen Check-Ergebnisse thematisieren die vier Kantone in ihrem Bildungsbericht auch die Heterogenität der Schulklassen. Dabei kann aus den Check-Ergebnissen geschlossen werden, dass heterogen zusammengesetzte Schulklassen nicht leistungsfördernd sind. Die grössten Leistungsunterschiede verzeichnet der Kanton Basel-Stadt, wo der signifikant tiefere Mittelwert auch auf einige besonders tiefe Einzelergebnisse zurückzuführen ist.

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