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Chance für einen Neustart

Weder der CEO noch der Verwaltungsrat griffen ein, als die Krise der Baselworld selbst für Aussenstehende offensichtlich wurde. Es braucht eine grundsätzliche Veränderung.

Raphael Suter
Hat die Zeichen der Zeit nicht gesehen: Ex-Messe-CEO René Kamm.
Hat die Zeichen der Zeit nicht gesehen: Ex-Messe-CEO René Kamm.
Keystone

René Kamm tritt als CEO der MCH Group zurück. Der 58-jährige Basler war fast 20 Jahre bei dem Unternehmen, in dem er 1999 als Leiter der Uhren- und Schmuckmesse begann. Der damalige Verwaltungsratspräsident Robert A. Jeker hatte ihn als Kronprinzen eingestellt und tatsächlich folgte Kamm nur vier Jahre später auf Jürg Böhni als Chef der Messe Schweiz.

René Kamm machte aus dem bislang nur national agierenden Messeunternehmen eine internationale Gruppe. Unter ihm entstanden die Ableger der Art Basel in Miami und Hongkong. Die Uhren- und Schmuckmesse wurde unter dem Namen «Baselworld» zur weltweiten Leadermesse der Branche. Als übereifrige Bundesbehörden wegen des schweren akuten Atmennotsyndroms (Sars) den asiatischen Ausstellern 2003 eine Teilnahme an der Messe in Basel verboten, schaffte Kamm das Bravourstück, die vor den Kopf gestossenen Aussteller bereits im Folgejahr wieder zurückzuholen.

Danach folgten die goldenen Jahre der Baselworld. Gleichzeitig beklagten sich aber immer mehr Aussteller über das arrogante Auftreten der Messeleitung. Wegen ihrer Bedeutung und der langen Warteliste konnte sich die Baselworld viel erlauben.

Untätiger Verwaltungsrat

Den Ausstellern wurde nahegelegt, auch die Standfirma und die Services der Messe zu berücksichtigen, wenn sie sich Hoffnungen auf einen guten Platz machen wollten. Vor allem die Preispolitik der Messe kam in die Kritik, die durch die Krise der Uhren- und Schmuckbranche vor vier Jahren noch verschärfter wahrgenommen wurde.

Unverständlich ist, wie der Branchenkenner Kamm nicht auf diese Signale reagierte. Und an der Spitze der Baselworld standen mit Sylvie Ritter und Martin Fergusson zwei Messevertreter, die wegen verschiedener Vorkommnisse in die Schlagzeilen gerieten. Ritter wegen der Vergabe von Aufträgen an ihren Mann und Fergusson wegen einer Verurteilung in einem Veruntreuungsfall. Doch der Messechef hielt weiter an ihnen fest. Erst diesen Mai traten beide gemeinsam zurück.

Nicht nur Kamm, sondern auch der Verwaltungsrat griffen nicht ein, als die Krise der Baselworld selbst für Aussenstehende offensichtlich wurde. Die Probleme wurden einfach der schwierigen wirtschaftlichen Situation zugeschrieben.

Der «Schönwetterkapitän» René Kamm hat jetzt die Konsequenzen gezogen, Ueli Vischer muss als Interims-CEO erst noch beweisen, dass er das schwankende Schiff wieder auf Kurs bringen kann. Peinlich ist, dass seine eigene Partei ihm in vorauseilendem Gehorsam dafür bereits das Vertrauen ausgesprochen hat.

Die Krise der MCH Group ist aber auch eine Chance für einen Neustart. Dabei sollte bei der künftigen Strategie jedoch nicht vergessen werden, wo das Unternehmen verankert ist. Der Kern der MCH Group muss die Messe Basel bleiben.

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