City-Gate – Verlust des Waldparks?

Der entscheidende Wesenszug des städtebaulichen Leitbilds wird nicht zustande kommen.

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Die Besprechung der BaZ vom 24. April von City­-Gate, dem Ensemble von vier grossen neuen Gebäuden an der St.-Jakob-Strasse und der Autobahnauffahrt zur A3, ist ein Gewinn, denn eine so prominente städtebauliche Entwicklung verdient es, von der Tagespresse kritisch verfolgt und kommentiert zu werden. Der Artikel greift zurück auf das Onlineportal des Architekten Lukas Gruntz, dessen Kritik an der Entwicklung von City-Gate wir teilen.

Enttäuschung und Ernüchterung entsteht, da der ent­scheidende Wesenszug des städtebaulichen Leitbilds nicht zustande kommen wird: der erlebbare Dialog zwischen einem neuen städtischen Platz und dem zauberhaften, kleinen Waldpark. Sind Platz und Waldpark im Bebauungsplan (2006*, rechtskräftig am 26.6.2011) noch durch eine grosse Bogenöffnung im Gebäude erlebbar miteinander verbunden, sollen sie nun durch einen festen Gebäudesockel voneinander getrennt werden. Das Team Diener & Diener und August und Margrith Künzel Landschaftsarchitekten hatte das Zusammenspiel der architektonischen und parkräumlichen Idee entwickelt, und es wurde von der Jury zur Grundlage des Bebauungsplans bestimmt.

Aufgabe der Stadtbildkommission

Bebauungspläne umfassen die Kartierung der Gebäudevolumen, -höhen und der Freiflächen in Planform und einen Text, ergänzt mit Ab­bildungen des im Wettbewerbsverfahren ausgewählten Projekts, soweit sie städtebaulich für den Bebauungsplan relevant sind. Das gilt auch für City-Gate. Die Stadtbildkommission hat die Aufgabe, ­sicherzustellen, dass diese Ansprüche und Ideen in den konkreten Projekten gewahrt und tatsächlich umgesetzt werden. Nach unserer Einschätzung ist das im aktuellen Fall nicht ausreichend geschehen.

Der Eigentümer für das Haus mit der grossen Öffnung zwischen Platz und Stadtwald hatte Diener & Diener Architekten schon 2007 mit dem Vorprojekt und mit Visualisierungen beauftragt. 2016 haben die neuen Entwickler die Planung wieder aufgenommen und uns mit weiteren Visualisierungen beauftragt. Ohne Angabe von Gründen wurde die Beauftragung anschliessend annulliert. Von dem finalen Projekt mit neuen Architekten erfuhren Diener & Diener in den Medien. Ob unserem Büro die weitere Bearbeitung entzogen wurde, weil die Behörden in Aussicht gestellt haben, auf die Auflage des von uns ausgewiesenen, offenen Durchgangs zugunsten einer massiven Sockel­lösung zu verzichten, entzieht sich unserer Kenntnis.

Das Ensemble sollte laut Bebauungsplan aus vier unterschiedlich orientierten Gebäuden gebildet werden, die verschieden in Erscheinung treten. Wir konnten uns während des Wettbewerbs Glasfassaden, gemischt mit anderen Fassaden, vorstellen. Die im Beitrag der «Basler Zeitung» zu diesem Aspekt zitierten Aussagen sind un­zutreffend, sie bedienen nur die Vorurteile gegen Glasfassaden.

Glashüllen

Selbstverständlich ist es bis heute möglich, die Hüllen von Häusern in Glas aufzulösen. Das Novartis Campus Forum 3 (2005) in Basel oder das Swiss Re Headquarter (2017) am Mythenquai in Zürich, wo die ganze Gebäudehülle in ondulierte Gläser aufgelöst ist, sind faszinierende und erfolgreiche Gebäude, «Swiss Re Next» erfüllt auch als eines der wenigen Gebäude in der Schweiz die höchsten internationalen Standards für eine nachhaltige Bauweise und für einen minimalen Energieverbrauch. Auch sind die Glashüllen so gestaltet, dass sie für Vögel keine Gefahr darstellen.

Der Beitrag folgert, dass man besser auf solche poetischen Aussagen wie im Wettbewerb und Bebauungsplan City-Gate verzichtet hätte, wenn sie später nicht eingelöst werden.

Wir finden, das wäre Resignation und keine tragfähige Grundlage, um unsere Städte mit schöpferischer Fantasie weiterzuentwickeln. Notabene ist auch dem Onlineportal, das die BaZ zitiert, der Satz vorangestellt: «Man ist nicht realistisch, wenn man keine Idee hat». Max Frisch! Schliesslich sei festgehalten, dass wohl das reizvolle, erlebbare Zusammenspiel nicht zustande kommt, aber dass wesentliche Teile des Bebauungsplans doch realisiert werden: Der alte, reizvolle Stadtpark wird erhalten und kultiviert, und zwischen den Häusern entsteht ein neuartiger, städtischer Platz.

Basler Zeitung

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