Cler verliert ganze Geschäftsleitung

Die Basler Kantonalbank besetzt Spitzenpositionen in Tochterfirma mit eigenem Management.

Die Bank Cler bleibt eine Baustelle. Seit der Übernahme durch die BKB häufen sich die schlechten Nachrichten. Foto: Christian Merz

Die Bank Cler bleibt eine Baustelle. Seit der Übernahme durch die BKB häufen sich die schlechten Nachrichten. Foto: Christian Merz

Kurt Tschan

Jung, frech und digital sollte die frühere Bank Coop werden. Dafür bekam sie mit Bank Cler nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein frisches Konzept verpasst. Seit der Übernahme durch die Basler Kantonalbank (BKB) häufen sich aber die schlechten Nachrichten.

Zuerst fühlten sich Kleinaktio­näre der Bank Coop über den Tisch gezogen und erstatteten bei der Finanzmarktaufsicht sowie bei der Übernahmekommission Anzeige. Der Grund: Die BKB soll mehr als den Angebotspreis von 52Franken pro Aktie bezahlt ­haben. Nach der Decodierung der Bank-Coop-Aktien stellte die BKB zudem 150 Stellen auf den Prüfstand. Alleine in den kommenden zwei Jahren will sie 40Jobs abbauen. Nicht wenige Mitarbeitende bei der Bank Cler befürchten, dass dieser Abbau primär auf ihrem Buckel erfolgen wird.

Eine Befürchtung, die sich gestern bestätigte. Die gesamte Geschäftsleitung der Bank tritt zurück. CEO Sandra Lienhart und CFO René Saluz verlassen die Bank Mitte September. Für den Leiter Vertrieb, Peter Schnellmann, wurde ein Nachfolgeprozess eingeleitet. Offiziell erfolgt der Abgang auf eigenen Wunsch, wie es in einer Mitteilung heisst. Ausschlaggebend seien die «veränderten Aufgabengebiete im Rahmen der verstärkten Integration der Bank Cler in die Führungsstrukturen des Konzerns BKB».

Alle verpassten der Bank ein «klares Profil»

Sandra Lienhart war insgesamt 15 Jahre Mitglied der Geschäftsleitung und seit zwei Jahren Chefin. Ihre Nachfolgerin wird Mariateresa Vacalli. Der stellvertretende Vorsitzende der Konzernleitung, René Saluz, startete ein Jahr später, seit 2015 leitete er den Bereich Finanzen und Risiko. Jetzt verabschiedet er sich in den vorzeitigen Ruhestand.

Ersetzt wird er durch Philipp Lejeune, bisheriger CFO-Chef bei der BKB. Sowohl Lienhart wie auch Schnellmann werden sich hingegen beruflich neu orientieren. Letzterer war erst im letzten Frühjahr als ­Leiter Vertrieb und Mitglied der Konzernleitung zur Bank gestossen. Zum Abschied nehmen alle drei Bisherigen für sich in Anspruch, der Bank Cler «eine klare Strategie und eine markante Positionierung» verpasst zu haben. Die Bank Cler sei auch eine «digitale Vorreiterin mit der ersten Schweizer Smartphone-Bank Zak».

Aktienkapital erhöhen

Die Bank Cler bleibe eine eigenständige Bank mit eigenem Marktauftritt, eigenen Filial- und Geschäftsstellennetzen sowie eigenen Kundenstämmen, sagte gestern BKB-Sprecher Patrick Riedo der BaZ. Die Investition in die Digitalisierung und Wachstumsinitiativen würden wie geplant vorangetrieben. Mit dem gestrigen Entscheid, die neue CEO Mariateresa Vacalli nur noch als «Beisitzende» in der Konzernleitung ohne Stimmrecht zu dulden, wird aber deutlich, dass die BKB die Bank Cler noch stärker in den Konzern ­einpasst.

Die gebürtige Tessinerin ­Vacalli war bisher Mitglied der BKB-Konzernleitung und dort für die digitale Transformation zuständig. Auch Riedo bestätigte gestern: «Es ist ein Ziel, dass der Konzern enger zusammenwächst, dass schneller entschieden werden kann und dass wir damit agiler werden.» Unter ­anderem soll das Aktienkapital der Bank Cler substanziell erhöht und damit das künftige Wachstum des Bilanzgeschäfts mit ausreichend Eigenkapital unterlegt werden. Zum geplanten Stellenabbau sagte er, dass die Stabs­abteilungen sowie der Bereich Legal & Compliance, die Beratungscenter, gewisse Mitarbeitende in der Vertriebssteuerung (Fachspezialisten im Privatkundengeschäft) sowie einzelne ­Abteilungen aus dem Bereich Finanzen & Risiko beider Banken im Fokus stünden.

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